Mitten in Kleinhüningen befindet sich die Kontrollzentrale für das Basler Trinkwasser. Das Wasserlabor der Industriellen Werke Basel (IWB) ist für die Qualitätssicherung zuständig. Ein zwölfköpfiges Team kümmert sich um die Proben, die aus dem Einzugsgebiete der IWB stammen. «Es gibt 150 Standorte, an denen wir regelmässig Wasser entnehmen», sagt Richard Wülser, Leiter der Qualitätssicherung bei den IWB.

Täglich untersucht das Labor Proben der natürlichen Wasseraufbereitungsstätten Langen Erlen und Hardwald. Einmal im Monat wird das Trinkwassernetz auf seinen hygienischen Zustand kontrolliert, alle drei Monate werden zusätzlich die chemischen Rückstände dokumentiert.

Öffentliche und private Proben

Zwischen 20 und 100 Proben werden wöchentlich im Labor analysiert. «Zwischen 20 und 25 Prozent der Proben kommen dabei von unseren rund 20 festen Kunden», sagt Wülser. Das sind Wasserversorger, Pharmaunternehmen und Spitäler. «Für einige grosse Unternehmen untersuchen wir das Wasser, das in der Produktion verwendet wird», sagt Wülser. Bei Spitälern muss besonders die Qualität des hochreinen Wassers überprüft werden.

Die Trinkwasserproben werden unter anderem den Brunnen in Basel entnommen. «Damit haben wir eine Kontrolle über das Endprodukt, das in die Haushalte kommt», sagt Wülser. Andere Kontrollpunkte sind Verteilknoten im Leitungssystem. «So wissen wir, ob das Trinkwasser vor der Verteilung zu den Kunden dem angestrebten Standard entspricht.» Die Laborräume nehmen ein Stockwerk in Anspruch. Mit Elektrizität werden die ionischen Bestandteile im Wasser, der pH-Wert und die Bestandteile von Eisen, Mangan und Kieselsäure ermittelt.

Erfassen von Spurenstoffen

Das IWB-Labor unterscheidet sich in einem Bereich von anderen Wasserlaboren in der Schweiz: die Spurenstoffanalytik. Diese schützt das Grund- und Trinkwasser langfristig vor Arzneimitteln, Hormonen, Duftstoffen, Bioziden oder Lebensmittelzusatzstoffen. «Die Konzentrationen dieser Substanzen sind gering, sodass davon keine akute Gefahr ausgeht», sagt Wülser.

Die langfristigen und kombinierten Wirkungen dieser Substanzen liessen sich nur schwer abschätzen. Darum sei es wichtig, dass diese Substanzen im Wasser erkannt und Schritte gegen ihren weitere Ausbreitung unternommen werden, sagt Wülser.

In der Mikrobiologie wird die Anzahl der Kolonien bildenden Einheiten (KBE) untersucht. Die Methode dafür ist über 100 Jahre alt und relativ einfach – aber wichtig: Krankheitserregende Bakterien wären eine grosse Gefahr für die Bevölkerung, sagt Wülser. Der nationale Toleranzwert der Anzahl Bakterien pro Milliliter Trinkwasser liegt bei 300 KBE. Zum Vergleich: Pasteurisierte Milch hat einen gesetzlichen Toleranzwert von 100 000 KBE. Mittlerweile gibt es neue Geräte mit Lasertechnologie. «Diese Methode ist schneller und genauer», sagt Wülser.

Eingeführt wurde die neue Maschine in Basel 2011, weil die IWB seither eine mögliche Verkeimung des Trinkwassers nicht mehr mit Chlor-Dioxid vorbeugt. Das übernimmt eine UV-Lichtanlage, welche die Bakterien abtötet. «Allerdings haben wir keine Depot-Wirkung durch das Chlor-Dioxid mehr.» Das bedeutet, dass sich spätere Verunreinigungen einfacher ausbreiten könnten. Deshalb funktioniert die Qualitätskontrolle nach dem Prinzip der Prozessbeherrschung: Zu der regelmässigen Untersuchung des Trinkwassers werden periodisch umfassende Risikoanalysen durchgeführt, um die Risiken zu erkennen und die Prozesssicherheit zu erhöhen. «Das Ziel ist, die jetzige Sicherheit und Qualität des Trinkwassers beizubehalten und alles zu tun, damit dies so bleibt.»

Wülser selbst arbeitet seit 26 Jahren bei den IWB. Einen schlimmen Vorfall habe es bisher nicht gegeben. «Es kam ein einziges Mal vor, dass in einem einzelnen Quartier kontaminiertes Wasser durch eine verschmutzte Wasserleitung auftrat», sagt Wülser.