Im Jahr 2019 feiert Basel das Jubiläum von 1000 Jahren Münster. In Zusammenhang mit diesem Fest macht Münsterpfarrer Lukas Kundert, Präsident des Kirchenrats der evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt, Regierungspräsident Guy Morin in einem Brief einen Vorschlag. Er regt an, zu prüfen, ob die Grabkrone der Königin Anna (1225–1281) aus dem Basler Münsterschatz «heimgeholt» werden könnte. Sie befindet sich derzeit im Berliner Kunstgewerbemuseum.

Den Eingang des Briefes bestätigt Markus Ritter, stellvertretender Generalsekretär des Präsidialdepartements. Bereits seien erste Schritte eingeleitet worden. Das Historische Museum solle zuerst informell mit dem Berliner Museum in Kontakt treten.

Königin Anna - oder auch Getrud von Hohenberg

Getrud von Hohenberg, die sich nach der Wahl ihres Gatten Rudolf von Habsburg 1273 zum Deutschen König nur noch Königin Anna nannte, ist eine auch für Basel wichtige historische Person. Sie hatte den Wunsch, nach ihrem Tod zusammen mit ihrem verstorbenen «Söhnlein» Karl im Basler Münster begraben zu werden. Ihr heute leeres Grab steht im Chorumgang des Münsters links. Die Gebeine befinden sich heute auf katholischer Erde in Österreich. Annas versilberte Grabkrone mit vier Lilien wurde nach der Trennung Basels vom damals jungen, vermögenslosen Halbkanton Baselland an einer Auktion seines Anteils des Münsterschatzes 1836 für 351 Franken ersteigert und dann nach Berlin verkauft.

In seinem Brief an Morin regt Kundert an, dass über politische Kanäle in Deutschland Kontakt aufgenommen und die Frage einer Heimholung abgeklärt werde. Es sei auch die Finanzierung zu klären, schreibt Kundert, «eine spannende Variante wäre allenfalls eine öffentliche Sammlung im Rahmen der Jubiläumsaktivitäten wie damals beim Ankauf von Picasso-Bildern», erklärt er. Die Idee zur «Heimholung» hatte Karl Meyer-Lustenberger (66), der bei der Aufsicht des Münsters und bei Führungen für Touristen mitwirkt.

Dauerhafte Rückgabe ausgeschlossen

«Eine dauerhafte Rückgabe» der Grabkrone der Königin Anna nach Basel (auch als Dauerleihgabe) erscheint Lothar Lambacher, stellvertretender Direktor des Berliner Kunstgewerbemuseums, jedoch «ausgeschlossen». Dies stellt er gegenüber dem «Sonntag» klar. Er begründet dies damit, dass die über die Berliner Kunstkammer und die Kollektion des Prinzen von Preussen in den Bestand des Museums gelangten Teile des Basler Münsterschatzes «zu den zentralen Sammlungsteilen unserer Mittelalterabteilung zählen».

Eine «Heimholung abgewanderter Kunstwerke» an ihren angestammten Ort ist für Lambacher zwar ein «nachvollziehbares Ansinnen». Ihre regelmässige Realisierung würde aber in letzter Konsequenz «die Umkehrung eines für die europäische Kulturgeschichte des 19. und frühen 20. Jahrhunderts prägenden Prozesses bedeuten»: der Begründung musealer Sammlungen als Mittel der Geschichtsaneignung.

Im Fall der goldenen Altartafel, dem wertvollsten Objekt aus dem Münsterschatz, sieht es ebenfalls nicht gut aus. Die Tafel wurde von Baselland auch 1836 verscherbelt und befindet sich seit 1852 im Musée de Cluny von Paris. In einem Offenen Brief hatte der «Sonntag» den französischen Präsidenten François Hollande aufgefordert, dieses kulturelle Erbe Basels zurückzugeben. Auf dieses einzigartige Kunstwerk will Paris aber nicht verzichten: «Objekte nationaler Sammlungen sind unveräusserlich», sagt Claire Valléry vom Musée de Cluny. Auch das Jubiläum von 1000 Jahren Basler Münster ist für Paris leider kein Argument.