Der Zyschtigsbryys ist kein todernstes Wettsingen, sondern bietet allen Schnitzelbänggler, die sich vor einem toleranten, kompetenten und loyalen Publikum beweisen wollen, eine ideale Plattform. Dieses Publikum amtet auch als Jury; ein Rezept, das sich bestens bewährt hat. Und ziemlich repräsentativ dürfte die Wertung so auch sein, immerhin gingen dieses Jahr rund 150 Stimmzettel ein.

Gewonnen hat diesmal ein «Wilder», nämlich D Gryysel.

Die Schnitzelbank-Formationen, die sich angemeldet haben, präsentieren sich – wenn möglich – in ihrer gewählten Auftrittszeit und werden im Rittersaal des Atlantis verpflegt, sodass sie sich aufwärmen und stimmungsvoll auf ihren Auftritt vorbereiten können. Auch Neueinsteiger sind herzlich willkommen, denn der Zyschtigsbryys soll eine Institution zur Förderung des Basler Schnitzelbanggwesens sein.

Nach sieben Austragungen war die Vorgängerveranstaltung, der «Schnaabelbryys», Geschichte. Mit der Austragung 2010 war diese Art der seinerzeit formulierten Nachwuchsförderung für den Basler Schnitzelbank erschöpft. Zweck und Ziel konnten dank der regen Teilnahme von unzähligen Schnitzelbängg erreicht werden. Insgesamt kamen während dieser Zeit 51 Schnitzelbängg.

Am Dienstagabend nun standen die ersten Gäste bereits um 18 Uhr locker, munter plaudernd vor dem Atlantis – der Regen war auch ein Thema, vor allem weil er aufhörte. Dann ging es hinein in die gute Stube, die 160 Gäste füllten auch den letzten Platz.

Querschnitt der Comité-Schnitzelbängg

Querschnitt der Comité-Schnitzelbängg

Das passende Lokal

Man kennt sich – es ist (fast) eine Zyschtigsbryys-Familie. Die Gäste kommen seit Jahren vom Aargau und von Bern, Luzern, auch aus Basel. Für diese Klientel ist es der Abend schlechthin während der Fasnacht ... In der angeblich guten alten Zeit war das -tis ein Mekka der Unterhaltungsmusik; da traten les Sauterelles, Hazy Osterwald, die PS Corporation und viele andere klingende Namen auf. Das Haus hat seine Aura, seinen Charme der alten Zeiten nicht verloren – im Gegenteil. Ohne Zweifel passend für diesen Fasnachts-Event. Die Gäste sind am Platz – das überaus freundliche Personal serviert den Apéro. Der Lärmpegel ist wie an einer Vernissage vor der ersten Rede.

Hausherrin Claudia Danuser und Organisator Armin Faes begrüssen die Gäste. Faes erklärt kurz die Jurierung und das Notenblatt, das jeder Gast am Platz hat und ausfüllen darf; «sind ehrlig – aber gnädig» ruft er ins Mikrofon. 18 – davon 7 Wilde und Freie – Bänke kommen auf die Bühne und messen sich – die einstige Fernsehgrösse Paul Burkhalter kündigt die jeweilige Bankgruppe baslerisch motivierend an.

Nach sechs Auftritten geniessen die Gäste den Hauptgang und diskutieren selbstverständlich über die Noten, die zu notieren seien, schliesslich sind fünf Preisträger zu erküren. Zwischen den Bänkler-Runden stehen die Gassengötter mit der hohen Trommelkunst auf der Bühne – die passende Abwechslung. Dann kommen die restlichen Bänkler – später das Dessert – und gegen 23 Uhr findet der Bänkler-Reigen seinen Abschluss.

Nicht alle Gruppen schafften es, das Publikum zu begeistern – das lässt auch Päuli Burkhalter zu animieren; «dient doch euri Händ wieder emool zem Klatsche bruuche».

Wenn es auch ein wenig viel Zürcher- und Schwobevärs zu hören gab, der Abend hat gefallen und dürfte bei den Gästen auch im kommenden Jahr den Eintrag in der Fasnachts-Agenda finden. Preisträger sind neben den Erstrangierten Gryysel im zweiten Rang S Spitzig Ryssblei, Tam Tam, das Rollator Röösli und der einzige Comité-Bank folgt auf Rang Fünf, Dr Spitzbueb.

Noch eine Runde

Nach dem -tis gässelt d’ Hummele in den Gugge 46-Käller – das ist echt eine andere Schnitzelbank-«Welt». Der Bodesuuri hatte dort seinen Auftritt. Alle sassen da in ihren Jacken und freuten sich, dass ein Schnitzelbank kommt ... hier hagelt es Zwischenrufe wie etwa «Düure zue», hier wird zwischen den Darbietungen Geld eingezogen, es ist einfach deutlich lärmiger. Aber den Bodesuuri stört das nicht, es gehört zum Cliquen-Keller-Singen, wie das weisse Gedeck an den Zyschdigsbryys.

Im Rätzekäller dann traten die Spyrhünd auf und im Bebbi-Käller gaben gerade die Schlyffstai, ihre Verse zum Besten, als die Hummel hereinbrummte. Sie brachten mit ihrer hohen Gesangskunst die Keller-Gäste zum Staunen und zum Mitsummen. Ein riesiges «Bravo» begleitete darum die Schlyffstai bis hinaus in die Nacht.