Skimming
Im letzten Jahr gab es in Basel 47 Skimming-Fälle

Das Geschäft mit manipulierten Bankomaten schlägt hohe Wellen. Die Polizei lancierte jüngst eine nationale Präventionskampagne. Auch in Basel soll auf das noch wenig bekannte Skimming aufmerksam gemacht werden.

Mélanie Honegger
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Präventionskampagne der Polizei mit Unterstützung der Schweizerischen Bankiervereinigung und der Schweizerischen Kriminalprävention (SKP).

Präventionskampagne der Polizei mit Unterstützung der Schweizerischen Bankiervereinigung und der Schweizerischen Kriminalprävention (SKP).

Zur Verfügung gestellt

Skimming: Schweizweiter Schaden von 15 Millionen Franken

Skimming kommt vom Englischen «to skim» und bedeutet abheben oder abschöpfen. Es ist eine stark zunehmende Form des Diebstahls, bei der Geldautomaten und andere Geräte mit Kartengebrauch mit Hilfe von speziellen Apparaturen wie zum Beispiel versteckt angebrachten Kameras oder falschen Tastaturen manipuliert werden.

Mit diesen Apparaturen werden die Magnetstreifendaten der Karten kopiert und PIN-Codes ausgespäht. Im Ausland reicht dies für den Bezug von Bargeld. So wird bei Skimming das Bargeld immer im Ausland bezogen.

Die fünf offiziellen Regeln der Skimming-Kampagne lauten:
• Sich von niemandem helfen lassen
• PIN-Code immer verdeckt eingeben
• PIN-Code nie bei sich tragen
• Immer auf Privatsphäre bestehen
• Auffälligkeiten melden

Rolf Nägeli, Präventionsleiter der Stadtpolizei Zürich, spricht von über 600 Skimming-Fällen in der Schweiz im letzten Jahr. Dabei habe sich der finanzielle Verlust auf rund 15 Millionen Franken belaufen. (MHO)

Die Polizei will diesem Unwissen mit Unterstützung der Schweizerischen Bankiervereinigung und der Schweizerischen Kriminalprävention (SKP) entgegentreten und lanciert eine nationale Präventionskampagne. In diesem Zusammenhang wird auch die Basler Kantonspolizei an der diesjährigen Muba auf das Thema aufmerksam machen.

Rolf Nägeli, Präventionsleiter der Stadtpolizei Zürich, spricht von 47 Skimming-Fällen, die letztes Jahr an Basler Bankomaten begangen worden sind. «Die Situation in Basel ist ähnlich wie in anderen Schweizer Städten. In Zürich registrierten wir im letzten Jahr 52 Fälle an Bankomaten», präzisiert er. Wichtig ist laut Nägeli, dass sich die Leute auch der Skimming-Gefahr an anderen Orten bewusst sind: «In letzter Zeit liegt beim Skimming der Fokus auf Zahlungen im Detailhandel, an Tankstellen oder Billettautomaten.»

SBB kennt Problem schon länger

Bei der SBB ist Skimming schon seit mehr als einem Jahr ein Thema. «Damals gab es viele Skimming-Vorfälle an Billettautomaten, auf die wir schnell reagiert haben», sagt Reto Schärli, Mediensprecher der SBB. Momentan habe sich die Situation etwas entspannt: «Wir hatten seit Anfang Jahr nur einen Skimming-Vorfall. Da unsere Mitarbeiter die Automaten mehrmals am Tag prüfen, können wir Betrugsfälle nun schneller feststellen.» Es seien auch schon Täter verhaftet worden.

Diese sind laut Peter Gill, Sprecher der Basler Staatsanwaltschaft, als organisierte Banden unterwegs, die zu zweit oder dritt zusammenarbeiten. Dabei manipulieren sie die Automaten meistens nachts. «Vor allem aber denken viele, die Täter würden selbst Bargeld beziehen und vermuten daher nichts Böses.» Was auch vorkommen könne, seien Skimming-Betrüge in Restaurants. «Nicht immer kommen die Angestellten mit dem Lesegerät zu Ihnen an den Tisch. Als Kunde sollten Sie dabei nie Ihre Karte aus der Hand geben.»

Problematisch ist, dass die eigenen Daten nach einem Skimming-Betrug im Umlauf sind. «So kann in mehreren Städten gleichzeitig Geld eines Opfers bezogen werden.» Auch die UBS wappnet sich gegen allfällige Skimming-Betrüger, wie Mediensprecher Samuel Brandner erklärt: «Die UBS investiert laufend in die Sicherheit von Kartenprodukten und UBS-Bankomaten.» So seien schweizweit alle Bankomaten mit besserer Technologie nachgerüstet worden. «Seit Mai 2011 konnten wir keine erfolgreichen Skimming-Attacken auf UBS-Bankomaten feststellen.»

Haftung ist Aufgabe des Besitzers

Aber was soll eine Person denn tun, wenn sie Opfer eines solchen Skimming-Vorfalles wurde? Laut Nägeli empfiehlt sich eine umgehende Sperrung der Karte. «Bei Verdacht auf Skimming ist es wichtig, dass der Automatenbetreiber oder die Polizei verständigt wird.» Ein grosses Problem im Zusammenhang mit Skimming ist die Frage der Haftung. «Hat das Opfer fahrlässig gehandelt, also beispielsweise den Pin-Code aufgeschrieben oder seine Bankkarte einem Freund gegeben, dann hat er eigentlich die Sorgfaltspflicht verletzt», bringt es Gill auf den Punkt.

Und auch Nägeli sagt, dass grundsätzlich jede Person selbst für seine Karte verantwortlich sei. Ein kleiner Lichtblick am bewölkten Horizont der Skimming-Fälle ist die Grosszügigkeit der Banken: Laut Nägeli zeigen sich diese nämlich meistens entgegenkommend und übernehmen den gesamten Schaden.