Ich fand ihn schon immer grusig. Der sogenannte «plage» oder Strand von Huningue, direkt neben der Dreiländerbrücke, sah die letzten Jahre nie besonders einladend aus. Das kam zum grossen Teil davon, dass Tierliebhaber die Wasservögel und vor allem die zahlreichen Schwäne mit Liebe gefüttert haben. Verboten ist das seit etlichen Jahren, aber seit letztem Sommer verkündet ein dreisprachiges Schild auf Französisch, Deutsch und Englisch, dass die Fütterung das ganze Jahr verboten ist. Wer dabei erwischt wird, kann von der Stadtpolizei mit einer Busse von 68 Euro belegt werden.

Der Grund war, dass sich der kleine Strand langsam, aber sicher zu einer Müllhalde unter freiem Himmel entwickelte. Ausserdem ziehen die Essensreste Ratten an, und die verbreiten Krankheiten. «Wir haben das Schild deshalb aufgestellt, weil viele Deutsche hier die Wasservögel füttern, da es in Deutschland verboten ist», teilt Maire Jean-Marc Deichtmann der bz mit.

Tatsächlich steht auch auf der anderen Rheinseite ein Schild neben der Dreiländerbrücke. «Wer Schwäne füttert, füttert auch Ratten!», wird zweisprachig mitgeteilt. Bei einem Erstverstoss sind 35 Euro fällig. Keine Probleme mit dem Füttern scheint man in Basel zu haben. Ich habe bei der Kantonspolizei nachgefragt, und dort antwortete mir Mediensprecher Martin Schütz kurz und klar: «In Basel gibt es kein Fütterungsverbot für Vögel.»

Auch in einem anderen Punkt ist Basel liberaler als die elsässische Nachbarstadt: beim Rheinschwimmen. In Huningue warnt ein grosses, rotes Schild am «plage» zweisprachig: «Baignade interdite», «Baden verboten». Das sei in ganz Frankreich schon seit mindestens 20 Jahren so geregelt, erklärt Maire Deichtmann. Und zwar dann, wenn der See, Fluss oder Kanal nicht durch einen ausgebildeten Bademeister überwacht wird. Bezahlen müsste ihn die Stadt, und das würde zu teuer. Ziel ist, Unfälle zu vermeiden. Mit einem Verbotsschild sind die Politiker aus dem Schneider und können nicht haftbar gemacht werden. In Weil ist das Baden im Rhein im Hafen, wie in Basel auch, und beim Stauwehr Märkt verboten.

Da wundert es nicht, dass man an schönen Sommertagen am Basler Rheinbord unter Hunderten von Rheinschwimmern auch viele französische und deutsche Nachbarn findet. Es gibt zwar offizielle Regeln, aber kein generelles Verbot.

Als ich 1998 nach Huningue zog, wusste ich nichts von diesen Bestimmungen – ich hätte mir einige Schreckensminuten erspart. Bei einem meiner ersten Spaziergänge am Rhein habe ich mich mit einer Anwohnerin des besagten Strandes unterhalten. Sie hat mir erzählt, dass sie regelmässig vom «plage» auf die andere Seite nach Weil am Rhein und wieder zurückgeschwommen ist, allerdings nicht allein.

Da ich Wasser liebe, habe ich das einige Tage später ausprobiert und bin trotz Wasser ins Schwitzen gekommen. Der Hinweg ging noch. Auf dem Rückweg war es aber wegen der Strömung gar nicht so leicht, vom Rand der Einfahrt ins Hafenbecken auf deutscher Seite, bis zu der ich gelaufen war, zurück zum sicheren «plage» zu schwimmen. Die Dreiländerbrücke gab es noch nicht. Am meisten Sorgen haben mir die Motorboote gemacht. Ich war alleine und ohne Schwimmsack unterwegs und deshalb schlecht zu erkennen. Ich habe es glücklicherweise überlebt und diese Dummheit nie mehr wiederholt.