Neueröffnung

Im Nordstern heissts wieder: «Mieze – Katze – Mieze – Katze»

Das Partyvolk fühlte sich schnell heimisch im neuen Revier.

Das Partyvolk fühlte sich schnell heimisch im neuen Revier.

An viele Neuerungen müssen sich die Nordstern-Fans nicht gewöhnen: Der grösste Basler Club feierte am Freitag auf dem Schiff Neueröffnung – mit vielen Stammgästen und bekannten Acts.

Freitagabend, 22 Uhr, Totalkrise. Keine Tickets mehr erhältlich für das Nordstern. Ausverkauft, seit dem frühen Nachmittag. Vergeblich haben die Technofreunde auf Facebook nach Wiederverkäufern gesucht. Mit dem Inhaber Agi Isaku zu sprechen, bringt nicht viel: «Ich bin im Stress, habe keine Zeit und seit zwei Wochen nicht geschlafen!» Über 1000 Personen haben ihre Teilnahme zugesagt. Da verliert man beinahe die Hoffnung auf den Eintritt.

Der bekannteste Club Basels öffnete am Freitag seine Tore auf dem Schiff «Expo Star» am Westquai, Kleinbasel. Zuvor befand sich das Nordstern am Voltaplatz: Während 15 Jahren lud es dort zum Tanz, von Donnerstag bis Sonntag, jeweils bis in die frühen Morgenstunden. Noch im Februar war das Nordstern tot geglaubt – bis die Auferstehung im Hafen verkündet wurde.

Sie kommen von überall her

Um 23 Uhr werden die ersten Gäste reingelassen. Eine halbe Stunde zuvor hatte sich noch jede und jeder ohne Ticket in die Schlange eingereiht, die immer länger wurde. Unter den Wartenden: Sina, Sebastian und Étienne. Sie sind extra aus St. Gallen angereist. «In St. Gallen läuft einfach nichts, wir fahren regelmässig nach Zürich oder Basel am Wochenende», heisst es vom Trio. Das Nordstern kennen sie schon lange. Offensichtlich sind sie nicht die einzigen, die das so sehen. Eineinhalb Stunden dauert das Warten und Bangen, bis sich endlich die Türsteher vor den Wartenden aufbauen.

Wer 21 Jahre alt ist, der kommt rein. 30 Franken für den Eintritt. Na ja, einige haben sich einfach reingeschlichen. Das neue Nordstern ist zweistöckig. Unten befinden sich die Tanzfläche, eine Bar und die Toiletten. Oben die Garderobe und eine zweite, geräumige Bar. Schnell wird klar: Das Partyvolk fühlt sich zu Hause. Die Wände sind schwarz angestrichen und darauf – wie in der alten Heimat am Voltaplatz – sind Wörter wie «Club», «Bar» oder «WC» in weisser Farbe gesprayt. Die Barkarte und Beschriftung sehen auch genau gleich aus wie früher.

Bei einem Stammkunden des Nordsterns kommt das Projekt gut an: «Der Dancefloor unten ist genauso wie der alte, aber viel grösser und der Bass, der haut einfach mehr rein.» Sogar das Podest um die Tanzfläche sei übernommen worden. Er werde bestimmt Stammkunde bleiben. Die 30 Franken seien für ihn akzeptabel, es handle sich ja schliesslich um die Eröffnungsfeier. Reinhardt aus Lörrach fühlt sich ebenfalls wohl. «Den guten Electro haben sie beibehalten», sagt er. Ihm gefalle die grössere Bar oben. Sie lade zum Relaxen ein, wenn man mal eine Pause brauche.

Partygänger aus Basel, der übrigen Schweiz, aber auch dem grenznahen Ausland feiern den neuen Club. Für viele wirkt er viel eleganter und geräumiger, verglichen mit dem alten Standort. Der Boden auf der Tanzfläche ist etwas rutschig, was für slapstickartige Fuchtel-Aktionen sorgt. Vermutlich hätte es mehr Toiletten vertragen. Denn auf dem Männerklo standen bereits früh die Frauen Schlange.

An viele Neuerungen müssen sich die Nordstern-Fans nicht gewöhnen. Immerhin stinken die Kleider nicht mehr so nach Rauch, wenn man im Bett liegt. Der Heimweg dürfte sich künftig aber etwas ziehen. Wenn die Drämmli nicht mehr fahren, spürt man die Abgelegenheit des neuen Standorts am Westquai. Der Voltaplatz lag zentraler. Dann bleibt beim Hafenareal einzig das teure Taxi als bequeme Alternative. Oder man feiert, bis der öV eben wieder fährt. Denn bis sieben Uhr morgens pumpen aus den Boxen Bässe und Beats – am Freitag war darunter auch der Electro-Kultact aus New York: «the Martinez Brothers».

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