Das Haus auf der Gundeldinger Seite des Bahnhofs kennen viele Menschen in Basel. Das «Soup & Chill» ist die warme Stube all jener Menschen, die kein Zuhause haben. An der gleichen Adresse befindet sich aber auch das weniger bekannte Restaurant du Coeur – ein gemeinsames Projekt von «Soup & Chill» und dem Verein Arab Swiss House.

Hilfe für Flüchtlinge

Bereits über 80 Angebote

Am 22. August hat die bz gemeinsam mit der kirchlichen Fachstelle Katholisch bl.bs das Projekt «interaktive Flüchtlingskarte» lanciert. Ziel der Aktion ist es, für Betroffene sowie hilfswillige Private, Vereine oder Organisationen einen Überblick über alle regelmässig stattfindenden Betreuungsangebote für Flüchtlinge in der Region Basel zu schaffen. Diese Woche stellen wir an dieser Stelle ausgewählte Projekte vor. (bos)

Schon am Morgen riecht es nach Essen. In der offenen Küche arbeiten fünf Menschen. Sie schnipseln Gemüse, würzen die Suppe, pürieren Kichererbsen oder falten Blätterteiggebäck. Drei von ihnen sind Flüchtlinge. Die jungen Männer, die an diesem Tag in der Küche arbeiten, kommen aus Äthiopien und Eritrea. Sie möchten nicht mit Name oder Foto in der Zeitung erscheinen. Sie befürchten, dies könnte negative Auswirkungen haben.

Die Tage ohne Aufgabe sind lang

Einer von ihnen verteilt Blattspinat auf kleine, runde Teigstücke, faltet sie und drückt mit der Gabel dekorative Rillen in den Teig. Er arbeitet einmal pro Woche im Restaurant du Coeur. «Ich würde gerne mehr arbeiten», erzählt er auf Deutsch. Aber das ist nicht möglich: «Es gibt mehr Leute, die bei uns kochen möchten, als es Tage und Arbeit gibt», erklärt Hoda Elsherif, die Projektverantwortliche von Arab Swiss House. «Wir schauen deshalb, dass möglichst viele Flüchtlinge zum Zug kommen und so wenigstens einmal pro Woche einen Tag bei uns arbeiten können.» Es gehe darum, dass die Menschen eine Beschäftigung hätten, und nicht den ganzen Tag nur herumsitzen und warten müssten.

Der junge Äthiopier ist seit drei Jahren in der Schweiz. Er wohnt in einer Asylunterkunft in Bottmingen. Das Geld für Essen und Kleider bekommt er von der Sozialhilfe. «Ich würde mein Geld lieber selber verdienen. Arbeiten», sagt er. Die Tage in der Asylunterkunft seien lang, wenn man einfach warten müsse. «Wir essen und schlafen.» Viele Menschen in der Unterkunft seien traurig. «Man denkt so viel. Die Gedanken drehen sich im Kreis. Das macht nur Probleme.» Der junge Äthiopier zieht die Schultern hoch. Während er erzählt, hat er ganz vergessen, weiter Blätterteigtaschen zu falten.

Kreative Küchenchefin

May Missaoui klatscht in die Hände. Es ist bald 11 Uhr. Die Küchenchefin muss dafür sorgen, dass das Essen pünktlich fertig ist. Die 30-jährige Tunesierin hat einen B-Ausweis, ist seit drei Jahren in der Schweiz. Sie hat Biologie studiert, hat in Basel aber bisher keine Stelle in diesem Bereich gefunden. «Ich habe halt, abgesehen von einem praktischen Master, nur tunesische Diplome», sagt sie. Deshalb steht sie fast jeden Mittag im Restaurant du Coeur hinter dem Herd oder gibt über den Verein Arab Swiss House Arabischkurse.

Missaoui lacht viel, gibt ihren Helfern Anweisungen, lehrt sie nebenbei die wichtigsten Wörter auf Deutsch: «Kannst du bitte in die Migros Brot kaufen gehen?»; «Kannst du bitte die Falafel frittieren? Das Öl ist schon heiss.» Missaoui hat den Überblick. Und das Wichtigste: Sie kreiert das Dreigang-Menü. Die Lebensmittel kommen von der Schweizer Tafel. Diese sammelt überschüssige, einwandfreie Lebensmittel ein und verteilt sie gratis an soziale Institutionen. Geliefert wird, was übrig bleibt. «Da muss man flexibel sein», sagt Missaoui. Planen ist praktisch unmöglich. Wenn Knabbersachen wie Maltesers geliefert werden, landen sie schon mal kurzerhand im Dessert. Nur wenn es nicht anders geht, kauft man einzelne Zutaten selber ein.

Salz soll Glück bringen

Auf einem Rüstbrett liegen 17 Knoblauchzehen bereit. Elsherif presst sie in eine grosse Schüssel und hackt dann Tomaten und Peperoni in kleine Stücke. «Das füllen wir nachher in die frittierten Auberginen», sagt sie. Es ist ein ägyptisches Gericht.

Je näher sich der Zeiger der Uhr in Richtung Mittag bewegt, desto konzentrierter wird in der Küche gearbeitet. Sechs Gäste kommen auf sicher. Sie haben reserviert. «Das ist gut. Gäste sind sehr wichtig für uns, damit das Projekt überleben kann», sagt Missaoui. Das Menü hat keinen fixen Preis. Jeder zahlt so viel, wie er möchte und kann. Die meisten geben 15 bis 20 Franken. Das Geld kommt sozialen Projekten zugute.

Missaoui streut sich Salz in die Hand und geht nach draussen. «Ich verstreue es vor dem Eingang, bevor die Gäste kommen», sagt sie. «Es bringt Glück.»

Restaurant du Coeur Montag bis Freitag, 12 bis 14 Uhr, Solothurnerstrasse 8, Basel, Weihnachtspause bis 9. Januar