Tschudimatte
Im St. Johann können Kinder nun Fussball spielen – auch ohne Club

Zuvor gab es im St. Johann-Quartier kein Angebot für Kinder, die Fussball spielen wollten. Die Clubs in anderen Stadtteilen nehmen nur sehr talentierte Kinder auf. Nun können Kinder im St. Johann kicken – ohne Club und ohne Leistungsdruck.

Noemi Lea Landolt
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Dribbeln, passen und Tore schiessen: Im St. Johann können Buben und Mädchen endlich trainieren, ohne dafür durch die halbe Stadt zu reisen.

Dribbeln, passen und Tore schiessen: Im St. Johann können Buben und Mädchen endlich trainieren, ohne dafür durch die halbe Stadt zu reisen.

Michael Abächerli/ZVG

Joel ist 6 Jahre alt, wohnt im St. Johann-Quartier und möchte unbedingt Fussball spielen. Bis vor kurzem war das nicht möglich. In unmittelbarer Nähe zu seinem Wohnort konnte er kein Fussballtraining besuchen, weil es so etwas nicht gab.

Seine Eltern hätten ihn durch die halbe Stadt fahren müssen, um ihn nur schon zu den am nächsten gelegenen Sportanlagen Bachgraben oder Pfaffenholz zu bringen. Und da müsste Joel zuerst in die Juniorenmannschaft eines Fussballclubs aufgenommen werden, der dort trainiert. «Die Wartelisten sind lang», stellt Nicole Fretz vom Stadtteilsekretariat Basel-West fest. «Oft werden nur die Talentiertesten aufgenommen.»

Ein Wunsch wird Realität

Seit Ende August kann Joel im St. Johann Fussball spielen – ohne Mitglied in einem Club zu sein. Er kickt nun, wenn er Lust hat, jede Woche mit fast 50 anderen Kindern auf der Tschudimatte beim St. Johanns-Schulhaus. Dort trainiert FCB-Nachwuchstrainer Joachim Eble die Kinder aus dem Quartier. Unterstützt wird er von einem Jugendarbeiter aus dem Quartier, einer Lehrerin und dem Leiter der Tagesstrukturen der Primarstufe St. Johann.

Das Training ist ein Projekt der Bildungslandschaft St. Johann/Volta. «Es ist neu, dass wir alle so eng zusammenarbeiten und uns gegenseitig unterstützen», erklärt Projektleiterin Leonie Schüssler. Willkommen seien alle Kinder, ob talentiert oder nicht. «Wir möchten vermeiden, dass selektiert wird», sagt Nicole Fretz vom Stadtteilsekretariat Basel-West. Mitbringen müssen die Kinder Turnschuhe und ein Getränk.

Das Projekt Bildungslandschaft St. Johann/Volta ist zeitlich beschränkt bis Ende 2016. Damit die Kinder im St. Johann auch in Zukunft noch Fussball spielen können, suchen die Verantwortlichen bereits jetzt nach Lösungen. «Wir streben eine längerfristige Zusammenarbeit mit den Fussballclubs aus der Region an», sagt Leonie Schüssler.

Wenn das nicht klappt, müssten Joels Eltern eine andere Lösung finden und zum Beispiel beim FC Telegraph anfragen, der im Bachgraben trainiert.

Präsident Robert Gray bestätigt, dass die Nachfrage nach einem Platz in einer Juniorenmannschaft gross ist. Viele Eltern würden anfragen, weil sie bei anderen Clubs in der Stadt keinen Platz für ihr Kind gefunden haben.

Fussball spielen möchten laut Robert Gray vor allem die 6- bis 13-Jährigen. Mit der Pubertät nehme die Nachfrage wieder etwas ab.

Beim FC Telegraph versucht man trotz Ansturm, die Kinder aufzunehmen. Sollte es zu viele Kinder haben, gebe es eine neue Mannschaft – vorausgesetzt der Club findet einen Trainer.

Im Gegensatz zu anderen Fussballclubs, bei denen vor allem sportliche Leistung und Talent zählen, möchte Gray allen Kindern eine Chance geben: «Klar, legen auch wir Wert auf sportliche Leistung, aber sie soll nicht allein im Vordergrund stehen.» Wichtig sei, den Kindern eine Plattform zu bieten, damit sie in einem organisierten Umfeld Fussball spielen und Teil eines Vereins sein können.

«Die Mannschaften sind voll»

Das ist bei den Basler Old Boys nicht möglich: «In die Juniorenmannschaft werden nur die Talentiertesten aufgenommen, die Plätze sind beschränkt und die Mannschaften voll», sagt Christian Hürlimann.

Damit fussballbegeisterte Buben und Mädchen trotzdem schutten können, organisieren die Old Boys das Basler Soccer Project. Es findet immer am Mittwoch auf der Schützenmatte und am Freitag im Joggeli statt. Auch hier kann jeder mitspielen. An- oder abmelden müssen sich die Kinder nicht. «Sie brauchen nur Turnschuhe, Schienbeinschoner und etwas zum Trinken», sagt Hürlimann. «Und müssen pünktlich erscheinen.» Die Eltern kosten die Trainings nichts.