UKBB

Im Teddybär-Spital werden Stofftiere verarztet

Nähen, gipsen und Zähne flicken: Kindergartenkinder lassen im Universitäts-Kinderspital beider Basel ihre Stofftiere verarzten.

Es ist ernst. Sehr ernst. Die meisten Patienten haben einen Arm oder ein Bein gebrochen. Einige sind gestürzt und haben sich am Kopf verletzt. Viele haben hohes Fieber. Den weissen Teddy des fünfjährigen Diar hat es besonders schlimm erwischt. «Ihm tut es überall weh», erklärt der Kindergärtler mit ernster Miene. Der Kopf schmerzt, das Fudi auch und der Arm ist wahrscheinlich gebrochen. Der Arzt misst Fieber, notiert die Temperatur in Teddys Krankenakte. «Das Fieber ist nicht so schlimm. Aber den Arm müssen wir unbedingt röntgen. Weisst Du, was das heisst?» Diar schüttelt den Kopf.

Am Freitagmorgen hat im Universitäts-Kinderspital beider Basel (UKBB) zum achten Mal das Teddybär-Spital stattgefunden. Medizinstudenten der Universität Basel haben den Anlass organisiert und Kindergartenkinder und ihre Stofftiere empfangen. Praktisch jedes Kind hat einen persönlichen Doktor, der sich um den plüschigen Patienten kümmert.

Am Anfang sind die Kindergärtler noch scheu. Mit grossen Augen blicken sie die angehenden Ärzte an. Die Fragen der Medizinstudenten beantworten sie mit einem leisen Ja oder Nein.

Spielerisch Ängste überwinden

Viele sind zum ersten Mal im Spital. Wenn sie davon erzählen, dass der Teddy schon etwas Angst habe vor der Spritze, merkt man, dass ihnen die Nadeln auch nicht so geheuer sind. Aber genau deshalb sind sie im UKBB. Das Teddybär-Spitals hat zum Ziel, den Kindern auf spielerische Art und Weise die Angst vor Ärzten und Spitälern zu nehmen.

Diar und sein Bär sind beim Röntgen. Die Studierenden haben den Hellraumprojektor zur Röntgenmaschine umfunktioniert. «Jetzt schauen wir mal die Knochen deines Teddys an», sagt der Arzt. «Können wir nicht mit der Taschenlampe gucken?», will Diar wissen. «Das geht leider nicht. Wir müssen in den Teddy hineinschauen.» Das Röntgenbild bestätigt den Verdacht: Der Oberarm ist gebrochen. Es braucht einen Gips.

Die Plüschtiere von Alyssa und Diara haben auch etwas gebrochen. Medizinstudentin Laura zeigt ihnen, wie man einen Gips anlegt. Die beiden zögern. So ein Gips ist ganz schön schleimig, verraten ihre angewiderten Gesichter. Da müssen sie jetzt durch. Schicht für Schicht legen sie den Gips ums Bein. «Das ist doch ein bisschen wie Basteln», findet die Ärztin. Die Mädchen interessiert vor allem Eines: «Können wir uns nachher die Hände waschen?»

Dann kommt Diars Bär an die Reihe. Neben dem Arm will der Junge unbedingt noch den Kopf eingipsen. Der tut dem Teddy nämlich auch weh.

Die Medizinstudenten sind motiviert und konzentriert bei der Sache. Mit viel Geduld erklären sie den Reflexhammer, das Stethoskop und den Holzmundspatel. «Es ist schön zu sehen, wie die Kinder aufblühen und sich interessieren», sagt Medizinstudent Alvyn Chee, der das Projekt dieses Jahr koordiniert. «Sollten sie irgendwann selber als Patient im Spital sein, kennen sie Vieles schon. Das macht es für sie einfacher.»

Auf einem anderen Tisch liegt das Bärchen von Ronja und Berk. Es hat sich am Kopf verletzt. Die Wunde muss genäht werden. Die beiden Mädchen bekommen einen Mundschutz. Er ist so gross, dass er locker das ganze Kindergesicht verdecken könnte. Auch die grüne Operationshaube gibt es nicht in Kindergrösse. Doch beim Nähen muss alles sauber sein, damit es keine Entzündung gibt. Medizinstudentin Lorena näht die Wunde am Kopf. Die beiden Mädchen schauen ihr fasziniert zu.

Diars Teddy ist verarztet. Der Junge hat jetzt noch Zeit, mit Antonio Zahnarzt zu spielen. Mit einer riesigen Zahnbürste putzt er zuerst das Plastikgebiss. Dann flicken die beiden konzentriert die Löcher in den Zähnen mit blauem Wachs. Der Fünfjährige ist begeistert. «Das Zähneflicken hat mir am meisten Spass gemacht», erzählt er strahlend.

Zahnarzt will er trotzdem nicht werden, wenn er einmal gross ist. «Ich werde Autofahrer.»

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