Jetzt müssen sich die bestehenden Geburtshäuser der Region endgültig in Acht nehmen: Nachdem die «Schweiz am Wochenende» vergangenen Samstag die Pläne des Bethesda-Spitals offenlegte, 2019 ein eigenes Geburtshaus direkt auf dem Spitalareal eröffnen zu wollen, legt nun das Universitätsspital Basel (USB) nach. Sprecherin Monica Terragni bestätigt Informationen der bz, wonach auch dort an einem ähnlichen Angebot gearbeitet wird: «Wir sind an der Implementierung einer hebammengeleiteten Geburtshilfe.»

Ein Novum für das grösste Spital der Region. Zurzeit können Frauen im Unispital nur klassisch unter der Leitung eines Arztes gebären. Die fest angestellten Hebammen betreuen und unterstützen bloss. Neu sollen die USB-Hebammen die Geburt auf Wunsch der Schwangeren in speziellen Räumlichkeiten ohne Zutun der Ärzteschaft selber leiten können.

Später auch Beleg-Hebammen?

Der provisorische Zeitplan sieht die Umsetzung bereits für 2018 vor, also noch vor dem Bethesda. Im Gegensatz zum Basler Privatspital möchte das USB die Räume dafür aber nicht in einem externen Gebäude einrichten, sondern direkt im Spital. Dies sei dank «umfangreicher Umbaumassnahmen» auf der Geburtsabteilung möglich, schreibt Terragni. Seit Ende März stünden acht statt fünf Gebärzimmer zur Verfügung, sechs reguläre und zwei mit «moderner Gebärbadewanne». Auch konnten neue Hebammenstellen geschaffen werden. Damit orientiert sich das USB eher an der Frauenklinik des Inselspitals Bern und das Bethesda eher am Kantonsspital Aarau. Während in Bern bereits seit 2005 hebammen- und beleghebammengeleitete Geburten in den Gebärsälen des Spitals durchgeführt werden, war Aarau im Mai dieses Jahres das erste Spital der Schweiz, das dafür externe Räumlichlichkeiten schuf.

Und noch etwas unterscheidet das USB-Projekt von jenem des Bethesda: Im USB sollen die Geburten von den fest angestellten Hebammen geleitet werden. Selbstständige Beleg-Hebammen, die die von ihnen betreuten Frauen ins Spital bringen und durchgehend weiter begleiten, gibt es weiterhin keine – vorerst. Denn Terragni schreibt auch: «Dies kann als Pilot für eine spätere Beleg-Hebammen-Geburtshilfe angesehen werden.»

Damit könnte das Bethesda-Spital ein weiteres Alleinstellungsmerkmal verlieren, beschäftigt doch heute kein anderes Basler Spital Beleg-Hebammen. Dennoch sagt man auf Anfrage: «Wir glauben, dass die vorhandenen und geplanten Angebote gut nebeneinander Platz haben und konzentrieren uns auf unsere Stärken.» Während das Unispital für Frühgeburten und Risikoschwangerschaften ausgerüstet ist, setzt das Bethesda den Fokus auf die risikofreie Geburt ab der 35. Schwangerschaftswoche.

Sterben Geburtshäuser aus?

Eher Sorgen machen dürften sich die klassischen selbstständigen Geburtshäuser der Region, die nicht an ein Spital angeschlossen sind. Das Geburtshaus Basel sagte zwar am Samstag, dass man die Spital-Geburtshäuser nicht als direkte Konkurrenz sehe, da sie andere Frauen ansprechen würden. Doch SP-Landrätin und Gesundheitspolitikerin Regula Meschberger sieht das anders: «Meine Sorge ist, dass die klassischen Geburtshäuser nun relativ schnell aussterben.»

Das neue Angebot werde sich rasch herumsprechen und wohl Erfolg haben. «Zumindest die Baselbieter Geburtshäuser verzeichnen ja kein grosses Wachstum, sicher auch deshalb, weil für viele Frauen die Sicherheit eines nahen Spitals wichtig ist», sagt Meschberger. Die hebammengeleitete Geburt im oder direkt beim Spital entspreche dem Zeitgeist.

Auch der Berner Gesundheitsökonom Heinz Locher nennt die hebammengeleitete Geburt ein «Erfolgsmodell», weswegen er verstehe, dass sich immer mehr Spitäler dafür interessieren. Geburtshäuser dagegen könnten dadurch an den Rand gedrängt werden. «Tendenziell gibt es in der Schweiz sowieso zu viele kleine Geburtsangebote», sagt Locher.

Qualität und Sicherheit seien für ihn das Wichtigste. Dafür brauche es eine bestimmte Zahl Geburten pro Jahr. Und bei Notfall-Kaiserschnitten könne die Nähe zum Spital entscheidend sein. Spitäler wie das Bethesda oder das Unispital könnten genau das garantieren, kleinere Institutionen hingegen nicht.