Quartier im Wandel
Im und ums Gundeli herrscht eine grosse Dynamik - Der Bahnhof ist das Sorgenkind

Wohnungen für rund 2000 Personen, Gewerbe und dem Neubau der Hochschule für Gestaltung&Kunst: Auf dem Dreispitzareal entsteht ein neues Stadtquartier. Bisher gestaltet sich der Dreispitz als Erfolg - im Gegensatz zur unklaren Entwicklung am Bahnhof.

Muriel Mercier und Hans-Martin Jermann
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Ende 2013 ist dieser Neubau der Hochschule für Gestaltung und Kunst fertiggestellt.

Ende 2013 ist dieser Neubau der Hochschule für Gestaltung und Kunst fertiggestellt.

Zur Verfügung gestellt

Das Gundeli wächst. Auf dem Dreispitz-Areal wird ein neues Stadtquartier gebaut. Auf der Gewerbe- und Industriefläche werden in den nächsten Jahren Wohnungen für rund 2000 Personen gebaut. Entstehen werden 6000 neue Arbeitsplätze. 10'000 Menschen werden dort einen Job finden; 4000 Arbeitsstellen gibt es schon. Das Basler Bau- und Verkehrsdepartement bezeichnet den Dreispitz als eines der grössten Entwicklungsprojekte der Schweiz. Die Grundeigentümerin des Areals ist die Christoph Merian Stiftung (CMS). Vor ein paar Jahren begann sie mit der Umgestaltung im Gebiet Kunstfreilager. Inmitten eines von Lagerhallen, Containern und Lastwagen geprägten Areals wird bis 2015 ein Teilgebiet des Dreispitz neu gestaltet.

Ein Zentrum für die Kunst

Den Anfang machte die 2008 eröffnete Dreispitzhalle. Vor zwei Jahren folgte Oslo, das Kunst- und Atelierhaus, wo Galerien, Kunst-Ateliers und das Haus der Elektronischen Künste untergebracht sind. Ziel des Projekts Kunstfreilager: Von der Kunstausbildung über die Kunstvermittlung bis hin zur Kunstvermarktung alles an einem Ort zusammenführen. So soll dort der Neubau für die Hochschule für Gestaltung und Kunst (HGK) entstehen. Das dazugehörige Hochhaus wird laut Felix Leuppi, Leiter Immobilien bei der CMS, 2014 eröffnet.

Ein Ziel für den Dreispitz ist eine massvolle Verdichtung mit Wohnungen und Dienstleistungsnutzungen. Der Neubau an der Helsinki-Strasse 9 bis 11 der Stararchitekten Herzog & de Meuron wird 40 Meter hoch und hat 40 Wohnungen. Voraussichtlich 2015 ist das Transitlager fertiggestellt. Im ehemaligen Lagerhaus werden 70 Mietwohnungen entstehen.

Béatrice Isler, Präsidentin des Neutralen Quartiervereins Gundeldingen, sieht den neuen Dreispitz als Chance fürs Gundeli. Eines ist ihr jedoch wichtig: «Es muss eine Öffnung stattfinden zwischen dem Gundeli und dem Dreispitz.» Leuppi hat auch einen Wunsch: «Wir würden gerne einen Fussgängerübergang vom Dreispitzareal hin zum Botanischen Garten Brüglingen bauen.»Während die Entwicklung auf dem Dreispitzareal eine Erfolgsgeschichte darstellt, kommt jene rund um den Bahnhof schleppend voran. Dabei wünschen sich die Gundeli-Bewohner seit langem eine bessere Anbindung an die Stadt.

Die Hoffnung «Central Park»

Grosse Hoffnungen ruhen auf der Initiative «Central Park Basel»: Das Projekt des Landschaftsarchitekten Donald Jacob sieht eine parkähnliche Überdachung der Geleise am Bahnhof SBB westlich der Passerelle vor. Aus Sicht von Isler würde ein Park die Lebensqualität der Gundelianer verbessern: Neben des Gewinns an Stadtfläche würden sich für Fussgänger neue Wege auf die Perrons und in die Stadt ergeben. Die Überdeckung würde zu einer Verminderung von Lärm beitragen, der vom Bahnhof ausgeht.

Die Idee einer solchen Anlage wird in Basel breit unterstützt. Die entsprechende Volksinitiative wurde von 3700 Stimmberechtigten unterschrieben; zudem haben Gewerbeverband und Handelskammer ihre Unterstützung zugesagt. Gleichwohl hat das Projekt einen schweren Stand: Vertreter der SBB als Eigentümerin haben bereits klar gemacht, dass sie die Erweiterung des Bahnhofs unabhängig von der Park-Idee in Angriff nehmen. Unter diesem Eindruck hat die vorberatende Bau- und Raumplanungskommission (BRK) des Grossen Rates die Initiative zur Ablehnung empfohlen. Im BRK-Bericht wird die Idee zwar «als konstruktiver und prüfenswerter Beitrag zur Stadtentwicklung» gelobt. In der vorliegenden Form sei das Projekt allerdings nicht realisierbar. Bereits nächsten Mittwoch entscheidet der Grosse Rat über die Initiative.

Unort: Der Meret-Oppenheim-Platz

CVP-Grossrat Oswald Inglin räumt ein, dass das Projekt nicht eins zu eins umgesetzt werden könne. Er ärgert sich aber über den Entscheid der BRK, auf eine Machbarkeitsstudie zu verzichten. Diese wäre nötig, damit man auf seriöser Basis über die Park-Idee diskutieren könnte, findet Inglin: Die bisherige Debatte bezeichnet er als «Schattenboxen mit Zahlen.» Für ihn ist klar: «Die Kommission hat sich von den SBB über den Tisch ziehen lassen.»

Neben der Realisierung eines Frei- und Grünraums beschäftigen die Gundelianer im Zusammenhang mit dem Bahnhofsgebiet noch andere Probleme: zum Beispiel den Meret-Oppenheim-Platz, den Isler als Unort des Quartiers bezeichnet. Hier sollen Herzog & de Meuron bis 2017 den 81 Meter hohen Büroturm «Stapelvolumen» bauen. Zur Entlastung der erst 2003 gebauten und bereits hoffnungslos überlasteten Passerelle planen die SBB zwei neue Unterführungen. Inglin schüttelt den Kopf: «Solche Verbindungen nach Machart der 1960er-Jahre will niemand – schon gar nicht die Bewohner des Gundeli.»

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