Umbau

Im Unispital gibts zwei Mitarbeiter für ein Knöpfli

Die neue Eingangstüre beim Universitätsspital sorgt für Ärger und Mehraufwand: Weil Rollstuhlfahrer die Drehtüre nicht passieren können, müssen sie durch eigentliche Notfalltüren eingelassen werden.

Die neue Eingangstüre beim Universitätsspital sorgt für Ärger und Mehraufwand: Weil Rollstuhlfahrer die Drehtüre nicht passieren können, müssen sie durch eigentliche Notfalltüren eingelassen werden.

Das Unispital hat für 95 000 Franken eine Drehtüre gebaut, in der Patienten im Minutentakt steckenbleiben.

Die intensivste Betreuung im Basler Unispital erhält derzeit kein Patient, sondern die neue Eingangstüre. Der Grund dafür: Bei der neuen Türe handelt es sich um eine Drehtüre, die für Rollstuhlfahrer nicht passierbar ist – ausgerechnet in einem Spital, dem Ort mit der vermutlich höchsten Rollstuhldichte der Stadt.

Entsprechend viel zu tun haben die Türenbetreuer, und zwar folgendermassen: Kommt ein Rollstuhlfahrer oder eine Mutter mit Kinderwagen in Richtung Eingang, so gibt Mitarbeiterin eins, die freie Sicht auf die Türe hat, Mitarbeiter zwei ein Handzeichen, damit dieser die als Noteingang gekennzeichnete, rollstuhlgängige Türe öffnen kann. Auf Knopfdruck setzt sie sich gemächlich in Bewegung.

Weil es sich um einen Notausgang handelt, ist es keine Schiebetüre, sondern eine Flügeltüre, die sich nach aussen hin öffnet. Die Konsequenz: Der wartende Patient muss zurückweichen – gerade für Rollstuhlfahrer ein nicht ganz einfaches Unterfangen. Nach dem Öffnungsvorgang bleibt die Türe rund eine halbe Minute offen und auffällig viele Angestellte nutzen die Gunst der Stunde und huschen hindurch.

Denn sie wissen: Mit der neuen Drehtüre stimmt etwas nicht. «Es vergeht keine Stunde, in der nicht ein Patient im Rollstuhl, ein Senior mit Rollator oder eine Frau mit Kinderwagen in der Türe steckenbleibt. Und am Mittag bilden sich regelmässig Staus von Mitarbeitern, die zum Essen wollen und die Türe blockieren», schildert ein Mitarbeiter die Situation kurz nach dem Umbau – als sich noch kein zusätzlicher Mitarbeiter um die Problemtüre kümmerte.

Andere Mitarbeiter bestätigen den Sachverhalt und auch die Verantwortlichen gestehen ein: «Wir mussten feststellen, dass die Verkehrslenkung der mobilitätseingeschränkten Personen noch nicht durchwegs funktioniert hat und weitere Anpassungen erforderlich waren», wie einem Communiqué des Spitals zu entnehmen ist.

Deshalb sei die Karusselltüre zwischenzeitlich ausser Betrieb genommen worden – seit Anfang Woche sei sie aber wieder im Einsatz. Es werde derzeit abgeklärt, ob die Anpassungen die gewünschte Wirkung brächten.

Türe soll Raumklima verbessern

Ein Augenschein vor Ort zeigte gestern jedoch, dass die Türe weiterhin bockt. Und für viel Ärger sorgt. Die Mitarbeiter am Empfang dürfen sich nicht äussern, schütteln aber nur den Kopf, wenn sie von den Aussagen im offiziellen Communiqué lesen. Dieses wurde der bz als Antwort auf mehrere konkrete Fragen zugestellt, die Fragen hingegen wurden nicht beantwortet.

Dafür wird in der Stellungnahme ausführlich auf die Gründe für den Umbau eingegangen. So habe die vorherige Eingangssituation nicht mehr «den heutigen Anforderungen an einen kundenorientierten Empfang» entsprochen. «Mit der Neugestaltung wurde eine Verbesserung der Empfangssituation angestrebt», heisst es weiter.

Dazu gehöre die neue Drehtüre, die die bisherige automatische Schiebetüre ersetzte und dafür sorgen soll, dass sich die «Klimasituation in der Halle verbessert» – sprich: Dass es nicht mehr zieht und die Empfangsmitarbeiter nicht mehr hinter einer Glasscheibe, sondern an einem ebenfalls neu gebauten, offenen Empfangsdesk arbeiten können.

Doch auch dieser ist derzeit verwaist, das Empfangspersonal hat seinen neuen Arbeitsplatz zwar bereits genutzt, musste aber wieder zurück in die Kabäuschen ziehen – weil der Wind durch die Spezialtüren pfiff. Nun steht ein Raumklima-Messgerät am Empfangsdesk und registriert die Temperatur.

Bis auf weiteres erhält die Spitaltüre also eine Zwei-zu-eins-Betreuung durch das Empfangspersonal. Dieses teilt sich die Aufgabe brüderlich, gestern war Punkt elf Uhr Schichtwechsel – die junge Frau verliess ihren Beobachterposten und nahm auf dem Stuhl beim Türknopf platz, den ihr Kollege kurz vorher verlassen hatte.  Um bis 12 Uhr zu beobachten, ob ein Rollstuhlfahrer in Richtung Türe abbiegt und zu veranlassen, dass sich die Flügeltüre in Bewegung setzt.

Meistgesehen

Artboard 1