Bahnhof SBB
Im Untergrund ruht die Vergangenheit

In der ehemaligen Personenunterführung scheint die Zeit stillgestanden: Viele Details erinnern an früher - an der Architektur der Unterführung wurden kaum Änderungen vorgenommen.

Hans-Martin Jermann
Merken
Drucken
Teilen

Tag für Tag frequentieren 120000 Menschen den Basler Bahnhof SBB. Immer wieder ärgern sich Pendler über das Gedränge, das auf der Passerelle zu Stosszeiten herrscht. So berechtigt diese Klagen sein mögen: Noch vor acht Jahren herrschten am Bahnhof – punkto Passagieraufkommen der fünftgrösste der Schweiz – andere Verhältnisse. Bis im Sommer 2003 zwängten sich die Zugreisenden durch enge und dunkle Unterführungen Richtung Centralbahnplatz und ins Gundeldinger Quartier.

«Sowohl vom Personenaufkommen als auch von der Sicherheit wäre es wohl undenkbar, die Pendler heute noch durch diese Gänge zu schleusen», sagt Martin Hammel. Als Leiter von Railclean Nordwestschweiz ist er Herr über das kleine unterirdische Reich unter dem Bahnhof, das die SBB heute in erster Linie für die interne Logistik und die Abfallentsorgung nutzen.

Wenige Änderungen an Architektur

Ein Augenschein in den Katakomben zeigt: Noch immer weisen viele Spuren in die Vergangenheit als Personenunterführung. Die in der Zwischenzeit verengten Aufgänge zu den Geleisen werden heute von Reinigungsfahrzeugen, Gabelstaplern und Gepäckelektrowagen befahren. Rote Schnelllauftore sowie Piktogramme am Boden verhindern, dass sich Zugreisende in den Untergrund verirren. Dies kommt immer seltener, aber dennoch hin und wieder vor. Auch an diesem Morgen steuert eine junge Frau kurz auf die Unterführung zu, bevor ihr Martin Hammel den Weg zu den Rolltreppen Richtung Passerelle weist.

In der Unterführung fallen zunächst die Betonpfeiler auf, die früher den eiligen Pendler und heute den Staplerfahrer nerven. Wie eh und je weisen zudem die blauen SBB-Schilder zu den Gleisen. Weshalb wurden diese nicht abgenommen? «Sie stören ja nicht. Zudem sind sie eine Orientierungshilfe für die Mitarbeitenden, die noch nicht so lange bei uns sind.» Nichts mehr zu sehen ist hingegen von der breiten Fussgängerrampe, die hinauf in die Schalterhalle führte. Sie wurde abgetragen. Heute befinden sich dort die öffentlichen Toiletten sowie die Gepäcklagerräume.

Abgesehen davon wurden an der Architektur der Unterführung kaum Änderungen vorgenommen. Dies gilt vor allem für den langen Gang, der früher den Centralbahnplatz mit dem Gundeldinger Quartier verband. Auch hier stossen wir auf interessante Details: etwa die glatten Bodenplatten, auf denen die Schuhe klackten. Trotz solcher Fragmente, die an die alten Zeiten erinnern, ist der Gang kaum wiederzuerkennen. Wo sich einst in der ellipsenförmigen Auswuchtung Schaufensterauslagen präsentierten, befindet sich die Ladestation für den Elektrowagenpark. Im Gang sind Abteile eingebaut worden, in denen Museales wie Zugabfahrtstafeln neben Brauchbarem wie Sitzbänken gelagert werden. Wegen der Abteile wirkt der Gang noch enger als er es früher ohnehin war.

Der Rundgang im öffentlich nicht mehr zugänglichen Souterrain des Bahnhofs fasziniert – vor allem jene, die die frühere Personenunterführung kannten. Dennoch wünscht man sich für den Alltag der Reisenden die engen Gänge, die zu Randzeiten mitunter unheimlich wirkten, nicht zurück. «Die Verhältnisse auf der Passerelle sind im Vergleich dazu richtig luxuriös», findet Hammel.