Subventionen
Im Vergleich bekäme das Theater Basel andernorts mehr Geld

Vergleicht man die Situation in zwei Grossregionen der Schweiz, dann wäre das Baselbiet in einem Fall leicht, im anderen deutlich stärker belastet worden. Dabei fällt auf: Basel orientiert sich offenbar an der Ostschweiz.

Benjamin Wieland
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Soll wie das St. Galler Theater behandelt werden: Theater Basel, rechts das Schauspielhaus.

Soll wie das St. Galler Theater behandelt werden: Theater Basel, rechts das Schauspielhaus.

KEYSTONE

Das Theater Basel ist wieder in aller Munde. Weniger wegen dem Geschehen auf der Bühne, sondern wegen der Posse im Hintergrund. Vergangene Woche debattierte der Landrat – wieder einmal – über die Beiträge an das Dreispartenhaus. Zwar überwies das Kantonsparlament mit winziger Mehrheit einen Zusatzkredit in der Höhe von 700 000 Franken, dieser ist aber noch nicht in trockenen Tüchern (die bz berichtete). Und wieder drehte sich die Diskussion um die Höhe der Subvention. Dabei fiel immer wieder das Argument, die 4,5 Millionen, die das Baselbiet heute jährlich an das Theater überweist, seien genug.

Einen Vergleichswert lieferte kein Volksvertreter. Dabei gäbe es solche sehr wohl. In zwei Grossregionen der Schweiz ist die Situation mit derjenigen in der Nordwestschweiz vergleichbar: In der Ostschweiz und auf der Achse Zürich-Aargau-Zentralschweiz. Dort gibt es je ein Abkommen über einen Lastenausgleich an sogenannte kulturelle Leuchttürme, also Einrichtungen mit überregionaler Ausstrahlung.

Der Blick über den Jura bringt Überraschendes zutage. Berechnet man den Anteil des Baselbiets mit dem Kostenschlüssel des Ostschweizer Kulturlasten-Ausgleichs, so müsste es brutto rund 10,8 Millionen Franken an Basel-Stadt überweisen. Mit dem Kostenteiler des Verbunds Zürich-Aargau-Zentralschweiz jedoch wären in diesem Jahr mehr als 13 Millionen Franken fällig gewesen, auch dort vorbehältlich kleinerer Rabatte.

Basel rechnet wie St. Gallen

Im einen Fall wäre Baselland also leicht, im anderen deutlich stärker belastet worden. Denn heute beteiligt sich der Kanton Baselland mit rund 9,5 Millionen Franken pro Jahr an den kulturellen Leistungen, die im Stadtkanton erbracht werden. In der öffentlichen Diskussion tauchen meist die 4,5 Millionen Franken auf, die für das Theater bestimmt sind. Das Geld kommt aber gegenwärtig 19 kulturellen Einrichtungen zu Gute, darunter der Kaserne, dem Bird’s Eye und des Gare du Nord.

Dabei fällt nun auf: Basel orientiert sich offenbar an der Ostschweiz. Im September forderte der Basler Regierungspräsident Guy Morin zusätzliche 1,4 Millionen Franken fürs Theater. Summiert man diese Zahl zum bestehenden Beitrag, so landet man bei 10,9 Millionen Franken – fast derselbe Betrag, den Baselland berappen müsste, wenn der Kostenschlüssel der Ostschweiz angewandt würde.

«Ich kenne diese Verträge», sagt Guy Morin. «Markus Notter, ehemaliger Regierungsrat des Kantons Zürich, war sehr stolz, als er die Einigung erzielen konnte. Das Abkommen in der Ostschweiz baut auf dem Vertrag von Zürich auf.» Die jüngste Forderung Basels beruht also – zumindest inoffiziell – auf derlei Vergleichswerten.

Ihren Reiz üben die Modelle Ostschweiz und Zürich wegen ihrer Schlichtheit aus. Denn bei ihnen konzentrieren sich die Beitragszahlungen auf wenige Institutionen – die Höhe berechnet sich aufgrund der Publikumsgunst. So wird seit 2011 das Theater St. Gallen von beiden Appenzell und Thurgau unterstützt. Und bereits seit 2003 darf etwas das Zürcher Opernhaus auf Subventionen aus einer Vielzahl anderer Kantone zählen.

Beim «Basler» Kulturlastenausgleich funktioniert der Mechanismus anders. Die Kulturvertragspauschale speist sich aus einem Prozent der jährlichen Steuereinnahmen natürlicher Personen des Kantons Baselland. Über die Vergabe der Mittel entscheidet ein Gremium. Die Pauschale wurde 1997 vom Baselbieter Stimmvolk angenommen.

Alles in einen Topf

Guy Morin favorisiert das Ostschweizer Modell. Käme dieses zum Einsatz, würde die heutige Kulturpauschale obsolet. Dafür will er jedoch weitere Leuchttürme definieren, die es zu unterstützen gäbe. «Ich kann mir da spontan das Symphonieorchester und das Kunstmuseum vorstellen», sagt Morin, «aber auch Augusta Raurica.» Beide Basel würden dann in einen Topf einzahlen, aus dem die ausgesuchten Institutionen nach einem zu definierenden Schlüssel und sauber nach Publikumszuspruch unterstützt würden.

Keine Freude an einem Ausgleich nach Ostschweizer Vorbild hätte Niggi Ullrich. Der Leiter von kulturelles.bl bezeichnet derartige Modelle als «kalt»: «Baselland würde dann einfach zahlen, aber mitzureden hätten wir nichts.» Das würde zu einer «völligen Entfremdung» führen. «Die heutige Vereinbarung zwischen beiden Basel basiert auf einem partnerschaftlichen Modell, bei dem Leistungen zusammen angeschaut werden.» Einen weiteren Vorteil sieht Ullrich bei der Koppelung an die Steuern. «Das Budget des Kantons kann rot oder schwarz sein – es fliesst immer ein ziemlich gut kalkulierbarer Betrag.»

Die Attraktivität der erwähnten anderen Modelle erklärt sich Ullrich mit den höheren Beiträgen, die fliessen würden. «Wenn man nur auf die Zahlen schaut, wählt man natürlich die Berechnung, bei der mehr heraus springt.» Für Guy Morin ist jedoch nicht das Preisschild entscheidend, da sich dieses sowieso noch ändern würde. Für ihn besticht die Einfachheit des St. Galler Modells. «Ich kann mir gut vorstellen, dass wir ein solches vorschlagen.»

Da beim Partnerkanton jedoch Wahlen anstehen und der für die Kultur zuständige Regierungsrat Urs Wüthrich nicht mehr antrete, wolle man zuwarten und die Gespräche erst Mitte 2015 wieder aufnehmen.