Erinnern Sie sich noch an die Pläne für eine öffentliche Wasserrutschbahn von der Johanniterbrücke in den Rhein? Zweimal hat das Initiativkomitee rund um Grossrats-Kandidat Christian Mueller dafür medienwirksam Unterschriften gesammelt – zweimal wurde nichts daraus.

Nun kommt die Meldung, wonach Christian Müller mit einer künstlichen Welle in Basel «Hawaii-Feeling» verbreiten möchte. Bereits Ende Juli soll Basel mit der weltweit grössten, portablen Anlage zum Surfer-Mekka werden. Eine weitere Effekthascherei? Keineswegs, denn Mueller ist nicht gleich Müller, und Letzterer ist kein Grossratskandidat, sondern ein etablierter Event-Organisator im Surfbereich, der unter anderem das jährliche Surf-Event «Engadin Wind» durchführt.

Mit an Bord ist auch der Basler Alex Hatebur, der gleichzeitig auch für die Ausbaupläne des Breite-Rheinbads verantwortlich ist. Er sagt: «Unser Zeitplan ist ambitioniert, aber ich bin zuversichtlich, dass es klappt.» Das Feedback bei den bereits kontaktierten Behörden sei durchweg positiv gewesen. Auch dem noch bis 20. Juni laufenden Bewilligungsverfahren mit Einsprache-Möglichkeiten für die Bevölkerung sieht er positiv entgegen. «Surfen auf einer künstlichen Welle ist voll im Trend und wir werden die Ersten sein, die dieses Spektakel direkt in eine Stadt holen.» Die Finanzierung für den Betrieb im laufenden Jahr sei gesichert, insgesamt seien 1,7 Millionen Franken nötig für den Betrieb bis und mit 2022, die über Eintritte und Werbung refinanziert werden sollen.

Basel hofft auf Surf-Tourismus

Eingesetzt werden soll ein echtes Hightech-Gerät mit dem beträchtlichen Stromverbrauch von maximal 452 Kilowatt – das ist rund die Hälfte der Energie, die der Freefall-Tower an der Herbstmesse schluckt. Die Energie wird verwendet, um das Wasser mit einer Pumpe anzusaugen und daraus eine stehende, zwölf Meter breite Welle zu kreieren – täglich in den Sommermonaten von 10 Uhr morgens bis 20 Uhr, wie das Betriebskonzept vorsieht.

Nicht begeistert von den Plänen ist Christian Hossli, Projektverantwortlicher für die Wiederansiedlung des Lachses im Rhein bei WWF Schweiz. «Grundsätzlich ist jede weitere Verbauung des Rheins eine Verschlechterung für die Lachse, für die Fische generell», sagt er. Zwar hat der WWF bis jetzt kaum Erfahrung mit solchen Bauwerken und entsprechend schwierig sei es, die ökologischen Auswirkungen abzuschätzen. Allerdings spreche für das Projekt, dass es nur temporär betrieben werde und nur einen kleinen Teil der Rhein-Breite belege. So hätte zumindest der Lachs nach derzeitiger Einschätzung genug Ausweich-Platz.

Mehr Begeisterung zeigt Daniel Egloff, Direktor von Basel Tourismus. «Die stehende Welle mitten im Stadtgebiet hat sicherlich eine gewisse Exklusivität. Ich kann mir gut vorstellen, dass Surfer mitten im Rhein durchaus das Potenzial haben, beispielsweise auf Social Media verbreitet zu werden und damit die Attraktivität und Bekanntheit Basels zu steigern.» Dass der «Surf-Tourismus» namhaften Einfluss etwa auf die Übernachtungszahlen hätte, davon geht Egloff hingegen nicht aus.

Die Initianten glauben durchaus an «Surf-Touristen». Eine baugleiche Anlage in einem Baggersee in Nordrhein-Westfahlen, die bereits im Frühling eröffnete, lockt an Wochenenden zahlreiche Surf-Profis und Schaulustige an. «Die Basler Anlage wird mit zwölf Metern aber um 50 Prozent breiter als jene in Deutschland und deshalb um einiges attraktiver», sagt Hatebur.