Drohnen statt Elefanten im Zirkuszelt? «Das entspricht gewissermassen ganz der Zirkus-Tradition», sagt Franco Knie Junior. Und erinnert an Nummern mit Motorrädern, die damals als brummende Höllenmaschinen ebenfalls als technische Sensation wahrgenommen wurden.

Der «Auftritt» der 32 Knie-Drohnen ist also ganz Zirkus-Tradition. Und dennoch ist es ein grosser Schritt in die Zukunft, dem weitere folgen könnten. Knie sagt: «Im nächsten Jahr feiern wir unser 100-jähriges Jubiläum, da wollen wir Alt und Jung noch mehr zum Staunen bringen.» Doch bereits etwas davon zu verraten, geht natürlich auch nicht – auch das ist Zirkus-Tradition.

Dafür spricht Knie im Backstage-Bereich des Zeltes lieber von seinen Kleinst-Artisten. 48 Gramm wiegen die Drohnen, die, kurz vor der Nachmittags-Show, blinkend in einer Kiste vor allem eines taten: Strom tanken. Denn eine einzelne leere Batterie kann die ganze Choreografie durcheinanderbringen, die Drohnen sind nämlich so programmiert, dass sie in diesem Fall automatisch landen. «Das ist schon ein, zweimal passiert, aber grundsätzlich sind sie extrem zuverlässig», lobt Knie seine «Artisten».

Franco Knie mit seinen Drohnen.

Franco Knie mit seinen Drohnen.

Als die Drohnen-Show, die noch bis am Mittwoch in Basel gezeigt wird, diesen März in Winterthur uraufgeführt wurde, sei die Nervosität noch grösser gewesen. «Wir konnten sie erst zwei Tage vor der Premiere zum Fliegen bringen, weil wir ziemlich viel anpassen mussten, damit die nötigen Antennen ins Zirkuszelt passen.»

Dabei konnte er auf die Spezialisten des ETH-Start-ups «Verity Studios» vertrauen, die für die Programmierung verantwortlich waren. «Die ganze Firma sass im Publikum und hat sich gemeinsam mit uns riesig gefreut, als alles geklappt hat.» Ein Drohnenballett in einem Zirkuszelt sei schliesslich eine Weltpremiere.

Die Rückmeldungen aus dem Publikum, aber auch von anderen Zirkus-Verantwortlichen, seien ausserordentlich positiv. Da stellt sich die Frage, ob Knie gar mit einer internationalen Zirkus-Auszeichnung oder der Einladung an ein Zirkusfestival liebäugelt. «Das kann ich nicht sagen, aber es wäre gar nicht so einfach, die Drohnen in einem anderen Zelt fliegen zu lassen – weil wir auch dort wieder jede Steuerungsantenne präzis am richtigen Ort platzieren müssten.

Doch wie er so da steht, Backstage, in grauem T-Shirt und Turnschuhen, erinnert er nicht nur optisch, sondern auch mit seiner Gelassenheit und seinem unbändigem Technikglauben mehr an einen Firmengründer aus dem Sillicon Valley als an einen Zirkusdirektor. Und deshalb würde er auch für dieses Hindernis eine Lösung finden – Monte Carlo kann kommen.

 

Der Zirkus Knie gastiert noch bis zum 20. Juni auf der Basler Rosentalanlage.