Dreharbeiten

Im Vogel-Gryff-Gässlein wird geschossen: Thriller «Cruor» spielt in Basel

Zwei Polizisten sind am Rheinufer auf Verbrecherjagd. Doch keine Angst, ist alles nur gespielt: Hier wird der Thriller «Cruor» gedreht. Das Werk von Regisseur Stefan Asang spielt grösstenteils in Basel; wir durften bei den Dreharbeiten dabei sein.

Vier Schüsse fallen. Erschrocken drückt sich die Frau in schwarzen Leggins an die Mauer. Der Kommissar neben ihr steht mitten im Vogel-Gryff-Gässlein, hat seine Waffe auf ein Fenster gerichtet und schiesst zurück. Dann bringen sich die beiden Polizisten in Sicherheit und fliehen am Kleinbasler Ufer entlang rheinaufwärts.

Vor dem Restaurant Rhywyera hat sich eine Menschentraube versammelt. Gebannt beobachten die Neugierigen das Szenario. Angst müssen sie nicht haben, denn bei dem Spektakel handelt es sich um eine Actionszene des Filmes «Cruor». Der schwedische Regisseur Stefan Asang hält sich derzeit für ein paar Tage mit seinen Schauspielern für die letzten Dreharbeiten in Basel auf. 87 Tage haben sie gefilmt, in 90 Locations, in sechs Ländern: Tschechien, Deutschland, Italien, Frankreich, Spanien – und der Schweiz. «Wir brauchen noch sechs Drehtage, dann sind wir fertig», sagt Asang.

Der Film «Cruor» basiert auf dem ersten Roman des Berner Autors Herbert Blaser. Asang, der seit 17 Jahren in Berlin wohnt, hatte vor drei Jahren das Hörbuch zu dieser Geschichte realisiert. «Ich habe mich damals mit dem Text intensiv auseinandergesetzt. Da dachte ich plötzlich, ich muss einen Film machen.»

Die Geschichte, die sich um den Heiligen Gral und die zwiespältige Rolle der Kirche dreht, spielt bis zu 70 Prozent in Basel. Gedreht wurde das Meiste jedoch in Berlin – eine Frage des Geldes, betont Asang. «Aber mit Bluescreen kann man heute ja alles darstellen.»

Drama um die Hauptdarstellerin

Problemlos geklappt hat in den vergangenen Monaten lange nicht alles. Mit den Arbeiten begonnen hat die Filmcrew Mitte August letzten Jahres. Bald musste Asang feststellen, dass die Hauptdarstellerin Xenia Seeberg nicht die war, die sie vorgab zu sein. «Sie hat sich nicht an den Vertrag gehalten und unmögliche Forderungen gestellt», fasst er zusammen. «Dies, nachdem wir ihr ein intensives Schiesstraining organisiert haben.» Bald also verliess die Schauspielerin das Set wieder. Konsequenz: «Wir mussten das Drehbuch umschreiben. Die Rolle von Kommissar Jakobi, gespielt von Dugald Ferguson, wurde umfangreicher.»

Die grösste Herausforderung während der Dreharbeiten war eine Stuntszene: 17 Stunden dauerte es, bis die 60 Sekunden im Kasten waren. Verteilt auf fünf Tage, neun Locations, zwei Länder.

150 000 Franken selber investiert

Ob der Film finanziell rentiert, steht in den Sternen geschrieben. Das Werk kostet rund 1,4 Millionen Euro. Ein Teil der Finanzierung wurde von Basler Unternehmen übernommen, Asang und seine Familie haben 150 000 Euro reingesteckt. «Natürlich ist der Film für mich ein finanzielles Risiko. Der Grund dafür ist entweder Überzeugung oder Wahnsinn, ich weiss es nicht.» Dann zückt er sein iPhone und rechnet aus: «Wir müssten in Deutschland 650 000 Tickets an den Mann bringen.» Oder fünf Fernsehsender kaufen den Film und bezahlen pro Minute 3000 Euro.

Das Wichtigste: Asang ist überzeugt von «Cruor»: «Der Film ist grossartig. Ich bin so zufrieden, dass ich Angst bekomme, ob er nicht doch schlecht ist.» Wenn er floppe, habe er trotzdem viel gelernt. Asangs Ziel ist es, sein Werk in die US-Kinos zu bringen. «Die Amerikaner gehen öfter ins Kino als die Europäer», sagt er verschmitzt.

Ende März 2016 soll der Film pfannenfertig sein. Der Regisseur überlegt: «Ich weiss nicht, ob ich dann lachen, weinen oder saufen werde.»

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