Kursausfälle

Immer mehr Ausfälle wegen Personalmangels: Nur der Roche-Express erhält eine Garantie

Freie Fahrt für den 42er: Die Linie soll von Kursausfällen verschont bleiben.

Bei den Basler Verkehrsbetrieben häufen sich die Tram- und Busausfälle wegen Personalmangels. Für die Pendlerlinie 42 gelten ab sofort Sonderregeln.

171 Dienste sind bei den Basler Verkehrsbetrieben (BVB) im Mai ausgefallen, deren 74 bereits im Juni. Zum Vergleich: 2018 wurden insgesamt 25 Dienstausfälle gezählt – im ganzen Jahr. Seit einigen Monaten zeigt die Zahl der Tram- und Busausfälle steil nach oben. Nun rächt sich, dass die BVB das Thema Personalplanung jahrelang vernachlässigt haben und den mahnenden Stimmen im Betrieb kein Gehör schenkten.

Wenn Fahrdienstpersonal fehlt, schiebt die BVB-Personaldisposition die Lücke möglichst auf die Kurse mit den geringsten Auswirkungen für die Kunden. In den vergangenen Monaten war dies oft die Buslinie 42. Wie das «Regionaljournal» von Radio SRF berichtete, wurden auf dieser Strecke die meisten Ausfälle verzeichnet. Für die Einsatzlinie 42, die im Dezember 2016 eingeführt wurde, gilt ein Sonderplan. Sie verkehrt zu den Pendlerzeiten und bringt hauptsächlich Mitarbeiter des Pharmaunternehmens Roche am Morgen vom Bahnhof SBB an die Grenzacherstrasse und am Abend wieder zurück. Von dort aus verkehrt der 42er weiter nach Habermatten und teilweise auch nach Bettingen.

Für die Ausfälle gibt es eine einfache Erklärung: Grundsätzlich ist es für die BVB einfacher, einen Bus aus dem Netz zu nehmen. Die Linie 42 bietet sich besonders an. Weil wegen der Baustelle beim Kunstmuseum zurzeit die Linie 1 nicht via Wettsteinbrücke fahren kann, wurde der Takt der Linie 42 verdoppelt. Statt jede Viertelstunde fährt bis im Herbst alle 7,5 Minuten ein Bus – quasi als eine Art Bypass. Bei Dienstausfällen ist es die einfachste Lösung, dieses zusätzliche Angebot wieder zu streichen, da dies keine weiteren Auswirkungen hat.

42er darf nicht mehr ausfallen

Doch damit ist nun Schluss: Der «Roche-Express» hat eine Sonderstellung ererhalten. Auf dieser Linie dürfen künftig keine Kurse mehr sistiert werden. Diese Weisung ging Anfang Woche BVB-intern raus. Eine vergleichbare Regelung gibt es sonst nur für die Buslinie 50 zum Euro-Airport, weil dort Verspätungen deutlich einschneidendere Folgen für die Passagiere haben.

Die BVB bestätigen auf Anfrage der bz die Weisung zur Linie 42. Dies sei in Absprache mit dem Amt für Mobilität passiert. Dieses gehört zum Bau- und Verkehrsdepartement, welches für das ausgelagerte Transportunternehmen zuständig ist. Gefällt wurde der Entscheid aber offenbar letztlich in der BVB-Zentrale. Roche wollte auf Anfrage keinen Kommentar abgeben.

Mit Blick auf Roche und Bettingen

Ein wichtiger Grund für die Sonderstellung seien die Arbeiter der Roche, sagt Chris Gugger, Leiter Fahrplan bei den BVB. Diese würden sonst via Wettsteinplatz pendeln. «Diesen Knotenpunkt wollen wir entlasten.» Auch das Hirzbrunnen-Quartier und der untere Teil von Riehen profitieren von der neuen Vorschrift. Zudem seien anfangs immer wieder Kurse nach Bettingen ausgefallen, was dort zu langen Wartezeiten geführt hat.

«Die Buslinie 42 ist insbesondere für viele Einwohner von Bettingen unentbehrlich», sagt auch Marc Keller, Sprecher des Bau- und Verkehrsdepartements. Wenn Dienstausfälle aufseiten BVB unvermeidbar seien, so sollten diese nicht auf Verbindungen ohne angemessene Ausweichmöglichkeiten spürbar werden, sagt Keller.

Vonseiten des Kantons steigt der Druck auf die BVB: «Das Amt für Mobilität hat die BVB aufgefordert, das vom Kanton bestellte Angebot generell – sprich auf allen Linien – sicherzustellen und so ihren Transportauftrag zu erfüllen», sagt Sprecher Marc Keller. Diesen Auftrag kann das öV-Unternehmen gemäss eigenen Angaben nicht erfüllen. Erst im Herbst soll sich die Lage verbessern.

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