Kinderbetreuung
Immer mehr Basler Eltern engagieren eine Nanny – und zahlen dafür bis zu 5000 Franken

Die Anzahl der Familien, welche ihre Kinder zu Hause betreuen lassen möchte, ist rasant gewachsen – die sogenannte Nanny hat an Beliebtheit gewonnen.

Alice Guldimann
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Auf den Schweizer Betreuungs-Plattformen tummeln sich tausende, die einen Nanny-Job suchen oder anbieten.

Auf den Schweizer Betreuungs-Plattformen tummeln sich tausende, die einen Nanny-Job suchen oder anbieten.

Getty Images/Passage

Eine fünfköpfige Expat-Familie in Basel sucht Verstärkung. Die Vollzeit berufstätigen Eltern möchten ihre Kinder nicht in eine Kita geben, sondern sie in ihrer gewohnten Umgebung zu Hause betreuen lassen. Mit diesem Wunsch sind sie längst nicht mehr alleine. Immer mehr Basler Familien ziehen das Betreuungsmodell «Nanny» in Betracht.

Anders als ein Babysitter kümmert sich eine Nanny regelmässig für mehrere Stunden um ihre Schützlinge und begleitet die Kinder für mehrere Jahre. Manche Familien brauchen die Nanny nur für einen Halbtag pro Woche, andere Vollzeit und je nach Arbeitspensum der Eltern auch über Nacht. Zu ihren Aufgaben gehören oft auch die Wäsche der Kinder, das Kochen des Abendessens und kleinere Putzarbeiten im Haus.

Fünfmal mehr Nanny-Jobs

Auf den Schweizer Betreuungs-Plattformen tummeln sich tausende, die einen Nanny-Job suchen oder anbieten. Die schweizweit grösste Seite ist «babysitting24.ch». Der Marketing-Verantwortliche Christoph Seitz stellte in den letzten zehn Jahren ein starkes Wachstum im Nanny-Bereich fest. Besonders in den grossen Städten werde die Betreuungsform immer beliebter. «Auch die ausgeschriebenen Nanny-Jobs in Basel haben sich zwischen 2013 und 2017 verfünffacht», so Seitz gegenüber der bz. 2013 suchten noch 20 Familien nach einer Nanny, in den letzten 12 Monaten waren es bereits 110 Familien.

Für Seitz ist klar: Ein solch starkes Wachstum in der Online-Suche deutet darauf hin, dass die Betreuungsform Nanny auch tatsächlich immer beliebter wird. Mit dem zunehmenden Interesse der Familien wächst auch die Anzahl Frauen und Männer, die sich als Nanny anbieten. «Die Neuregistrierungen haben sich zwischen 2013 und 2017 sowohl in Basel wie auch in der Deutschschweiz versechsfacht», erklärt Seitz. Sucht man heute auf der Seite nach «Nanny Basel-Stadt», werden über 800 Resultate angezeigt.

Neben Online-Plattformen gibt es für Familien auch die Möglichkeit, sich an eine Nanny-Vermittlungsagentur zu wenden. Deren Mitarbeiter kennen die Betreuerinnen persönlich und haben ihre Qualifikationen überprüft. Dafür bezahlen die Eltern allerdings eine Vermittlungsgebühr.

Eine solche Agentur mit einer Filiale in Basel ist benannt nach der wohl berühmtesten Nanny, Mary Poppins. Die Agentur, die auch Haushaltshilfen vermittelt, ist erst seit eineinhalb Jahren in der Stadt. Inhaberin Andrea Sütterlin freut sich, dass die Nannys ihrer Agentur sehr gefragt sind. «Wir haben 30 Nannys in der Region registriert, zwölf davon haben eine erzieherische Ausbildung.» Sie vermittelt Nannys für 20 bis 40 Arbeitsstunden wöchentlich. «Die Vollzeit- und die Teilzeitstellen halten sich dabei etwa die Waage», so Sütterlin.

Es gibt Nannys mit verschiedensten beruflichen Hintergründen. Viele sind Mütter, die bereits mit eigenen Kindern viel Erfahrung gesammelt haben und die sich später auch beruflich der Kindererziehung widmen möchten. Die meisten Nanny-Agenturen legen aber heute Wert darauf, dass ihre Bewerberinnen eine Ausbildung im pädagogischen Bereich oder als Kinderkrankenschwester vorweisen können. Besonders wichtig ist aber dennoch die Erfahrung im Umgang mit Kindern.

Bis zu 5000 Franken Lohn

Die Vermittlungsagentur Profawo empfiehlt einen Mindest-Stundenlohn von 25 Franken für eine Nanny ohne spezifische Ausbildung. Eine ausgebildete Betreuerin kann gemäss Profawo bis zu 35 Franken verdienen. Eine Vollzeit-Nanny in der Deutschschweiz erhält somit zwischen 3900 und 5000 Franken. Für angehende Betreuungspersonen ohne entsprechende Ausbildung bietet das Schweizerische Rote Kreuz im Kanton Zürich einen achttägigen Nanny-Lehrgang an.