Gefahren im Netz

Immer mehr Basler Jugendliche in der Porno-Falle: Wenn aus nacktem Liebesbeweis Erpressung wird

Ein unbedachter Klick kann fatale Folgen haben: Erotische Selfies kursieren heute sogar unter Primarschülern.

Ein unbedachter Klick kann fatale Folgen haben: Erotische Selfies kursieren heute sogar unter Primarschülern.

Die Zahl der Sexting-Fälle in Basel-Stadt nimmt zu – Opfer und Täter werden immer jünger.

Dem Freund ein Oben-Ohne-Foto schicken, bevor man ins Bett geht – das ist schnell gemacht im Handy-Zeitalter. Doch welche Konsequenzen das nach sich ziehen kann, darüber sind viele nicht im Bild. Viele Jugendliche verdrängen die Tatsache, dass die Beziehung dereinst Schluss sein wird, ihre erotischen Bilder aber immer noch auf dem Handy des Verflossenen sind. Ihm ist gerade recht, dass er Erpressungsmaterial zur Hand hat und sich rächen kann.

Gestern veröffentlichte die Basler Polizei die Kriminalitätsstatistik 2019. Neben der weitgehend stabilen Kriminalitätslage konstatierte die Staatsanwaltschaft allerdings einen Aufwärtstrend bei den Anzeigen in Bezug auf gegen die sexuelle Integrität bei Jugendlichen. Diese stieg in einem Jahr von 21 auf 39; vor fünf Jahren waren lediglich sieben Anzeigen eingegangen.

Youtube-Generation ist hemmungsloser

Bei den Anzeigen zur sexuellen Integrität betrafen «nur» sechs Fälle sexuelle Belästigungen, also Übergriffe. Diese Zahl ist über die Jahre konstant geblieben. Was zunimmt, ist die Verbreitung von Pornografie – sei es, dass die Jugendlichen Videos und Fotos weiterschicken oder eben freizügige Fotos von sich selbst versenden.

Bemerkenswert ist dabei, dass die Opfer immer jünger werden. Katja Arnold von der Jugend- und Präventionspolizei Basel-Stadt führt seit 2009 eine Präventionskampagne bei 5.-Klässlern durch, bei der es um den sensiblen Umgang mit intimen Fotos und Videos geht. Arnold hat festgestellt, dass innert zehn Jahren die Zahl der Handybenutzer in der Primarschule stark gestiegen ist. Heute sei fast die Hälfte im Besitz eines Mobiltelefons. Zudem sei der Zugang zum Internet an viel mehr Orten sichergestellt – sei es übers W-Lan oder in der Öffentlichkeit. «Das Alter der Betroffenen hat sich gesenkt», sagt Arnold. «Es sind heute sogar 12 bis 13-Jährige, die erotische Fotos von sich machen und weiterschicken.»

Für die Eltern ist es meist schlimm

Bei der immer jünger werdenden Handygeneration sei zu beobachten, dass der Umgang mit Bildern und Videos leichtfertiger sei als noch vor einigen Jahren. «In dieser, ich nenne sie mal so, Youtuber-Generation, wird viel hemmungsloser fotografiert und geteilt als noch vor einigen Jahren», sagt Arnold. Die Basler Jugendanwältin Sarah Joy-Rae bestätigt die Eindrücke Arnolds, wonach zwar ein Teil der Fälle auf erpresserische Motive zurückgingen – dass jemand erotisch Bilder brauche, um an weitere, kompromittierende Fotos ranzukommen. Ein Grossteil der Straftäter sei sich aber nicht bewusst, etwas Unrechtes zu tun, wie sich bei den Vorladungen der Jugendanwaltschaft zeige. Das schützt vor Strafen nicht, die von Verweisen über Arbeitsleistungen bis zu Geldstrafen reichen. Am schlimmsten aber dürfte es für die Eltern sein, welche ebenfalls vorgeladen werden, wenn ihre Kinder Nacktselfies oder Pornos verbreitet haben. Rae sagt: «Ihnen ist es oft sehr peinlich, einige sind auch bestürzt.»

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