Zunahme

Immer mehr Diensttaugliche in den beiden Basel – steigt die Lust am Militär?

(Symbolbild)

Die Diensttauglichkeitsquote steigt im Kanton Basel-Stadt seit 2012 an. Doch was sind die Gründe dafür?

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Im Kanton Basel-Stadt steigt die Diensttauglichkeitsquote von Jahr zu Jahr stetig an. Die Gründe dafür sind unklar – es wird spekuliert. Im «Basel im Gespräch» heute Abend wird über die Zukunft der Dienstpflicht diskutiert.

13.4 Prozentpunkte: Um so viel stieg die Diensttauglichkeitsquote im Kanton Basel-Stadt seit 2012 an. Waren es vor sechs Jahren noch 52.9 Prozent aller Stellungspflichtigen, die als tauglich erklärt wurden, gehen letztes Jahr bereits 66.3 Prozent ins Militär oder den Zivildienst. Die Gründe für diese auffällige Zunahme sind undurchsichtig. Selbst die Armee kann kein klares Statement abgeben.

Stefan Hofer, Armeesprecher, sagt: «Die Zunahme der Tauglichkeit kann wissenschaftlich nicht erklärt werden. Für Veränderungen der Tauglichkeitsrate kann eine Vielzahl von Faktoren ins Spiel gebracht werden, diese bleiben jedoch immer Spekulation.» Auch im Kanton Baselland steigt die Zahl konstant an. Betrug die Tauglichkeitsquote hier 2012 noch 65.01 Prozent, waren es 2016 bereits 71 Prozent. Die Zahlen für 2017 liegen hier noch nicht vor.

Mehr Taugliche auf dem Land 

Warum die Tauglichkeitsquote auf dem Land viel höher ist, als in der Stadt, erklärt eine Studie der Universität Zürich, die im Auftrag der Armee entstand: Darin wurde erforscht, dass Stellungspflichtige ländlicher Herkunft eher tauglich sind als Städter. Je grösser die Stadt ist, desto mehr Untaugliche weist sie vor. Auch Gründe für die Untauglichkeit zeigt die Studie auf. 76 Prozent aller Untauglichen weisen einen psychischen Hauptbefund auf. Davon haben rund 27 Prozent eine Diagnose, die im Zusammenhang mit dem Militärdienst steht, zum Beispiel eine Autoritätsproblematik oder Anpassungsauffälligkeiten. Warum die Diensttauglichkeit seit 2012 ansteigt, wird hingegen nicht behandelt.

Die Spekulation, dass die Zunahme im Zusammenhang mit dem Zivildienst stehen könnte, kann nicht erhärtet werden: Es könnte zwar sein, dass sich die Stellungspflichtigen nicht mehr fälschlicherweise als untauglich erklären lassen, da es heute einfacher ist, sich für den Zivildienst anzumelden. In der Statistik wird jedoch nicht aufgezeigt, ob der Taugliche schliesslich den Militär- oder den Zivildienst absolviert. Es kann kein Vergleich gezogen werden, da die Armee in ihren Unterlagen mit den Jahrgängen der Stellungspflichtigen rechnet, der Zivildienst nimmt hingegen die Personen in ihre Statistik auf, die sich anmelden. Ganz unabhängig von deren Jahrgang.

Magdalena Küng, Sekretärin der Gruppe für eine Schweiz ohne Armee (GSoA) kann sich den Anstieg der Diensttauglichkeitsquote im Kanton nicht erklären. Sie ist jedoch sicher: «Ich denke nicht, dass die Leute sich eher für tauglich erklären lassen, da sie den Militärdienst als sinnvoller, angenehmer oder besser strukturiert empfinden als früher.»

Zukunft der Dienstpflicht

Über den Sinn und die Zukunft der Dienstpflicht wird viel diskutiert. Deshalb steht die nächste Ausgabe der Podiumsreihe «Basel im Gespräch», das von der bz mitorganisiert wird, auch ganz unter dem Motto: «Zukunft der Dienstpflicht». Frank Lorenz wird heute Abend mit vier Gästen in der offenen Kirche Elisabethen darüber diskutieren. Er betont: «Es kann nicht sein, dass Männer und Frauen, die militärischen Dienst für die Schweiz leisten oder geleistet haben, im Beruf schlechtere Voraussetzungen haben.»

Dies sei momentan in einigen Firmen der Fall. Bei den Gästen war es Lorenz wichtig, von überall jemanden zu haben. Es diskutieren: Nicola Goepfert, Geschäftsführer des Schweizerischen Zivildienstverbandes Civiva, Korpskommandant Daniel Baumgartner, Christian Keller, Journalist und Mitglied der Offiziersgesellschaft beider Basel und Priska Seiler Graf, Nationalrätin und Mitglied der sicherheitspolitischen Kommission.

Autor

Olivia Meier

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