Es ist ein schwacher Trost, aber bei der Plage der Einbruchdiebstähle stehen die beiden Basel nicht allein. Im Landkreis Lörrach ist die Zahl 2013 gegenüber dem Vorjahr um 51,1 Prozent auf 269 Fälle gestiegen, im grösseren Bereich des Polizeipräsidiums Freiburg betrug der Anstieg mit 1488 Einbrüchen 46 Prozent.

Die Polizeidirektion Lörrach geht davon aus, «dass die meisten der Einbrüche von organisierten und überörtlich agierenden Gruppen verübt wurden», wie es in einer Medienmitteilung heisst. Erst kürzlich konnte eine Serie von 13 Einbrüchen in Lörrach reisenden Profis zugeordnet werden, in deren Auto Diebesgut aus Dortmund gefunden wurde.

Lörracher Polizei hat reagiert

Laut Polizeisprecher Dietmar Ernst betrafen die Tatorte «nahezu den gesamten Landkreis mit den Schwerpunkten Lörrach und Weil am Rhein/Markgräflerland». Der Landkreis Lörrach hat gut 220'000 Einwohner. Die Lörracher Polizeidirektion reagierte auf die Problematik mit der Einrichtung einer Sonder-Ermittlungsgruppe und verstärkten Streifen.
Die Südbadener stehen nicht allein mit dem Problem.

Auch im Departement Haut-Rhin mit knapp 750'000 Einwohnern hat die Zahl der Einbrüche mit 4400 Fällen 2013 im Vergleich zum Vorjahr um 20 Prozent zugenommen. Bereits im Oktober hatte die Polizei in Saint-Louis drei Motorradstreifen eingerichtet, deren Aufgabe es ist, bei einem Einbruch schnell vor Ort zu sein. Im Februar gelang es ihr, in Saint-Louis drei Personen zu verhaften, die für 57 Einbrüche verantwortlich waren.

Thema für trinationales Parlament

Die steigenden Einbruchszahlen haben auch schon den Districtsrat, das Parlament des Trinationalen Eurodistricts Basel, beschäftigt. In einer Plenarversammlung über die die «Badische Zeitung» berichtete, analysierten Vertreter der Polizei aus den drei Ländern sowie der Basler Grenzwache die Einbruchproblematik.

Deutlich wurde, dass die Einbruchserien auf das wachsende Wohlstandsgefälle in Europa und den hohen Lebensstandard in der Region zurückzuführen ist. So kommt es in fernen Vogesentälern ebenso selten zu Einbrüchen wie im südbadischen Schopfheim, das weit von Grenze und Autobahn entfernt ist. Gute Verkehrserschliessung erhöht also das Einbruchsrisiko. Der These, dass die Einbrüche mit dem Beitritt der Schweiz zum Schengenraum 2008 angestiegen seien, steht entgegen, dass die Einbruchsquoten im Schweizer Teil des Dreilands um die Jahrtausendwende höher gewesen sind als heute.

Der Districtsrat nimmt das Thema weiter ernst. «Wir prüfen derzeit, ob die grenzübergreifende Zusammenarbeit bei Kriminalität, Feuerwehr und Sanität ständig in einer Kommission behandelt werden soll», erläutert Heinrich Ueberwasser (SVP), erster Vizepräsident des Gremiums.

Die Polizei-, Justiz- und Grenzwachtvertreter aus den drei Ländern arbeiten schon heute eng zusammen. So nahm zum Beispiel die Basler Polizei im April 2013 an einer trinationalen Kontrollaktion von 115 Autos in Südbaden teil, die Baselbieter Polizei untersuchte mit den französischen Kollegen im Südelsass Mitte Juni 350 Fahrzeuge. Derartige Aktionen sollen auch in Zukunft stattfinden, auf nähere Angaben verzichteten die angefragten Behörden allerdings «aus polizeitaktischen Gründen».

Regelmässiger Austausch

Die Erkenntnisse über Spuren zu Einbrüchen werden regelmässig grenzübergreifend ausgetauscht. An monatlichen trinationalen Treffen der Sicherheitsbehörden werden laut Andreas Knuchel, Mediensprecher der Basler Polizei, auch die Einbrüche thematisiert. Ausserdem verweist er auf die Verbindungsbeamten von Gendarmerie und Basler Polizei: die französische Beamtin arbeitet in Basel, der Basler Polizist in Colmar.

Im Vergleich zum übrigen Dreiland und im Verhältnis zur Einwohnerzahl sind die Einbruchszahlen in den beiden Basel hoch. Im Baselbiet mit seinen 280'000 Einwohnern stieg sie mit 2288 Fällen 2013 um 15 Prozent an. In Basel, das knapp 196'000 Einwohner zählt, liegt sie trotz eines Rückgangs von 21 Prozent mit 1608 Einbrüchen im Jahr 2013 weiter auf hohem Niveau.

Detaillierte Zahlen zur gegenwärtigen Entwicklung werden nicht kommuniziert. Nichtsdestotrotz teilt Peter Gill, Mediensprecher der Basler Staatsanwaltschaft, für Januar bis April einen leichten Rückgang bei den Einbrüchen mit. Im Baselbiet ist die Lage laut Polizeisprecher Meinrad Stöcklin nach wie vor angespannt.