Fauna

Immer mehr fremde Tiere und Pflanzen bewohnen die Basler Gärten

Hat in Basel eine neue Heimat gefunden: Die Kräuseljagdspinne Zoropsis spinimana.

Hat in Basel eine neue Heimat gefunden: Die Kräuseljagdspinne Zoropsis spinimana.

Immer mehr eingeschleppte Arten finden in der Schweiz ein neues Zuhause.In Basel gefällt es ihnen besonders gut. Die sogeannten Neobiota gelangen durch menschlichen Einfluss in neue Lebensräume besiedeln diesen.

Sie kommen mit dem Flugzeug, per Schiff, im Auto oder auf dem Lastwagen. Manche reisen als blinde Passagiere – versteckt im Reisegepäck oder zwischen Paletten. Andere werden gezielt importiert, weil sie besonders schön, exotisch oder nützlich sind.

Die Rede ist von sogenannten Neobiota: Tier- und Pflanzenarten, die durch menschlichen Einfluss in neue Lebensräume gelangen und diese besiedeln. Finden sie am neuen Ort günstige Lebensbedingungen vor, dann bleiben sie, vermehren sich und breiten sich aus. Wenn sie dabei einheimische Arten verdrängen, gelten sie als invasiv.

Basel ist ein Einfallstor

Auch in der Schweiz sind in den letzten Jahren zahlreiche Neobiota aufgetaucht. «Besonders die Region Basel ist ein Einfallstor für neue Arten», berichtet Ambros Hänggi, Kurator Biowissenschaften am Naturhistorischen Museum Basel.

Er führt dies vor allem auf das günstige Klima am Rheinknie zurück: Zuzüger aus südlichen Regionen finden hier milde Temperaturen vor – auch im Winter. Hinzu kommt, dass ein grosser Teil des Nord-Süd-Verkehrs über Basel verläuft. Kommt es an der Grenze zu längeren Stopps, nutzen die blinden Passagiere die Chance, ihre Mitfahrgelegenheit zu verlassen.

So ist vermutlich auch die auffällig grosse Jagdspinne Zoropsis spinimana aus Südeuropa nach Basel gelangt. Vor etwa 20 Jahren tauchte hier das erste Exemplar nördlich der Alpen auf. Mittlerweile hat sich die Spinne in der Stadt etabliert und breitet sich entlang den Flusstälern von Birs und Ergolz weiter aus.

Auch über den Rhein dringen fremde Organismen in Schweizer Gewässer ein – angeheftet an Schiffsrümpfe oder im Ballastwasser. Auf diese Weise kam die aus dem Schwarzmeerraum stammende Wandermuschel schon vor über 150 Jahren nach Basel. Seitdem ist sie in fast alle Schweizer Flüsse und Seen vorgedrungen.

Neuere Einwanderer in den Hochrhein sind die Grobgerippte Körbchenmuschel aus Südostasien und die Neuseeländische Deckelschnecke.

Massnahmen sind umstritten

Auch nicht-einheimische Pflanzenarten breiten sich bevorzugt entlang von Flüssen und Bächen aus. Zwar gelingt es nur einem kleinen Teil dieser Neophyten, sich dauerhaft zu etablieren. Trotzdem befürchten Experten eine Gefährdung der einheimischen Artenvielfalt.

Auf der Schwarzen Liste des Bundesamts für Umwelt stehen derzeit über 20 invasive Pflanzenarten, deren Ausbreitung aktiv bekämpft wird – darunter das Drüsige Springkraut und der Japanische Stauden-Knöterich.

Arbeitseinsätze gegen solche Invasoren laufen in der Region beispielsweise am Rheinbord und am unteren Birslauf.

Doch derartige Aktionen sorgen auch für Kontroversen: Manche Fachleute halten die angewandten Massnahmen für aussichtslos und den Aufwand für nicht gerechtfertigt. Und einige Wissenschaftler weisen darauf hin, dass die Verschiebung von Arten und der Wandel von Lebensräumen eigentlich ein ganz natürlicher Prozess ist.

Um diese Aspekte aus verschiedenen Blickwinkeln zu beleuchten, lädt das Naturhistorische Museum Basel morgen Samstag zu einem Vortragstag. Unter anderem stellen Wissenschaftler ihre Forschung an eingewanderten Wanzen und Spinnen vor.

Naturschützer berichten aus der Praxis über ihre Erfahrungen beim Bekämpfen von Neophyten. Und ein Vertreter des Bundesamts für Umwelt erklärt die nationale Strategie. Interessierte Laien haben so die Gelegenheit, sich zu informieren und eine eigene Meinung zu bilden.

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