Wohnungsmarkt

Immer mehr Geisterwohnungen in Basel, doch woran liegt es?

Die Zahl leerer Wohnungen in der Schweiz hat in den letzten Monaten weiter zugenommen, wenn auch moderat. In Basel ist die Zahl der Zweitwohnungen besonders hoch. (Archivbild)

Die Zahl leerer Wohnungen in der Schweiz hat in den letzten Monaten weiter zugenommen, wenn auch moderat. In Basel ist die Zahl der Zweitwohnungen besonders hoch. (Archivbild)

In Basel steigt die Zahl der Zweitwohnungen. Ist der Airbnb-Boom daran schuld?

Zweitwohnungen machen in der Regel besonders in den Bergkantonen Schlagzeilen. In manchen Gemeinden wie etwa in Zermatt liegt die Marke bei über fünfzig Prozent. Doch auch schweizweit ist eine Zunahme in den Gemeinden zu verzeichnen, so auch in der Stadt Basel.

Gemäss dem Wohnungsinventar des Bundesamtes für Raumentwicklung liegt der Zweitwohnungsanteil aktuell bei 12,7 Prozent – höher als etwa in Zürich oder Luzern. Zum Vergleich: Im Jahr 2000 lag er noch bei 7,9 Prozent. «Diese massive Steigerung ist hochproblematisch», schreibt der Grossrat René Brigger (SP) in einer schriftlichen Anfrage an den Regierungsrat vom vergangenen Donnerstag.

Keine Steuern und kein politisches Mitbestimmungsrecht

Konkret zählt die Stadt Basel laut der Statistik 12'679 Zweitwohnungen. «Das sind alles Wohnungen, bei denen kein Wohnsitz hinterlegt ist und in denen Menschen wohnen, die weder vor Ort Steuern zahlen noch politisch mitbestimmen können», beklagt Brigger auf Anfrage dieser Zeitung. «Daran können wir als Stadt kein Interesse haben.»

Über die Gründe für die Zunahme könne man bisher nur spekulieren. Brigger vermutet sie unter anderem in der Umwandlung von Wohnungen in Studios oder Apartments, die dann beispielsweise über Airbnb zu Ferienzwecken vermietet würden. Vom Regierungsrat will er nun mehr über die Art der Zweitwohnungen erfahren und wie viel Steuersubstrat diese den Kanton kosten.

Wohnsitzpflicht als mögliches Gegenmittel

Brigger, der in der Bau- und Raumplanungskommission vertreten und in verschiedenen Genossenschaften engagiert ist, kämpft immer wieder gegen den Verlust von Wohnraum. Beinahe Erfolg hatte er vergangenes Jahr, als der Grosse Rat auf seinen Vorschlag hin für die Wohnüberbauung auf dem Areal des ehemaligen Radiostudios auf dem Bruderholz eine Wohnsitzpflicht einführte. Was mit anderen Worten hiess: Die Eigentumswohnungen dürfen nicht als Zweit- oder Feriendomizile genutzt werden.

Zweitwohnungsanteil soll unter zehn Prozent liegen

Doch dagegen legte die Grundeigentümerin des Areals, die SRG Region Basel, Rekurs beim Verwaltungsgericht ein – und bekam recht. Denn aktuell fehle die gesetzliche Grundlage für eine sogenannte Wohnsitzpflicht. Die SP kündigte daraufhin an, sich für eine entsprechende Gesetzesänderung einzusetzen.

Für SP-Grossrat Brigger wäre es ein Instrument, mit dem das Zweitwohnungswachstum eingedämmt werden könnte. Er sähe auch andere Möglichkeiten, etwa, dass Vermieter von Zweitwohnungen steuerlich mehr belastet würden oder dass in reinen Wohnzonen die Vermietung an Personen ohne festen Wohnsitz gesetzlich verhindert wird.

«Zuerst müssen wir die genauen Ursachen für die Zunahme kennen», sagt Brigger und verweist auf seine schriftliche Anfrage an den Regierungsrat, «erst dann können entsprechende Lösungen erarbeitet werden.»
Klar ist für ihn: «Der Zweitwohnungsanteil muss künftig wieder mindestens unter zehn Prozent gerückt werden.»

Meistgesehen

Artboard 1