Es ist eine Erfolgsgeschichte. 1966 gründete Jörg Hieber mit seiner Ehefrau Anneliese auf einer Fläche von 50 Quadratmetern sein erstes Lebensmittelgeschäft. Mittlerweile sind es neun Supermärkte und drei kleinere «Lädele» mit insgesamt 987 Mitarbeitern. Seit 2009 wurden 229 neue Arbeitsplätze geschaffen. Fünf Mal bereits wurde Hieber in Deutschland als Supermarkt des Jahres ausgezeichnet.

15 Prozent aller Kunden kommen aus der Schweiz. «Der Anteil ist in den grenznahen Märkten wie Lörrach, Weil am Rhein oder Grenzach höher», erläuterte Dieter Hieber, der 2009 die Geschäftsleitung von seinem Vater übernommen hat, gestern auf einer Medienkonferenz anlässlich der Vorstellung des neuen Logos und Auftretens von Hieber (siehe Textbox rechts).

«Die Schweizer Kunden nehmen weiter zu, auch wenn die Kurve sich ein wenig abgeflacht hat», erklärte Hieber. Dies, obwohl mit den neuen Zollbestimmungen ab 1. Juli 2014 die Freigrenze für den Fleischeinkauf von drei auf ein Kilo reduziert wurde. «Fleisch ist für uns der wichtigste Bereich. Die Begrenzung schmerzt uns sehr», sagte Dieter Hieber. Allerdings sei festzustellen, dass die Schweizer Kunden auf Fisch oder Wild ausweichen, deren Einfuhr in die Schweiz nicht unter die neuen Freigrenzen fallen.

Schweiz wirbt Mitarbeiter ab

Hieber investiert viel in die Ausbildung, hat aber «enorme Probleme, in der Region Lehrlinge zu finden», berichtete der Geschäftsführer. Von den derzeit 106 Auszubildenden kommen deshalb 29 aus Spanien und drei aus Frankreich. Die Nähe zur Schweiz hat nicht nur Vorteile. «Unsere Metzger, Bäcker oder leitenden Angestellten sind begehrte Mitarbeiter werden abgeworben. Die Verlockung, in die Schweiz zu gehen, ist da», führte Dieter Hieber aus. Allerdings wären auch schon ehemalige Mitarbeiter zurückgekommen, weil der Entlohnung in Deutschland und in der Schweiz sich unter dem Strich letztlich doch kaum unterscheiden würde.

50 000 Artikel in Lörrach

Hieber setzt konsequent auf Frische, Beratung und grosse Vielfalt seiner Produkte. So werden zum Beispiel im Lörracher Markt 50'000 Artikel angeboten. Ausserdem konzentriert sich Hieber bewusst auf den Food-Bereich. 80 Prozent seiner Waren bezieht er über den mittelständisch und genossenschaftlich geprägten Verbund Edeka. Darüber hinaus hat er 600 verschiedenen Lieferanten und bietet sehr viele regionale Produkte an.

Obwohl Dieter Hieber nicht verhehlt, dass er die Entwicklung des Online-Handels mit wenig Begeisterung beobachtet, will und kann er sich dieser Tendenz nicht verschliessen. So befinden sich Themen wie Online-Handel, Drive-in und Abholmärkte in entlegenen Orten, wo es keine Geschäfte gibt, in der Prüfung. «Wir dürfen keine Vogel-Strauss-Politik machen.»

Von 2009 bis Ende 2014 investiert das Unternehmen immerhin 15,7 Millionen Euro. Dieter Hieber spricht sich für ein gesundes Wachstum aus und kann sich in den nächsten zwei bis drei Jahren ein oder zwei neue Märkte vorstellen. «100 werden wir aber nie haben». Auch an eine Expansion in die Schweiz sei nicht gedacht. «Das ist für ein kleines Unternehmen wie uns nicht möglich», sagte er.

Positiv habe sich für Hieber in Lörrach ausgewirkt, dass die Migros ihren Markt geschlossen habe. So hat der Nachfolger Rewe Mühe, sich in der Stadt zu etablieren. «Migros war für uns der schwerere Wettbewerber. Wir haben einen guten Tausch gemacht», kommentierte Dieter Hieber.