Tatsächlich ist in Gemeinden wie Binningen oder Allschwil der Lärm beim Häuserverkauf ein Thema - allerdings nur eines unter vielen, wie Tim Lindenberger sagt, der in Binningen die Immobilienfirma Team Lindenberger leitet. «Lärm beeinflusst den Kaufentscheid nicht so sehr», sagt er. Nur wenn der Lärm wirklich gravierend sei, habe er einen entscheidenden Einfluss. Dass der nahe Flughafen ein Killerkriterium für einen Kauf wäre, das hat er noch nie erlebt. «Aber natürlich ist es nicht optimal, wenn während der Besichtigung ein Flugzeug vorbeifliegt.»

Immer schon in der Verkaufsanzeige auf den Lärm hin weist Thomas Köstner, der Gründer der im Hochpreissektor spezialisierten Immoline Basel. «Vielleicht wollen acht von zehn Interessenten keinen Lärm, aber die melden sich dann auch nicht», so seine Erfahrung. Und es gebe genug Leute, die nicht lärmempfindlich seien. «So findet man für jedes Objekt einen Käufer.»

Der Krach der Flieger kann aber schon ohne Verkauf einen negativen Einfluss haben. Köstner weiss von einem Allschwiler, der für sich in der Flugschneise ein Haus für 3,5 Millionen Franken erstellen wollte. Die Bank gab ihm dafür aber nur Kapital für einen Wiederverkaufswert von 3 Millionen. Begründung: Der Flughafen in der Nähe senke den Wert. Der Hausbauer musste schliesslich 0,5 Millionen Franken Eigenkapital mehr als vorgesehen einschiessen. Köstner findet das ungerecht: «Es wird bestraft, wer sich nicht an Fluglärm stört. Denn das Bauen ist bei Flughäfen nicht billiger.»

Zürich legte vor

Objektiv messen lässt sich eine Wertverminderung wegen Fluglärms sowieso kaum. Auch die computerbasierten Bewertungssysteme, die in der Branche üblich sind, helfen nicht weiter. Dort lässt der Verkäufer aufgrund seines eigenen Urteils einen Standortfaktor errechnen. Dabei spielen Dinge wie die Aussicht, die Nähe zu Schulen und Dienstleistungen oder eben auch Lärm eine Rolle. Die Einschätzung bleibt aber letztlich subjektiv.

Einen Anhaltspunkt, wie viel Geld Fluglärm die Immobilienbesitzer kosten könnte, gibt die Rechtspraxis bei Entschädigungen rund um den Flughafen Zürich. Das Bundesgericht entschied 2008, dass Anwohner einen Minderwert von 15 bis 17,5 Prozent geltend machen können. Das ist allerdings an eine Reihe von Bedingungen geknüpft.

Seither ist in der Entschädigungspraxis eines deutlich geworden: Hochpreisige Objekte verlieren mehr an Wert als günstige, wenn sie in Flughafennähe sind. Ein interessantes Urteil fällte das höchste Schweizer Gericht im April: Ein Einfamilienhausbesitzer bei Kloten erhielt über 100'000 Franken an Entschädigung zugesprochen – aber nicht wegen des Fluglärms, sondern weil die Flieger über seinem Hausdach als «bedrohlich» gelten.