Basel
Impf-Vordrängeln des UKBB-CEO sorgt für Kritik bei mehreren Gross- und Landräten

Die Kaderposition dürfe ihrer Meinung nach keine Rolle bei der Impfreihenfolge spielen.

Tobias Gfeller
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UKBB-Chef Marco Fischer erntet Kritik, weil er sich bereits gegen Corona impfen liess. (Archiv)

UKBB-Chef Marco Fischer erntet Kritik, weil er sich bereits gegen Corona impfen liess. (Archiv)

Nicole Nars-Zimmer (niz)

Dass sich CEO Marco Fischer mit einer «überschüssigen» Impfdosis des Kantons für das Universitäts-Kinderspital beider Basel (UKBB) bereits gegen das Coronavirus impfen liess, kommt nicht gut an. Wie diese Zeitung bereits am Samstag schrieb, gehört Fischer weder zur Risikogruppe noch hat er direkten Patientenkontakt. Die bz fragte bei Mitgliedern der interparlamentarischen Geschäftsprüfungskommission des UKBB nach: Für deren Präsidentin und CVP-­Grossrätin Beatrice Isler wirkt Fischers Handeln «grundsätzlich zwiespältig». Sie selber habe sich zwar auch schon impfen lassen, als zu Beginn in Basel-Stadt auch über 65-Jährige geimpft wurden. Danach hatte sie aber ein schlechtes Gewissen, obwohl sie medizinisch schon zur Risikogruppe gehöre. Dass Marco Fischer seine Impfung auch mit seiner Position begründet – Zitat «systemrelevanter Mitarbeiter» –, ist für Isler unverständlich: «Beim Impfen sollte es keine wichtigeren und unwichtigeren Personen geben.» Es wäre schön gewesen, hätte der UKBB-CEO «vornehme Zurückhaltung an den Tag gelegt und sich nicht vorgedrängt». Beatrice Isler plädiert beim Impfen grundsätzlich für mehr Gelassenheit. Als sie am vergangenen Dienstag die zweite Impfung erhielt, herrschten vor dem Basler Impfzentrum ein dichtes Gedränge und eine spürbare Ungeduld, erzählt die CVP-­Grossrätin.

SP-Grossrat Sebastian Kölliker findet die Begründung von Marco Fischer für seine bevorzugte Impfung «schwierig». Dass das Gesundheitspersonal neben den Älteren und den Menschen mit Vorerkrankungen bevorzugt geimpft wird, sei richtig. Aber das betreffe vor allem die Mitarbeitenden mit direktem Patientenkontakt. «Man muss sich die Frage stellen, ob es wirklich nötig war, dass sich der UKBB-CEO so früh impfen lässt, während andere Personen aus der Risikogruppe noch auf ihre Impfung warten.»

Für den Buckter SVP-Landrat Peter Riebli wäre ein solches Vorgehen nur vertretbar, wenn sich jemand mit dem Rest eines Fläschchens des Vakzins impfen lassen würde, der sonst entsorgt würde. Aber so wie es Fischer darstellt, gehe es natürlich nicht, so der letztjährige Landratspräsident. «Sich wegen einer angeblich wertvolleren Position vorzudrängeln, ist verwerflich und nicht akzeptabel. Genauso wie bei den Bundesräten, die sich schon haben impfen lassen.» Es gebe Regeln, die gelten für alle. Auch die Allschwiler Grünen-Landrätin Julia Kirchmayr-Gosteli sagt: «Jede Person ist in ihrer Berufsposition ersetzbar – ob der Kinderspital-Chef oder der Bundesrat.» Sie sei «dezidiert» dafür, dass man zuerst jene impft, die am gefährdetsten sind. «Jetzt geht es wirklich darum, Leben zu retten.» Die vom Kanton den Spitälern zur Verfügung gestellten Impfdosen müssten dem Personal an der Front – etwa jenem auf den Intensivstationen – zur Verfügung stehen, fordert Kirchmayr-Gosteli. «Spitalmitarbeitende ohne Patientenkontakte wie der CEO können sich mit Abstandhalten, Kontaktreduktion und womöglich Homeoffice gut selber schützen.»