Hinter ihnen liegen Krieg und Hunger, vor ihnen der ausgetrocknete Wohnungsmarkt: Flüchtlinge müssen nach ihrer offiziellen Anerkennung in der Schweiz oft im Asylheim bleiben. Obwohl sie dort weder wohnen müssten, noch sollten. Denn die nächsten Flüchtlinge warten schon. Insbesondere jetzt, da auf Bundesebene debattiert wird, ob und wie viele zusätzliche Flüchtlinge aus Syrien in der Schweiz Aufnahme finden könnten.

Renata Gäumann, die Basler Asylkoordinatorin sieht verschiedene Gründe dafür, dass es ihre Schützlinge schwer haben, aus den Heimen in eigene vier Wände zu ziehen: «Einerseits haben Flüchtlinge mit ihren ausländischen Namen und anfangs mässigen Deutschkenntnissen auf dem Wohnungsmarkt schlechte Karten.» Sprich, der Markt ist so ausgetrocknet, dass sich Vermieter aussuchen können, an wen sie zu welchen Konditionen vermieten. Und da haben auch anerkannte Flüchtlinge keine guten Karten.

Dabei sieht der Ablauf auf dem Papier ganz einfach aus: Ein Flüchtling kommt über die Grenze in die Schweiz, meldet sich und landet in einem Bundesaufnahmezentrum, wie etwa dem Bässlergut. Dann kommt er in eine Asylunterkunft, wo er darauf wartet, dass das Bundesamt für Migration entscheidet, ob er als Flüchtling anerkannt wird oder nicht. Nach der Erteilung des Flüchtlingsstatus’ kann er sich eine Wohnung suchen.

Allerdings nur, wenn gewisse Bedingungen erfüllt sind, sagt Gäumann: «Nicht jeder anerkannte Flüchtling ist automatisch fähig, alleine zu wohnen. Viele brauchen aufgrund ihrer Geschichte Betreuung. Und Wohnkompetenz in der Schweiz will erworben sein.» Die Flüchtlinge müssen also lernen, wann in der Schweiz der Müll rausgestellt werden darf, was hierzulande als «zu laut» empfunden wird, oder was eine Hausordnung ist.

Doch auch das nützt nichts, wenn der Flüchtling keine Wohnung findet. Das liegt unter anderem auch daran, dass das soziale Beziehungsnetz fehlt, meint Gäumann, denn «viele günstige Wohnungen sind nicht auf dem freien Markt, sondern werden unter der Hand weitervermittelt. Und was auf den offenen Markt kommt, ist sehr begehrt. Das macht es für Flüchtlinge, die aufgrund ihres Ausweises oder ihrer Herkunft benachteiligt werden noch schwieriger, eine Wohnung zu finden.»

Dazu komme, dass die Ansätze, die die Sozialhilfe an Wohnungen bezahlt, angesichts der enormen Nachfrage auf dem Markt «nur bedingt konkurrenzfähig» sind. In der Tat dürfte es ziemlich schwierig sein, in Basel eine Einzimmerwohnung für 650 Franken exklusiv zu finden. Das ist der aktuelle Ansatz, den die Sozialhilfe bezahlt.

Nicht nur Flüchtlinge betroffen

Grossrätin Patrizia Bernasconi (GB), die Geschäftsleiterin des Mieterverbands sieht das Problem auch, will es aber nicht auf Flüchtlinge reduzieren: «Generell ist es momentan für die sozial Schwächsten nahezu unmöglich, in Basel eine Wohnung zu finden.» Das gelte für Randständige, Kranke und Behinderte genauso wie für Flüchtlinge.«Der Staat macht die Augen zu und hofft, das neue Wohnraumfördergesetz werde alle Probleme lösen. Das wird es aber nicht», sagt Bernasconi, deren Mieterverband mit einer deutlich weitergehenden Initiative an der Urne Schiffbruch erlitten und diese Niederlage offenbar immer noch nicht verdaut hat. Genossenschaften seien keine Lösung, meint sie, denn auch hier würden die Mieter sozusagen «vorsortiert».

Sozialwohnungen im klassischen Sinn kennt Basel nicht. Und die Notwohnungen des Kantons sind keine Lösung, meinen sowohl Gäumann als auch Bernasconi. Denn diese 110 Wohnungen, die in Notsituationen kurzfristig zur Verfügung gestellt werden, sind chronisch überfüllt. Hier kommen vor allem Familien mit kleinen Kindern unter. Und Flüchtlinge geniessen keine besondere Priorität.

Eine Lösung zu finden scheint schwierig, auch wenn der Nachbarkanton bei den neuen Flüchtlingen seine hilfreiche Hand ausstreckt (Text unten). Gäumann sieht zwei Ansatzpunkte: «Kurzfristig wird die Sozialhilfe bei steigenden Asylgesuchzahlen zusätzliche Unterbringungsplätze brauchen. Mittelfristig ist in Basel aber mehr günstiger Wohnraum wichtig, der für alle zugänglich ist – gleiche Chancen für alle.» Und genau hier treffen sich die Forderungen der Asylkoordinatorin und der Mieterverbands-Chefin Bernasconi. Beide fordern sie, dass Wohnraum bereitgestellt werden müsse, der den Gesetzen des freien Marktes und der sozialen Diskriminierung entzogen ist.