Bijoux

In Basel an der Florastrasse blüht die Bistro-Kultur

Miron Landreau in seinem Café Flore an der Klybeckstrasse.

Miron Landreau in seinem Café Flore an der Klybeckstrasse.

Die Kleinbasler Bar «Flore» an der Florastrasse Ecke Klybeckstrasse zeigt Stil. Sowohl beim den 160 verschiedenen Weinsorten aus Frankreich und Italien, die angeboten werden als auch bei der erlesenen Inneneinrichtung.

Zehn Jahre war Miron Landreau (39) in Frankreich, vor zwei Jahren kam er zurück, und jetzt hat er eine Bar. Man merkt diesem Bistro an, es hat französische Wurzeln: ein Tresen aus westfranzösischem altem Nussbaum, Tische und Stühle, die er eigenhändig auf Flohmärkten zusammengekauft und mit dem Lastwagen nach Basel transportiert hat, eine Boulevard-Bestuhlung von unverkennbar französischer Provenienz.

Ein Name, der verpflichtet

«Flore» – der Name ist Verpflichtung und eine dreifache Referenz. In Paris gibt es das legendäre Café de Flore, wo sich Picasso, Giacometti, Sartre, de Beauvoir und Jean Cocteau trafen. Es ist zweitens eine Referenz an den Blumenladen Mäglin, der bis vor kurzem in diesem schönen Raum war und der sozusagen zum Kleinbasler Inventar der guten Geschäfte gehörte. Und drittens markiert das Bistro die Ecke Klybeckstrasse/Florastrasse. Praktisch: Diese Adresse vergisst man nicht so schnell.

Noch ein Gastrobetrieb an dieser Klybeck-Meile? Ja, schon. Aber Landreau dringt in eine Marktlücke vor. «Wir wollen eine Apérobar sein. Hierher kommt man nach der Arbeit oder vor dem Ausgang, dem Theater, dem Konzert. Hierher kommt man für das erste Glas, nicht für das letzte.» Deshalb macht «Flore» auch bereits um 22 Uhr dicht.

Eine Adresse, die man nicht so schnell vergisst, in der Tat. Das Interieur ist von einer fast schon beängstigenden Stilsicherheit. Nirgendwo Pfusch oder Stilbruch. Eine glückliche Hand hatte Landreau bei der Wahl der Beleuchtung, ein schwieriges Thema in einer Beiz. Die alten Kellerlampen mit Kohlefaden-Birnen sorgen für warmes nostalgisches Licht. Ein grossflächiges Wandgemälde im Art-Deco-Stil dominiert die Seitenwand. Kaum Kitsch, und wenn, dann gewollt. Es scherbelt Musik aus den 60ern. Ohne die tatkräftige Hilfe von Freunden und Familie hätte er das nie geschafft, sagt Landreau. «Es ist ein Low-Budget-Betrieb.»

Die Weinkarte ist überwältigend: 160 verschiedene Weine sind hier zu finden, mit Schwergewicht auf Frankreich/Italien. Die Preise sind moderat, obwohl auf der Karte einige Spezialitäten zu finden sind. Etwa einige Weine aus der Loire-Gegend: Vaut le Voyage! Und es ist wohl die einzige Bar, wo man einen «Ballon» bekommt, ein Halbdezi-Gläschen. Zum Knabbern gibt es Kleinigkeiten wie etwa Trockenwurst und Brot. In Kürze werden Mittagessen serviert, ausser Haus gekocht von Andrej Radisa (vormals Restaurant Viertelkreis und «Rostiger Anker»).

Landreau ist nahe Nantes geboren. Da seine Eltern viel unterwegs waren, kam er über verschiedenste Zwischenstationen nach Basel. Erst spät – mit 29 – begann er eine Gesangsausbildung; zu spät, wie er feststellen musste. «Es ist schwierig, ab einem bestimmten Alter eine Stelle als Sänger zu finden. Alle wollen Erfahrung und Referenzen sehen.» So eröffnete er eine Bar in der Oper in Nantes. Nach Basel kam er zurück, weil er hier seinen grossen Bekanntenkreis von früher hatte. Immerhin war er vor bald 20 Jahren beim Start der Cargo-Bar dabei. Seine Weinkenntnisse erwarb er, als er für verschiedene Weinhändler arbeitete.

Seine Mutter ist Fotografin. Die Leidenschaft für Licht und Fotografie hat er von ihr geerbt. Im hinteren Teil des Bistros, wo auch Degustationen durchgeführt werden können, befindet sich eine Fotogalerie, derzeit mit Bildern aus Warschau von Nicholas Winter.

Die Freude der Frau Floristin

Frau Mäglin (84), die früher zusammen mit ihrem Mann den Blumenladen führte, wollte ursprünglich keinen Beizenbetrieb im Haus. Doch als Landreau ihr das Konzept vorstellte, war sie auf Anhieb überzeugt. Sie sei so dankbar, dass sie «ebber so nätter» gefunden habe, sagt sie auf gut Baseldytsch. Mäglin, das sei der älteste Blumenladen der Stadt gewesen, gegründet vor rund 150 Jahren, erzählt sie. Es ein Bistro, das, zumindest von der traditionellen Ideologie her, ein bisschen Blumenladen geblieben ist. Mit einem markanten Blumenstrauss in der Mitte.

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