Sie fiel vor Schreck fast aus dem Bett. Extrem laut sei er gewesen, der Knall, der zwei Bilder von der Wand fallen liess. Das Feuerwerk habe das ganze Haus zum Zittern gebracht. Die Bilder, sagt die Mieterin, seien nie zuvor heruntergefallen. Die Frau vermutet, dass es sich um «illegale» Feuerwerke gehandelt habe. Und bekommt dafür viel Zuspruch in den sozialen Medien. Jeder will irgendwo in Basel ein besonders lautes Feuerwerk gehört haben an diesem Silvester – ein Feuerwerk, wie es in früheren Jahren kaum je gezündet worden war. Und wenn, dann höchstens um Mitternacht, wenn alle Feuerwerke durcheinander knallen. So jedenfalls war es mal: Die Leute feierten Silvester am 31. Dezember um 24 Uhr und ein paar Stunden davor und danach. Basta.

Doch nun ist ein neues Zeitalter angebrochen, wie so ziemlich jeder Bewohner dieser Stadt feststellen konnte. Auch am Sonntagabend wurde bis spät noch geböllert, was das Zeug hält. Das, nachdem Leichtschläfer schon in der Silvesternacht davor kaum ein Auge zumachen konnten.

Notrufe auch am Neujahrstag

Die Polizei bestätigt, dass neu auch am 1. Januar Feuerwerke gezündet wurden. Zwei Notrufe sind am Sonntagabend laut Polizeisprecher Andreas Knuchel eingegangen. Einer kam aus dem Gundeli-, der andere aus dem Gotthelfquartier. Eine Umfrage der bz bei Bewohnern anderer Quartiere zeigt aber: Lärmig war es überall. Ob Feuerwerk abgelassen wurde, das in anderen Ländern erlaubt ist und in der Schweiz verboten, kann die Polizei nicht bestätigen. Meist seien die Zünsler über alle Berge, wenn die Polizei komme, sagt Knuchel. So geschehen auch am Sonntag.

Am eigentlichen Silvesterabend aber erwischte die Polizei etliche Feuerfreunde in flagranti und mahnte diese, keine Feuerwerke in Menschenansammlungen abzubrennen. Gebüsst hat sie allerdings keinen, obwohl dies streng genommen möglich wäre: In Basel-Stadt braucht man eine Bewilligung, um Feuerwerke ablassen zu dürfen. In der Praxis werden diese aber toleriert, solange keine Fremd- oder Selbstgefährdung besteht. Trotzdem hatte die Polizei alle Hände voll zu tun. 130 Notrufe gingen allein in der Silvesternacht ein, hinzu kamen rund 50 Sanitätseinsätze wegen Schlägereien oder Betrunkenen.

Der eine oder andere Leser einer Sonntagszeitung dürfte sich am Sonntagmorgen ausserdem über einen kaputten Briefkasten geärgert haben: «In der Silvesternacht wurden mehrere Briefkästen mit Petarden gesprengt», sagt Knuchel. Autofahrer hingegen hatten Glück: Die Polizei vermeldet keine angezündeten Autos. Anders sieht es im Elsass aus. Dort wurde aus Angst vor Brandstiftern zwischenzeitlich verboten, Benzinkanister zu transportieren. Und tatsächlich: In Frankreich brannten in der Silvesternacht 650 Autos. Wie viele davon im Elsass angezündet wurden, teile die Polizei nicht mit. Ebenfalls unklar ist, ob der Trend hin zu einem zweitägigen Silvester auch fürs Elsass gilt.