Semesterbeginn
In Basel fehlen mehr als 200 Zimmer für Studierende

Längst nicht alle Studierenden haben rechtzeitig eine Bleibe gefunden. Für sie beginnt der neue Lebensabschnitt in der Jugendherberge oder auf dem Sofa. In den letzten beiden Jahren hat sich die Nachfrage nach Zimmern nahezu verdoppelt.

Noemi Lea Landolt
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Einige Studierende quartieren sich bis im Winter in der Jugendherberge St.Alban ein. Dies ist jedoch lediglich eine Zwischenlösung.

Einige Studierende quartieren sich bis im Winter in der Jugendherberge St.Alban ein. Dies ist jedoch lediglich eine Zwischenlösung.

Zur Verfügung gestellt

Heute beginnt für Tausende junge Menschen ein neuer Lebensabschnitt: Es ist der erste Tag ihres Studiums. Viele von ihnen ziehen für das Studium zu Hause aus in eine fremde Stadt, einen fremden Kanton. Sie tauschen das Kinderzimmer im Hotel Mama gegen eines in einer Wohngemeinschaft oder im Studentenwohnheim – sofern sie denn eines finden.

Die Situation in Basel ist seit Jahren prekär: «Obwohl wir ständig neue Wohnungen dazumieten, können wir längst nicht allen Studierenden ein Zimmer vermitteln», sagt Chaim Howald, Geschäftsführer des Vereins für studentisches Wohnen (WoVe) in Basel. So sei zum Beispiel das neue Studentenwohnheim in der umgebauten Rennbahnklinik in Muttenz mit 60 Zimmern komplett ausgebucht. Eigentlich wollte man in Muttenz vor allem Studierende der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) einquartieren, aber wegen der allgemeinen Situation wohnen dort nun auch Studierende der Universität Basel, die in die Stadt pendeln.

Seit Anfang Juli habe die WoVe zwar 27 zusätzliche Zimmer organisieren können. Das sei allerdings wie ein Tropfen auf einen heissen Stein im Vergleich zum momentanen Defizit an Zimmern. So waren denn auch alle Zimmer nach der ersten Ausschreibung sofort weg.

Gute alte Schlummermutter

Auch «Schlummermütter», welche Studierenden in ihrer Wohnung ein Zimmer zur Verfügung stellen, können den Bedarf nicht decken. «Um auf den nationalen Durchschnitt an verfügbaren Zimmern für Studenten zu kommen, müssten in Basel per sofort 200 zusätzliche Zimmer zur Verfügung stehen», sagt Howald. Und selbst diese würden wohl kaum reichen. «2012 hatten wir 330 Zimmer – heute sind es 520. Trotz dieser beachtlichen Zunahme haben wir keine leeren Zimmer.» Das zeige, wie hoch der Bedarf an günstigem Wohnraum ist und wie wichtig es sei, in Basel Lösungen zu finden.

In Anbetracht der aktuellen Leerwohnungsziffer im Kanton Basel-Stadt keine einfache Aufgabe. Wie das Statistische Amt Mitte August mitteilte, gibt es im Kanton Basel-Stadt momentan 361 leere Wohnungen. Die Leerwohnungsziffer bleibt mit 0,3 Prozent tief, obwohl sie im Vergleich zum Vorjahr um 0,1 Prozent gestiegen ist. Auch im Kanton Basel-Landschaft sieht die Situation nur minim besser aus: 528 Wohnungen stehen dort leer, was einer Leerwohnungsquote von 0,4 Prozent entspricht.

Damit es mit der WG-Suche trotzdem klappt, rät Howald allen Studierenden, sich bereits frühzeitig um eine Bleibe zu kümmern. «Wer sich erst im August oder sogar September bei uns meldet, hat kaum eine Chance, rechtzeitig ein Zimmer zu bekommen.» Trotzdem soll sich jeder bei der WoVe melden: «Die Studierenden kommen auf eine Liste, und wenn sich etwas Neues ergibt, werden sie von uns benachrichtigt», sagt Howald. Die WoVe halte permanent Ausschau nach neuen Wohnungen und Häusern für Studierende. Meistens entspanne sich die Situation im November oder Dezember.

Mehrbett-Zimmer statt WG

Wer zu Semesterbeginn noch ohne Zimmer dasteht, dem empfiehlt Howald, nach Basel zu pendeln, ein Zimmer in einer Jugendherberge zu mieten oder bei Freunden auf dem Sofa zu schlafen. In der Jugendherberge Basel wohnen gemäss Betriebsleiter Tobias Wettstein jedes Jahr etwa fünf bis zehn Studierende: «Meistens bleiben sie einige Tage oder Wochen, bis sie ein Zimmer gefunden haben.» Für eine Nacht im Mehrbettzimmer müssen sie 42.80 Franken bezahlen. Im Preis inbegriffen sind das Frühstück und ein Mobility-Ticket. Nicht nur aus finanziellen Gründen werden Studierende wohl nicht länger als nötig in der Jugendherberge wohnen: «Eigentlich müssten sie nach drei Wochen ausziehen. Aber wir sind da tolerant», sagt Wettstein. Die Gäste seien meistens sehr angenehm. «Bei uns einziehen können sie aber natürlich nicht.»

Für Chaim Howald von der WoVe sind die Übergangslösungen äusserst unbefriedigend: «Nicht selten wirkt sich die Ungewissheit in Bezug auf die eigene Wohnsituation negativ auf das Studium aus.»