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In Basel fehlen vor allem kleine Wohnungen

Die Zahlen der Svit verraten unter anderem, wie oft in Basel gezügelt wird. (Symbolbild)

Die Zahlen der Svit verraten unter anderem, wie oft in Basel gezügelt wird. (Symbolbild)

Ein neuer Online-Index soll genauer Auskunft geben als die bisherige Leerwohnungsziffer. «In Basel sind offiziell nur 180 Wohnungen auf dem Markt. In Tat und Wahrheit sind allein auf Homegate rund 550 Wohnungen zu finden.»

Wer Informationen über den Wohnungsmarkt haben will, findet diese am ehesten auf Internetportalen wie Homegate. Der Schweizerische Immobilientreuhänderverband (Svit) hat jetzt mit der Hochschule für Wirtschaft ein Analyse-Tool entwickelt, welches die Situation auf dem Mietwohnungsmarkt sehr viel genauer wiedergibt als die bisherige offizielle Leerwohnungsziffer.

Svit-Geschäftsleitungsmitglied Andreas Dürr sagte an einer Präsentation, schon ein kurzer Blick auf die Internetportale für Wohnungen zeige, dass der Leerwohnungsstand zu tief sein müsse. «In Basel sind offiziell nur 180 Wohnungen auf dem Markt. In Tat und Wahrheit sind allein auf www.homegate.ch rund 550 Wohnungen zu finden», sagte Dürr. Die Situation auf dem Mietwohnungsmarkt stelle sich also viel weniger dramatisch dar, als es die offiziellen Zahlen glauben machten. Er wehrte sich überdies gegen den politischen Missbrauch der Leerstandsziffer.

Leicht sinkende Nachfrage

Da der neue Online-Wohnungsindex (OWI) bereits zum zweiten Mal erhoben worden ist, wagt Peter Ilg, Leiter des Swiss Real Estate Institute der Zürcher Hochschule für Wirtschaft, einen zeitlichen Vergleich: Die Nachfrage nach Mietwohnungen geht schweizweit leicht zurück. In der Stadt Basel wurden im vergangenen Winterhalbjahr 3841 Wohnungen online angeboten, in der Vorjahresperiode waren es 3454 Wohnungen. Zudem wird untersucht, wie lange es dauert, bis eine Wohnung vermietet wird.

Dazu kommt: Je schneller Wohnungen im Schnitt weg sind, desto grösser der Nachfragedruck. Erstaunlich, dass im geografischen Vergleich die Spitze nicht von Zürich, sondern von Lausanne mit 14 Tagen Insertionsdauer angeführt wird. Es folgen Bern und Basel mit 16 Tagen und danach Zürich und Luzern mit 18 Tagen. Am entspanntesten sucht man Wohnungen in Lugano und St. Gallen mit 35 Tagen Inserateaufschaltung.

Nach Wohnungstypen gegliedert

Ilg und sein Team haben den Markt auch nach Wohnungstypen untersucht. Überraschenderweise mussten sie feststellen, dass grosse Wohnungen weniger gefragt sind als kleine. Wohnungen von 120 bis über 150 Quadratmeter werden zwischen 25 und 35 Tagen beworben, Wohnungen von 60 bis 80 Quadratmetern liegen mit 15 Tagen knapp unter dem Häufigkeitsdurchschnitt (Median), kleinere bei 12 Tagen. Weniger überraschend ist die Erkenntnis, dass günstige Wohnungen rascher weg sind als teure. Wohnungen von 2500 bis 3500 Franken sind über 50 Tage lang im Netz, Tendenz zunehmend.

Kommerzielle Interessen

Diese Analysen seien für die ganze Liegenschaftsbranche von grossem Wert. Dank der Erkenntnisse können Immobilienfirmen, Pensionskassen und andere Investoren ihre Investitionsentscheide besser abstützen. Weiter sei errechnet bzw. geschätzt worden, dass 40 Prozent der Wohnungen gar nie ausgeschrieben, sondern unter der Hand vermietet werden.

78 Prozent der Wohnungen im Angebot seien «normale» Etagenwohnungen, 11 Prozent machen Maisonette-, Attika- und Dachwohnungen aus, ebenfalls 11 Prozent möblierte Studios, nur gerade 1 Prozent seien «Lofts».

In der ganzen Schweiz wurden 123'000 Mietwohnungen auf dem Internet angeboten. Die durchschnittliche Insertionsdauer sei vom Sommerhalbjahr 2014 zum folgenden Winterhalbjahr von 24 auf 27 Tage angestiegen. An der Präsentation wurde erwähnt, dass den zuständigen Behörden bewusst sei, dass die offizielle Leerstandsziffer erhebungstechnisch mangelhaft ist. Insbesondere, so sagte Ilg, würden die Daten je nach Gemeinde unterschiedlich erhoben. Allerdings räumte er ein, dass die Daten über die Zeit eine gewisse Aussagekraft erhielten, weil sie zwar falsch, aber immer gleich erhoben würden.

Die Tiefzinsphase und der Druck der Pensionskassen, Renditen zu erzielen, haben in der Vergangenheit den Wohnungsbau angekurbelt. Bremsend wirken aktuell aber die verschärften Eigenmittelvorschriften für Hypothekarschuldner.

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