In der ganzen Schweiz werden an Silvester die Korken knallen und der Champagner fliessen. Und in der ganzen Schweiz können Autofahrer, die danach nicht mehr fahrtüchtig sind, die Gratisnummer 0800 802 208 wählen und sich von den Helfern von Nez Rouge im eigenen Auto heimchauffieren lassen. Wobei, ein paar weisse Flecken gibt es auf der Landkarte der Roten Nasen: Es sind abgelegene Gegenden wie das Oberwallis, das Engadin – oder die Region Basel.

Tatsächlich fehlt für Basel-Stadt, Baselland, dem Schwarzbubenland und Teilen des Fricktals eine Sektion der ehrenamtlichen Präventionsaktion. Dabei ist Nez Rouge eine Erfolgsgeschichte. 1990 gegründet, sorgten bis heute fast 150'000 Freiwillige dafür, dass über 400'000 Personen im Dezember sicher nach Hause kamen. Stand Donnerstag sind es 2017 bereits wieder 23'000 begleitete Personen.

Warum also gibt es just im Raum Basel kein solches Angebot? «Es ist ein Mysterium», sagt Christel Sommer von Nez Rouge Schweiz. Immer wieder würden sich Leute melden, die Fahrdienste übernehmen wollen. Doch die Organisation aufbauen möchte niemand. 1998 war das letzte Jahr, in dem Nez Rouge auch in Basel aktiv war. Damals organisiert vom Notfunkcorps (NFC) beider Basel. Aus Kapazitätsgründen stellte es aber just zum Millennium den Service ein. Eine Reaktivierung ist nicht möglich: Das NFC wurde 2012 aufgelöst.

Nez Rouge Schweiz ist nicht untätig: «Wir haben in den letzten Jahren in Basel sechs Infoabende durchgeführt, zuletzt 2016. Es kamen jeweils eine Handvoll Interessierte, doch am Ende sagten alle ab», sagt Sommer. Sie verschweigt nicht, dass der Aufbau einer Sektion Aufwand bedeute. Mindestens drei Personen brauche es, um einen Verein zu gründen, dann jeweils eine GV und mehrere Vorstandssitzungen im Jahr. Sommer: «Nez Rouge muss gelebt werden – der Dachverband kann nur unterstützen.»

Blaues Kreuz prüft Übernahme

Unterstützen würde auch die Sektion Aargau. Sie ist schweizweit die grösste. «Wir helfen gerne mit Tipps oder Informatik», sagt Präsident Heinz Fehlmann. Selbst könne man nur bis Rheinfelden Einsätze fahren. Von der Zentrale in Lenzburg seien die Wege sonst zu weit. «Wir prüften schon einmal, ob wir selbst in Basel etwas aufbauen wollen, liessen es aber sein.» Fehlmann glaubt, dass der gut ausgebaute Nacht-öV und die geringen Distanzen hauptverantwortlich seien, dass Nez Rouge in der Region Basel weniger benötigt werde als anderswo.

Vielleicht klappt es aber doch, es wiederzubeleben, wenn auch noch nicht für diesen Silvester: Beim Blauen Kreuz beider Basel bedauert man die Situation. Von der «Schweiz am Wochenende» darauf angesprochen, sagt Stiftungsrats-Mitglied Marc Joset: «Ich werde an der nächsten Stiftungsratssitzung zur Diskussion stellen, ob wir so einen Fahrservice übernehmen könnten. Er passt schliesslich gut zu unseren Alkohol-Präventionsbemühungen.» Auch das Blaue Kreuz müsste dafür neue Freiwillige finden, doch Joset ist überzeugt, dass dies dank des bestehenden Netzwerkes möglich wäre.