Die diesjährige Grillsaison ist die letzte, in der man einfach den Gashahn aufdreht und das Steak auf den Rost legt. Ab dem 1. Januar 2015 soll nach dem Willen der Basler Regierung das «Grillkonzept urbaner Raum» greifen. Dieses verbietet einerseits die oft diskutierten «Einweg-Grills» und bringt andererseits die neue Regelung für «unter freiem Himmel betriebene Kleinfeuerungen», wie der Passus im Luftreinhaltegesetz offiziell heissen soll.

Gemäss einem hohen Kadermitarbeiter des Bau- und Verkehrsdepartements hat die Basler Regierung vor, in Zukunft die Eidgenössische Luftreinhalteverordnung (LRV) strenger auszulegen als bis anhin. Das neue Gesetz besagt, dass ein Grill, egal ob mit Kohle oder Gas betrieben, eine Feuerung im Sinne der Verordnung ist. Und damit an die Normen und die Emissionsgrenzwerte der LRV gebunden. Auf Basel-Stadt kommen damit neue Herausforderungen zu. Denn in der LRV heisst es im Artikel 13: «Feuerungen werden alle zwei Jahre kontrolliert und dabei die Emissionen gemessen.»

Wie diese Kontrollen vor sich gehen sollen, dazu will man sich weder beim Amt für Umwelt und Energie noch beim Bau - und Verkehrsdepartement äussern. «Möglicherweise müssen hier knapp ein Dutzend Stellen geschaffen werden», so der Insider, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will.

Biogas statt Propan

Erreichbar seien die gesetzlichen Vorgaben nur mit Biogas anstatt des heute gebräuchlichen Propans oder Butans. Das Grillen mit Holz oder Kohle wird gänzlich der Vergangenheit angehören. Grillanlagen mit Propan und Butan werden mit Inkrafttreten des Gesetzes ebenfalls verboten und können – genau wie Kohlegrills – im Zeughaus kostenlos abgegeben werden.

Das benötigte Biogas wird unter anderem in der Biogasanlage Pratteln aus organischen Abfallstoffen aller Art gewonnen. Unter dem Namen «Bebbigas» soll es in handelsüblichen Flaschen für die Grills zum Einsatz kommen. Produziert werden könnte das Bebbi-Gas aber von der Stadtgärtnerei. Ein entsprechendes System zur Gewinnung von Grill-Biogas gibt es bereits im schwedischen Göteborg. So sei auch das Basler BVD auf die Idee gekommen. Doch es ist fraglich, ob die Basler Stadtgärtnerei auf die erforderlichen Mengen kommt, da die Biogas-Produktion sich gemäss der Branchenvereinigung Swissbiogas erst ab 100 Kubikmetern pro Tag lohnt. Bei den Investitionen könnte sich der Bund beteiligen.

Doch eine Beteiligung des Bundes an den Kontrollen ist mehr als zweifelhaft, auch wenn man beim zuständigen Eidgenössischen Departement für Umwelt, Energie, Verkehr nicht Stellung nehmen wollte.

Eine Million pro Jahr

Sicher muss der Kanton Basel-Stadt sein neues Grillgas massiv subventionieren. Marktbeobachter schätzen, dass eine Flasche Erdgas rund viermal teurer wäre wie die herkömmlichen Propanflaschen. Die bz-Quelle im Baudepartement weiss: «Nur durch Subventionen ist es möglich, das Gas zu ähnlichen Preisen wie bisher anzubieten, aber wir sind der Ansicht, dass diese Mehrausgaben von rund einer Million Franken im Jahr angesichts der guten Finanzlage des Kantons verkraftbar sind.»

Entscheiden dürfte die Basler Regierung an ihrer heutigen Sitzung, erklärt der Informant: «Danach geht das Geschäft an den Grossen Rat. Die Regierung beantragt einen Planungskredit von 1,4 Millionen Franken. Für die Umsetzung, also die Anlage und die Kontrollabläufe, dürfte locker das Zehnfache fällig werden.» Im Planungskredit inbegriffen ist die Umrüstung der öffentlichen Grills am Rhein, die ab diesem Herbst im Probebetrieb mit Biogas betrieben werden sollen. Dabei könnten einige Geruchsimmissionen für die Anwohner entstehen, so die bz-Quelle.