«Satire kann man nicht töten», stand gestern auf dem «Charlie-Hebdo»-Wagen am Rosenmontagsumzug in Düsseldorf. Und auch in Köln trauten sich die Karnevalisten an das Thema heran. Hunderttausende «Jecken» schunkelten an den Wegrändern und bejubelten die Wagen mit dem heikelsten Thema der diesjährigen Karnevals, Faschings und Fas(t)nachten. An der grössten Schweizer Fasnacht in Basel wird die Provokation aber kaum zum Tragen kommen – und wenn, dann wohl eher zahm.

Das Fasnachts-Comité empfahl den Fasnächtlern bereits vor zwei Wochen, die Finger von Mohammed-Abbildungen zu lassen. Bei einer «Empfehlung» bleibt es auch nach der Terrorwarnung im Norddeutschen Braunschweig vom vergangenen Wochenende. Das Comité sieht sich weiterhin nicht als Zensur-Behörde: «Wir haben bereits mehrfach Stellung bezogen und diesen Ausführungen nichts mehr beizufügen», sagt Comité-Obmann Christoph Bürgin.

Comité spürt keine Unsicherheit

Wegen einer «konkreten Gefährdung durch einen Anschlag mit islamistischem Hintergrund» sagten die Behörden in Braunschweig den Karnevalsumzug kurzfristig ab. Der «Schoduvel»-Umzug zieht jeweils eine Viertelmillion Besucher an und ist nach Köln, Düsseldorf und Mainz der grösste Umzug Deutschlands. Ob ein «Charlie-Hebdo»-Wagen mitgefahren wäre, ist ungewiss – es war im Vorfeld kein Thema. Die Satire-Wagen in Köln und Düsseldorf hingegen machten lange vor den gestrigen Umzügen Schlagzeilen: Im Januar hatten die Kölner Veranstalter einen Wagen zum Anschlag in Paris gestoppt, gestern liessen sie ihn trotzdem mitfahren. Der Rosenmontag verlief friedlich.

Die Terrorwarnung in Norddeutschland löste in Basel offenbar keine Ängste aus: Er spüre «keinerlei Unsicherheiten», sagt Christoph Bürgin. Nach den Ereignissen in Braunschweig hätten sich beim Comité keine besorgten Fasnächtler gemeldet. Ähnliches weiss Roger Borgeaud, Obmann der Wage-IG, zu berichten: «Bei uns hat niemand Angst.» Mehr Emotionen kommen bei der Vorstellung auf, der Cortège könnte abgesagt werden. «Das wäre eine absolute Katastrophe». Doch die Gefahr, eine Fasnacht ohne Cortège erleben zu müssen, scheint zum jetzigen Zeitpunkt winzig zu sein: «Zur Zeit liegen der Kantonspolizei keine Erkenntnisse vor, die einen Einfluss auf den Ablauf der Basler Fasnacht haben könnten», sagt Polizeisprecher Martin Schütz. Und fügt die üblichen Sätze an: Wie immer beurteile die Polizei die Lage fortlaufend und beobachte die Entwicklungen. Sie stehe vor und während der Fasnacht im Kontakt mit dem Fasnachts-Comité. Sollten konkrete Massnahmen ergriffen werden, so würden diese «wie üblich» nicht kommentiert.

Mit anderen Worten: Gut möglich, dass mehr Sicherheitskräfte im Einsatz stehen werden, wenn am Montag die «drey scheenschte Dääg» beginnen; gut möglich auch, dass man sich auf den Standpunkt stellt: «Basel ist nicht Braunschweig – wir machen es wie immer.» Der Comité-Obmann seinerseits kündigt an: «Wir machen ganz normal Fasnacht.» Mit einem Unterschied: Wie die BaZ berichtet, brauchen Wagen, die vor der Fasnacht in die Innenstadt fahren wollen, neu eine Bewilligung. Die Polizei verspricht jedoch «Augenmass».