Es geht hoch zu und her auf der Rosentalanlage. Zig Arbeiter in orangen Trikots flitzen über den Platz - eilig, zielstrebig, ohne viel Gerede. Jeder weiss, was er zu tun hat, damit das Zirkuszelt in sechs Stunden komplett steht. Der Lärmpegel ist immens. Bohrgeräusche dröhnen, Lastwagen kurven vor- und rückwärts mit blinkenden Warnlichtern um die Bäume, Gabelstapler fahren Eisenstangen auf den Platz.

Erst wenige Stunden zuvor - am Mittwochabend - haben die Arbeiter das Zelt und die Gehege für die Tiere nach der letzten Vorstellung in Wettingen (AG) abgebaut, gestern Morgen ab 6 Uhr wurde das Zeltdach wieder hochgezogen.


Die vier hohen Maste stehen bereits seit Dienstag auf der Rosentalanlage. Aus Logistikgründen passiert das immer ein bis zwei Tage vor dem restlichen Aufbau, erklärt Zeltmeister Roger Mühlematter.

Sechs Mitarbeiter verteilen in der Mitte der Fläche Erde. Das ist die Grundlage für die Manege. Danach wird das Sägemehl darüber gerecht. Insgesamt stehen 80 Arbeiter im Einsatz.


Platzverhältnisse sind sehr gering

Mühlematter, der seit 17 Jahren als Zeltmeister beim Zirkus Knie tätig ist, hat alle Hände voll zu tun. Basel sei eine Herausforderung für ihn und sein Team: «Die Platzverhältnisse sind sehr eng. Vor allem für die Chauffeure, die auf den knapp 3000 Quadratmetern um die Bäume kurven und das Material sorgfältig abladen müssen», sagt er.Seine Leute seien aber eingespielt: «Sie haben das im Griff.»

Kein Wunder: Manche Arbeiter bauen das Zirkuszelt bereits seit über zehn Jahren auf und ab. Im 2013 besucht der Knie immerhin 43 Schweizer Städte.


Dem Aufbaulärm Konkurrenz machen dann plötzlich ganz andere Klänge. Irgendwo unter den Bäumen geht plötzlich ein nicht enden wollendes Gekreische los. Sieben farbenprächtige Aras klettern aufgeregt am Gitter ihrer Voliere rauf und runter. Der Rot-gelbe hält sich gar am Dach mit dem Schnabel fest und zeigt Pirouetten. Der Künstler Alessio Fochesato aus Italien wird in der Vorstellung eine Nummer mit den Tieren präsentieren, zusammen mit seinen Sonnensittichen. Ob die Papageien sprechen können?


Elefanten lassen sich nicht beirren

Während die Vögel ein grosses Theater veranstalten, trotten die drei asiatischen Elefanten vergleichsweise geräuschlos in ihr Zelt. Delhi (1968), Ceylon (1971) und MaPalaj (1986) lassen sich von den Arbeitern, die mit Leitern vor ihnen durch eilen, nicht aus der Ruhe bringen. Gemütlich tasten sie mit ihren Rüsseln den Boden ab, geniessen ein paar Sägespäne, beobachten ihre Besucher.

Gerade versammelt sich eine Primarschulklasse vor ihnen. Die Kinder staunen nicht schlecht, als einer aus dem Trio während des Essens einen grossen Haufen macht. Dann fährt der Lastwagen vor, der die Podeste, auf denen die Elefanten im Programm ihr Können demonstrieren, mitbringt. Mit dabei ist die Futterkugel, aus der die Tiere liebend gern Heu, Laub und Rüebli klauben.

Plötzlich geht es beim Zelt ganz schnell. Die Arbeiter knüpfen in Windeseile mit dicken Seilen die acht Plastikblachen aneinander. An den vier Masten werden die Seile mit Karabiner festgemacht. Dann zieht ein Antrieb die Blachen gleichmässig in die Höhe. «Ein heikler Moment», sagt Zeltmeister Mühlematter. «Die Seile müssen sauber laufen.»


Knie kommt gerne nach Basel


Kaum steht das Zelt, werden Lautsprecher hochgezogen und die Bühne für das Zirkusorchester aufgebaut. Zirkusdirektor Franco Knie ist zufrieden. Er komme jedes Jahr gerne nach Basel. «Basel und Luzern sind vor allem für unsere Komiker die besten Destinationen.» Möglicherweise habe es mit der Fasnacht zu tun. «Das Publikum reagiert sehr spontan.»


Zu guter Letzt kommen die Pferde von Fredy Knie auf der Rosentalanlage an. Fredy erklärt, seine Tiere werden jeden Tag beschäftigt und erhalten auf der Weide Auslauf. In Basel dürfen sie sich beim Bäumlihof austoben. «Meine Pferde sind frei, sie werden nie angebunden. Langeweile kennen sie nicht.» Dies sagt er in Bezug auf Proteste, die jedes Jahr wegen Tieren im Zolli abgehalten werden.