In keinem anderen Kanton finden mehr Tierversuche an Affen statt als in Basel-Stadt: Im vergangenen Jahr mussten 137 dieser Tiere herhalten. Das sind 70 Prozent aller Versuche an Primaten – schweizweit. Wer das statistische Rad der Zeit zurückdreht, stellt fest: Basel-Stadt hat in den vergangenen zwanzig Jahren stets diese Spitzenposition besetzt.

Geht es nach der Organisation «Sentience Politics» sollen Versuche an Primaten künftig verboten werden. Das ist eine Oberkategorie der Affen. Zu ihnen zählen Lemuren und Makis, aber auch Gorillas, Orang-Utans – und der Mensch. Im vergangenen Sommer hat «Sentience Politics» eine Initiative lanciert, die «Grundrechte für Primaten» fordert. Die Initianten wollen, dass das Recht auf Leben sowie die körperliche und geistige Unversehrtheit von Primaten in der Kantonsverfassung festgeschrieben wird.

Wie der «Blick» am Montag berichtet hat, sind die 3000 notwendigen Unterschriften zusammengekommen. Auf Anfrage sagt Meret Schneider, Geschäftsleiterin von «Sentience Politics», dass sie die Initiative Mitte September in der Basler Staatskanzlei einreichen. Die benötigte Zahl an Unterschriften liege bereits seit vergangenem November bereit.

Die spätere Eingabe begründet Schneider mit dem «Timing». Die Organisation hat verschiedene kantonale Initiativen zur Förderung von vegetarischer und veganer Ernährung lanciert. Aktuell bereitet sie eine nationale Initiative vor, um die Massentierhaltung abzuschaffen.

Heisser Abstimmungskampf

Das aktuelle Vorhaben verspricht einen spannenden Abstimmungskampf. Die Initianten haben sich Basel-Stadt nicht nur aufgrund der hohen Fallzahlen vorgeknöpft. Sie rechnen sich dank der tendenziell progressiven Bevölkerung auch ernsthafte Chancen aus. Ihnen gegenüber stehen aber gewichtige Gegner: Nähmen die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger das Anliegen zum Schutz der Primaten an, dürfte dies vor allem für die Pharmariesen Novartis und Roche Konsequenzen haben. Und für den Basler Zolli.

Zuckersüss: Im Februar hat Schimpansin Fifi im Zoo Basel den Jungen Ozouri zur Welt gebracht.

Zwar dürfte der Zolli gemäss Meret Schneider vom Initiativkomitee auch nach einem Ja zur Vorlage Affen halten: «Es bräuchte aber viel grössere Gehege, damit sie tatsächlich Rückzugsmöglichkeiten haben.» Auf den beschränkten Platz angesprochen, antwortet Schneider: «Wie dies der Zolli handhabt, schreiben wir nicht vor. Eine Möglichkeit wäre, dass nur noch eine Primatenart gehalten wird.»

Mächtige Gegner

Weitaus potentere Gegner stellen Novartis und Roche dar. Die Forderung der Initiative an die grössten Konzerne des Kantons: «Keine invasiven Tierversuche an Primaten mehr», sagt Schneider. Sie verlangt von der Pharma alternative Testmethoden. «Gorillas oder Orang-Utans sind einem Kleinkind oder einem schwerbehinderten Menschen kognitiv überlegen. Sie erinnern sich, empfinden auf komplexe Art Schmerzen und können Traumata erleben.»

Konkret zur Vorlage äussern wollten sich die betroffenen Institutionen noch nicht. Vielmehr unterstreichen die Angefragten ihr bisheriges Engagement auf diesem heiklen Gebiet: «Roche nimmt die öffentlichen Bedenken zu Tierversuchen in der medizinischen Forschung sehr ernst», schreibt Sprecherin Simone Oeschger. Und der Zolli sagt: «Die Tierschutzgesetzgebung der Schweiz ist eine der strengsten der Welt und bietet den Tieren, die wir halten, genügend Schutz.»

Zoo Basel: Die ersten Stunden nach der Gorilla-Geburt

Erstmals seit zehn Jahren ist am Dienstag, 19. Mai 2015, im Basler Zoo ein Gorilla-Baby zur Welt gekommen.

Für Novartis kam die gestrige Anfrage der bz zu kurzfristig für eine Stellungnahme.
Über die Grundrechte für Primaten befinden die Baslerinnen und Basler voraussichtlich 2019. Mit einer ersten Podiumsdiskussion will das Initiativ-Komitee jedoch bereits in diesem September den Wahlkampf eröffnen.