Basel und EWR
In Basel macht man «trinational» einfach so

Für die Bewohnerinnen und Bewohner der Region Basel gehört das Überschreiten von Landesgrenzen zum Alltag, nicht nur beim Einkaufen. Ein persönlicher Blick auf das Dreiland ohne Grenzen.

Moritz Kaufmann
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Das Überschreiten der Grenze gehört in Basel zum Alltag.

Das Überschreiten der Grenze gehört in Basel zum Alltag.

Keystone

Als meine Mitbewohnerin aus der gemeinsamen WG auszog, war klar: Wir machen ein Fest. Ebenso klar war: Das Bier, den Wein und all die anderen Lebensmittel, die wir – zugegebenermassen in grösseren Mengen – benötigten, kaufen wir in Deutschland ein. Nicht, weil uns die geplagten Detailhändler, die mit dem tiefen Euro, den hohen Löhnen, den nicht vorhanden Parkplätzen und all den anderen Nachteilen der urbanen Hochlohn-Region Basel zu kämpfen haben, egal waren. Sondern schlicht, weil wir – eine Studentin und ein Berufseinsteiger – zahlreiche Gäste zu versorgen hatten und uns das ennet der Grenze billiger kam. Und auch, weil man das in Basel einfach so macht.

Auf den Parkplätzen in Weil stehen die Familienväter vor ihren Kombis mit den BS- und BL-Nummernschildern und verstauen Grossrationen Windeln im Kofferraum. Das ist für die Bewohnerinnen und Bewohner der Region Basel genauso normal wie der Umstand, dass auch an den Kassen der hiesigen Supermärkte viele Verkäufer von drüben kommen: Die Elsässer erkennt man am Schweizerisch gefärbten Französisch-Hochdeutsch und die Südbadener an ihrem Ottmar-Hitzfeld-Dialekt.

Hitzfeld, Oeri und Konsorten

Apropos Ottmar Hitzfeld: Der Lörracher kam bereits als Bub an die Spiele des FC Basel, für den er später als Profi spielte. Geht man heute ins Stadion, hört man rundherum, dass sich auch Fussballfans aus Frankreich und Deutschland mit Rotblau identifizieren können. Basel als Hauptstadt der trinationalen Region stellt eben auch den Grossklub der trinationalen Region. Gigi Oeri, nach wie vor die Grande Dame des FCB, ist übrigens in Schopfheim geboren.

Aber zurück in unsere WG: Dass das Vitra-Design-Museum nicht in der Schweiz, sondern in Deutschland liegt, musste ich meinem neuen Mitbewohner erst erklären. Er – ein Romand – fährt dafür regelmässig rüber nach St. Louis, wenn er wieder Mal Französisch reden will. Ich wiederum übe mein Französisch vor allem bei meinem elsässischen Coiffeur, der mich dann aber in perfektem Baseldytsch bittet, meinen Wunsch doch bitte auf Deutsch auszudrücken – meiner Frisur zuliebe.

Beispiele aus dem alltäglichen Leben aufzählen könnte man noch viele, ohne dass man sich der offensichtlichen Dreiländersymbole wie des Euro-Airports oder des Badischen Bahnhofs bedienen muss. In Basel – so hat man das Gefühl – merkt man kaum noch, wer jetzt wo genau hinter welcher Grenze zu Hause ist. Überhaupt: Wie oft man mal schnell über die Grenze fährt, merkt man oft erst am Monatsende, wenn einem die Telefongesellschaften wieder horrende Ausland-Roaming-Gebühren in Rechnung stellen.

Völlig normal ist auch, dass alle irgendwie, irgendwo voneinander profitieren. Die Löhne sind hier besser, die Preise dafür dort und das Essen drüben. Erst seit der Euro schwächelt, reden einem auch die hiesigen Politiker ein schlechtes Gewissen ein, wenn man für die WG-Party das Bier in Deutschland einkauft. Nur: Davon abschrecken lässt sich kaum jemand. Überzeugen Sie sich am nächsten Samstag auf den Parkplätzen in Weil doch selbst.