Oberflächlich sind sich Basel, Bern und Zürich verkehrstechnisch gesehen recht ähnlich. In den kleineren Schweizer Städten Luzern, St. Gallen, und Winterthur wird dagegen deutlich mehr Auto gefahren als in den Deutschschweizer Grossstädten, wo dafür der stärker öV genutzt wird. Dies geht aus der gestern veröffentlichten Publikation «Städtevergleich Mobilität» hervor, die die sechs Städte zusammen vorlegen.

Aber die Studie zeigt auch einige deutliche Unterschiede: Die Basler fahren viel mehr Velo als ihre Landsleute in den anderen Städten. An diesem sogenannten Modal Split, also dem Verhältnis der Verkehrsmittel zueinander hat das Basler Bau-, Umwelt- und Verkehrsdepartement seine helle Freude.

Erfolg der Verkehrspolitik

Der Leiter Mobilitätsstrategie im BVD, Dominik Kettner, sagt denn auch: «Positiv ist sicher, dass wir einen sehr tiefen Anteil motorisierten Individualverkehr und einen sehr hohen Veloanteil haben. Schön sind auch die tiefen Tagesdistanzen, die zurückgelegt werden.» Der Auto- und Motorradverkehr macht in der Tat einen sehr kleinen Anteil an der gesamten Verkehrsleistung aus. Nicht einmal jeder fünfte Kilometer wird in Basel per Auto, Töff oder Roller zurückgelegt.

Die Stadt der Velos

Dafür ist der Velo-Anteil im Vergleich zu den anderen Städten der Deutschschweiz enorm hoch. Und auch hier sieht Kettner einen Effekt der Politik in Basel-Stadt: «Das Angebot an Veloinfrastruktur in Basel ist auf deutlich höherem Niveau als in Bern und Zürich. Das ist der Erfolg von 30 Jahren Veloförderung.» Dazu komme eine velofahrer-freundliche Topographie, sprich in Basel muss man nicht so viele Hügel hinaufstrampeln wie an anderen Orten. Trotzdem bleibt der Fakt, dass in Zürich und Bern ähnlich viele Leute den öV nutzen wie in Basel und der Fussgänger-Anteil in allen drei Städten nahezu gleich hoch ist. Aber beim Velo-Anteil liegt Basel mit 16 Prozent weit höher als Bern mit 11 und Zürich mit nur 6 Prozent. Kettner meint dazu: «Die Studie ist eine klare Bestätigung dafür, dass wir Vieles richtig machen.»

Einfluss auf aktuelle Themen

Ein auch für die Experten im BVD erstaunliches Ergebnis der Studie ist die hohe Anzahl Parkplätze auf öffentlichem Grund in Basel. Kettner meint dazu: «Bezogen auf die Einwohnerzahl haben wir eher weniger Parkplätze. Aber andererseits sind viele davon auf öffentlichem Grund.» Eine Erklärung dafür habe er noch nicht, er werde die Lage aber prüfen. Unter dem Strich bleibe eine Schlussfolgerung: «Das ist auf alle Fälle ein Argument für die Parkraumbewirtschaftung.»

Noch ein brandaktuelles Thema dürfte im Lichte der Studie betrachtet werden: die Sperrung der Mittleren Brücke für den Autoverkehr. Kettner liest aus der Studie: «Wir sind weit bei der Verkehrsberuhigung, müssen aber in Sachen Fussgängerzonen noch aufholen.»Und eine Verbindung der autofreien Zonen im Gross- und Kleinbasel wäre ein Schritt auf dieser Aufholjagd. Die Befürworter könnten angesichts des geringen Anteils des motorisierten Individualverkehrs sogar argumentieren, dass die 18 Prozent der Verkehrsteilnehmer, die Auto fahren, sowieso vernachlässigt werden könnten.