Der Basler Jugendtreff Anyway lanciert im Februar eine Kampagne. In den Trams der Region sollen Plakate aufgehängt werden, auf denen Jugendliche zu sehen sind, die sich küssen und umarmen. Doch «Anyway» ist kein herkömmlicher Jugendtreff. Er richtet sich an anderssexuelle junge Menschen bis 25 Jahre - Lesben, Schwule, Bisexuelle, Asexuelle und Transgenders - und bietet ihnen Unterstützung rund ums Thema Coming Out.

Die Basler Verkehrs-Betriebe (BVB) haben der Kampagne ihre Zustimmung gegeben. Nicht so die Basellandschaftliche Transporte AG (BLT). Für die BLT sind einige der Plakate zu anstössig. «Die BLT hat Richtlinien, an die sie sich hält», sagt Direktor Andreas Büttiker gegenüber «20 Minuten». Werbung, die von den Fahrgästen möglicherweise als störend angesehen werden könnte, sei in den Trams untersagt. Nach reiflicher Überlegung habe sich die BLT entschieden, die Plakate, auf denen sich gleichgeschlechtliche Paare küssen, nicht aufzuhängen - die Sujets ohne Kuss seien aber erlaubt.

Bastian Baumann von der Schweizerischen Schwulenorganisation Pink Cross ist empört. Gegenüber «20 Minuten» sagt er: «Die Ablehnung mit der Begründung, dass ein sich küssendes gleichgeschlechtliches Paar in der Gesellschaft womöglich als anstössig empfunden werden könnte, ist für mich schlichtweg homophob und zensurierend.» Die Organisation ruft kurzerhand zu einem «Kiss-In» auf. Am 4. Februar wollen sie mit möglichst vielen Unterstützern in einem BLT-Tram friedlich und mit Küssen gegen Homophobie und Intoleranz protestieren.

Der Jugendtreff selbst stört sich nicht so sehr am Entscheid der BLT. «Die Reaktion der BLT bestätigt, wie wichtig unsere Tramplakat-Aktion und das Thematisieren der Anderssexualität ist», sagt «Anyway»-Leiterin Alexandra Barth zu «20 Minuten».

Klarstellung der BLT

«Anyway» hat bereits im Herbst 2012 mit einer ähnlichen Plakatkampagne auf sich aufmerksam gemacht. Die Reaktionen damals waren äusserst positiv. «Über zweieinhalb Jahre hinweg sind immer wieder Jugendliche zu uns gekommen, die durch die Plakate aufmerksam geworden sind», sagt Barth. Die 2012-Kampagne war zurückhaltender. Auf den Plakaten wurden keine sich küssenden Paare gezeigt.

Die Plakatkampagne des Jugendtreffs Anyway von 2012.

Die Plakatkampagne des Jugendtreffs Anyway von 2012.

Im November letzten Jahres wurde der Jugendtreff für sein Engagement mit dem Chancengleichheitspreis beider Basel ausgezeichnet. «Es ist ein tolles Zeichen, dass wir von offizieller Seite so viel Unterstützung erhalten. Es zeigt, dass wir gesehen werden», sagt Barth anlässlich der Verleihung zur bz. Dank dem Preisgeld kam die diesjährige Kampagne zustande. (zam)