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In Biel beliebt, in Basel argwöhnisch erwartet – «Enuu» wird’s schwer haben

Ei des Kolumbus in Sachen Mobilität oder faules Ei Die Reaktionen auf Enuu fallen durchzogen aus.

Ei des Kolumbus in Sachen Mobilität oder faules Ei Die Reaktionen auf Enuu fallen durchzogen aus.

Das Parkplatzproblem in Basel ist das beliebteste Reizwort für Parlamentarier. Den Miet-Fahrzeugen des Bieler Tech-Startups «Enuu» könnte diese Debatte zum Problem werden.

Ein Gespenst geht um im politischen Basel. Alleine sein Name kann Projekte dahinraffen, Ideen einfrieren und Konzepte schnell Staub ansetzen lassen: Parkplätze, das beliebteste Reizwort für Parlamentarier links und rechts vom Rednerpult im Grossratssaal. Die Debatte darum könnte auch den «Enuus» die Luft rauslassen: Die bz berichtete darüber, wie das Bieler Jungunternehmen den Basler Mobilitätsmarkt aufmischen könnte.

Die Enuu-Wägelchen erinnern optisch an eine Mischung aus thailändischem Tuktuk und herkömmlichen Elektro-Rollstuhl. Verkehrsgesetzlich sind sie eher Letzteres, wie Nicole Ryf vom Basler Verkehrsdepartement schreibt. Ergo gälten «weitestgehend dieselben Regeln wie für E-Bikes». Das bedeutet: Abstellen darf man die Dinger in dafür vorgesehenen Parkfeldern.

Weil aber in Basel der (Park-) Platz knapp ist, dürfte der Empfang für den jüngsten Spross der Sharing-Economy-Familie nicht eben warm ausfallen. Darauf lassen zumindest die Reaktionen der Verkehrspolitiker schliessen. Velo-Grossrat Jörg Vitelli (SP) findet diesen «Auswuchs» nicht eben eine sinnvolle Ergänzung zu Fahrrad, Auto, öV und den aufkeimenden Miet-Trottinetts. «Das verschärft die Parkplatzsituation, deshalb müsste man den Enuus einen Riegel vorschieben», sagt er.

Sekundiert wird Vitelli von André Auderset, und mit ihm ist er in Verkehrsfragen selten einig. Er kündigt auf Anfrage an, einen Vorstoss zu den Enuus einzureichen. Die Abstellflächen seien ja im kleinräumigen Basel wirklich beschränkt. «Wenn da noch so Pseudo-Rollstühle dazukommen, dürfte es das Mass endgültig sprengen», schreibt er.

Allen Unkenrufen zum Trotz: Vielleicht lohnt sich ein Blick nach Biel. Dort steht eine kleine Flotte der Elektro-Wägelchen bereits seit vergangenem Herbst im Einsatz. Das «Bieler Tagblatt» fällte unlängst ein Zwischenurteil. Enuu holt sich gute Noten ab: 100 Fahrten nehmen die 13 Fahrzeuge täglich unter die Räder, insgesamt zählt das System über 800 Nutzer. Entsprechend glücklich ist Enuu-Mitgründer Luca Placi: «Wir sind mehr als zufrieden.» Viele Menschen hätten sein Angebot in ihren Alltag integriert, Anlass zur Freude gebe auch eine Kunden-Umfrage.

Schrammen und Rennen

Auch die Stadt Biel streicht vor allem die Vorteile der neuen Fahrzeuge heraus. «Wir ziehen nach den drei Monaten eine positive Bilanz», teilt die zuständige Gemeinderätin dem Lokalblatt mit. Reklamationen aus der Bevölkerung seien keine eingegangen, nur in Einzelfällen haben Nutzer die Enuus falsch abgestellt. Einige wenige Hindernisse haben sich den Mini-Autos dennoch in den Weg gestellt.

Als Gymnasiasten die Enuus für Rennen nutzten, beschränkten die Jungunternehmer den Zugang und verlangten ein Töffli-Permis, um auf die Höchstgeschwindigkeit von 30 Stundenkilometern beschleunigen zu können. Da und dort fehlte auch bald einmal ein Rückspiegel und unvorsichtige Fahrer setzten den Gefährten ein paar Schrammen zu.

«Vielleicht müsste man das Angebot einfach ausprobieren», sagt Patrick Erny vom Basler Gewerbeverband. Er glaubt, die Verwaltung könne den Bedarf für Enuus richtig einschätzen: «Grundsätzlich ist es richtig, dass Basel an seiner liberalen Haltung festhält.»

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