Kaum ist der erste Schock verdaut, folgt der nächste. Nachdem Läckerli-Huus-Besitzerin Miriam Blocher 2009 das Wort «Baselbieter» aus den «Baselbieter Rahmtäfeli» verbannt und das halbe Baselbiet aufgeschreckt hat, deckte die Sendung «Kassensturz» jetzt auf: In den Täfeli ist kein Tropfen Rahm drin!

Das ist so, als ob Wasserglacé kein Wasser oder ein Cheeseburger kein Käse enthielte. Ein Etikettenschwindel erster Güte. Das jedenfalls findet das SRF-Publikum, wenn es sagt: Für uns sind die falschen Täfeli «Etikettenschwindel des Jahres». Von knapp 6500 Abstimmenden entscheiden 62 Prozent so.

Exakt ein Prozent Rahmpulver

Und das, obwohl die Konkurrenz mithalten konnte: Die Migros verkauft ein Marroni-Joghurt mit dem wohlklingenden Namen «Passion», das null Prozent Kristallzucker enthalten soll. So steht es auf dem Becher. «Kassensturz» machte aber alle Hoffnungen auf ein Joghurt, das die Zähne schont, zunichte: Statt Zucker wird karamellisierter Zuckersirup verwendet. Na wunderbar! «Schwindel-Kandidat» Nummer drei war die Küchengeräte-Firma Moha of Switzerland, deren Logo ein Schweizerkreuz enthält.

Wie wir wissen, gibt es kaum etwas Vertrauenwürdigeres, als ein Schweizer Produkt. Da weiss man, was man hat. Nein, sagt «Kassensturz», die Salatschleuder werde in China hergestellt. Die Firma bestreitet das nicht, es steht sogar im Kleingedruckten – sie sagt aber, die Produkte würden immerhin in der Schweiz entwickelt. Na dann! Doch zurück zu den Rahmtäfeli und deren Zusammensetzung. Statt Rahm enthalten sie Rahmpulver – und zwar exakt ein Prozent.

«Das war immer so», beruhigt Willy Weber aus Gelterkinden. Sein Vater hat mit der Täfeli-Produktion begonnen, er selber führte die Firma bis 1993 weiter und verkaufte sie dann. «Das Produkt ist nach wie vor einwandfrei.» Es enthalte Butterfett und Rahmpulver, aber keinen Rahm, weil frischer Rahm ungeeignet wäre. «Die Täfeli würden schnell ranzig.»

Weber versteht die Aufregung nicht. Er ist sicher, dass der «Etikettenschwindel des Jahres» keine nachhaltigen Schäden hinterlassen wird. «Die Täfeli sind ausgesprochen gut!»

Eben, da spielt der Name ja keine Rolle. Zumal er schon mal beschnitten wurde. Und nur «Täfeli» zu heissen, würde keine Gattung machen.