Das Klischee hält sich hartnäckig: Auf dem Land zahlt man weniger Steuern als in der Stadt. Wer aus Basel-Stadt ins Baselbiet zügelt, wird in der Stadt gerne auch mal als «Steuerflüchtling» bezeichnet.

Ein Blick in die neuste Steuerstatistik der eidgenössischen Steuerverwaltung belehrt einen aber rasch eines Besseren: Nimmt man beispielsweise den Vergleich zwischen den beiden Kantonshauptorten, fällt auf: In Liestal sind sowohl der Marginalsteuersatz als auch die faktischen Abgaben für nahezu alle Steuerkategorien höher als in Basel.

Mär hält sich hartnäckig

Wenig überrascht von dieser Tatsache ist der stellvertretende Basler Steuerverwalter, Christian Mathez: Im untersten und im oberen Bereich der Einkommen ist Basel steuergünstiger als viele Baselbieter Gemeinden, auch solche, die günstiger sind als Liestal.»

Dass sich die Mär vom günstigen Landleben nach wie vor hält, ist ihm bekannt. Und das, obwohl die Basler Steuerverwaltung seit längerem Vergleichszahlen zu den umliegenden Kantonen publiziert. Dort wird rasch ersichtlich: Wer wirklich sparen will, sollte nach Bettingen umziehen.

Der Gewerbeverband Basel-Stadt will angesichts der neusten Zahlen keinen Jubel aufkommen lassen, sagt Sprecher David Weber: «Man darf aus dem Vergleich mit dem Hochsteuer-Ort Liestal nun keine falschen Schlüsse ziehen und Basel als Steuerparadies darstellen.»

Wenn schon, müsse man die Agglomerationsgemeinden zum Vergleich heranziehen oder aber andere grosse Schweizer Wirtschaftsräume. Auch Mathez macht keinen Hehl daraus, dass Basel noch lange nicht zu den Steueroasen zählen wird.

Im Vergleich zu Zug oder Schwyz sind beide Basel Steuerhöllen, unabhängig von der Wohngemeinde. Mathez betont aber, mit der Finanzpolitik der letzten Jahre habe man enorm viel erreicht und gegenüber dem Umland deutlich aufgeholt.

«Auch Binningen und Arlesheim sind in vielen Steuerklassen nicht mehr günstiger als Basel.»In der Tat zeigt sich deutlich: Neben Liestal haben auch andere Baselbieter Gemeinden lediglich in einem kurzen Segment bei den unteren mittleren Einkommen einen Vorteil.

Genau hinschauen zahlt sich aus

Dieser wird aber immer schmäler, sowohl was die Anzahl der Betroffenen angeht, als auch was die Ersparnis betrifft, die der Einzelne verbuchen kann.

Eklatante Unterschiede gibt es bei den Doppelverdienern: Diese bezahlen in Liestal bereits ab 20 000 Franken Bruttoeinkommen Steuern, in Basel erst ab 50 000. Bis zu einem Einkommen von 100 000 Franken fahren die beiden dann in Liestal besser.

Kommen sie aber auf ein Einkommen, das darüber liegt, was gemäss Einkommensstatistik bei der Mehrheit der Doppelverdiener-Haushalte der Fall ist, dann wird Basel plötzlich deutlich attraktiver als Liestal.

Gilbert Hammel, der Präsident der Liga der Baselbieter Steuerzahler, ist ob der aktuellen Zahlen nicht erstaunt. «Wir haben ein echtes Problem bei den höheren und hohen Einkommen. Dort ist das Baselbiet sündhaft teuer.»

Basel-Stadt habe deutlich höhere Sozialabzüge und in den letzten Jahren die Steuern gesenkt. «Im Baselbiet sind wir dagegen stehen geblieben.»