Schönheits-OP
In der Botox-Stadt unters Messer: Unispital Basel eröffnet eine diskrete Klinik für Ästhetik

Das Unispital Basel eröffnet eine Klinik für Ästhetik, um den Gefahren der Schönheitschirurgie zu begegnen.

Jocelyn Daloz
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In der Schönheitsklinik will das Unispital Basel eine Alternative zu den privaten Kliniken bieten. (Symbolbild)

In der Schönheitsklinik will das Unispital Basel eine Alternative zu den privaten Kliniken bieten. (Symbolbild)

Getty Images

Die Worte «Schönheitsklinik» oder «ästhetische Chirurgie» assoziiert man in der Regel nicht mit Universitätsspitälern. Eher kommen einem da profitorientierte Privatkliniken an der Goldküste in den Sinn oder der Schönheitswahn in Brasilien.

Nun hat das Universitätsspital Basel (USB) eine Klinik für «Regeneration» und «Ästhetik» eröffnet. Laut Dirk Johannes Schaefer, Professor für wiederherstellende Chirurgie an der Uni Basel und Chefarzt am USB, hat das Thema eine gesellschaftliche Relevanz.

Er stellt fest, dass «die Nachfrage vom Markt mit einem unübersichtlichen Angebot an Dienstleistern aufgenommen wird». Komplikationen nähmen zu, verlässliche Langzeitdaten fehlten, Aus- und Weiterbildung seien heute ungenügend. Mit relativer Bedenkenlosigkeit liessen sich heute Personen operieren, manchmal auch in Osteuropa bei Billigkliniken ohne medizinische Nachsorge.

Diskret und weit weg vom regen Spitalbetrieb

Die Klinik mit den weissen Wänden an der Inneren Margarethenstrasse 25 hinter der Markthalle ähnelt bewusst einer diskreten Privatpraxis. Sie ist auch in den ehemaligen Räumlichkeiten des Beauty-Centers «white room» eingezogen und hat das Mobiliar teilweise übernommen. Der Standort ist ebenfalls unauffällig und ruhiger als der Unispital-Campus. Laut Dirk Schaefer ist das für Patienten von Vorteil. Ästhetische Medizin sei noch immer mit Scham verbunden. «Gerade im rot-grünen Basel» sei das ein Thema. Er wisse von Leuten, die deshalb lieber Privatkliniken am Genfersee besuchten.

Trotzdem wird in Basel viel operiert: «Basel hat den zweitgrössten Botox-Umsatz der Schweiz», sagt Schaefer der bz. Aber die Mentalität gegenüber Schönheit und Eingriffen sei anders: «In Zürich ist man viel extrovertierter als in der Rheinstadt.» In Zürich sei auch das Angebot grösser: «Es geht aber oft schon fast in Richtung übertriebene Kosmetik», sagt Schaefer.

Nicht dem Schönheitswahn verfallen

Das Unispital hofft, mit der Margarethenklinik die Kenntnisse über dieses Gebiet zu vertiefen und die Ausbildung zu verbessern. Ästhetische Chirurgie werde nämlich von der medizinischen Forschung vernachlässigt. Es gehe aber auch darum, verantwortungsvoll mit den Erwartungen der Patienten umzugehen. «Wir versuchen, auf den Trend zu reagieren, aber ihn nicht zu verstärken», sagt Dirk Schaefer. Er lehnt auch den Begriff Schönheitschirurgie ab: Ihm geht es darum, Menschen mit nachvollziehbaren ästhetischen Problemen zu einer besseren Lebensqualität zu verhelfen und nicht «übertriebene Kosmetik» zu betreiben.

Deshalb wird die Klinik bei der Beratung auch Psychologen miteinbeziehen und auch mal von einem Eingriff abraten. «Wir sind ja nicht profitorientiert und nicht auf möglichst viele Eingriffe angewiesen.»

In vielen Fällen geht es um Narbenkorrekturen oder Eingriffe beim Gesicht, Massnahmen zur Gewichtsabnahme oder funktionelle Nasenkorrekturen. Aber auch Hautverjüngungen oder Brustoperationen können vorgenommen werden.

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