Im Kinderbüro Basel geht es geschäftig zu und her. Immerhin sind es nur noch wenige Wochen, bis die Kinderzeitung erscheint. Diskussionen über die Seitenlayouts, Reihenfolge der Artikel und die Schriftart sind in vollem Gange. Wo sollen die Interviews stehen, wo die ausgesuchten Rezepte und wo die Tour durch das Rathaus? Fest steht die Bebilderung der Titelseite: Roger Federer in Aktion. Doch nicht, weil er einer der bekanntesten Basler ist, sondern, weil es die Kinder tatsächlich geschafft haben, ein Interview mit dem Tennis-König zu bekommen. Ein Highlight, worum sich jede Schweizer Zeitung reissen würde.

Die Zeitung dreht sich um alles andere als um Spielplätze, Süssigkeiten und Malkurse. Die Kinder interessieren sich dafür, was in der Welt passiert. Das Wissen und Verstehen von Neuigkeiten und Geschehnissen, über das die Erwachsenen immer reden, ist allen ein grosses Anliegen: Sie wollen informiert sein, was in der Region und der Welt passiert. Doch nicht nur für sich selbst sei das wichtig, sondern für alle Kinder in Basel: «Es ist gemein, dass wir Kinder nicht verstehen, was in der Zeitung steht. Dort hat es immer so komische Ausdrücke!»

Auch Binggis wollen mitreden

«Ich bin gekommen, weil ich nicht nur Zeitung lesen will, sondern auch mal eine schreiben will und sehen will, wie sich das anfühlt», sagt der achtjährige Jason. Dieser Meinung schliesst sich auch Selma an: «Wenn Erwachsene Zeitung lesen, finde ich das immer ein bisschen langweilig und ich verstehe meistens nicht, was darin steht. Darum wollte ich mal eine Kinderzeitung machen.» Am besten gefallen hat der Zehnjährigen das Interview mit Ex-FCB-Spieler Marco Streller. Lachend gibt sie seine lustige Art während des Interviews wieder. Das Streller-Interview ist auch Elsa gut in Erinnerung geblieben: «Er war sehr freundlich.» Um die Herstellung der erforderlichen Kontakte, zum Beispiel mit den Interviewpartnern, kümmerten sich Bettina Winkler und zwei projektbegleitende Teammitglieder. «Die Interviewpartner waren sehr offen und zeigten ein hohes Mass an Bereitschaft, sich mit den Kindern zu unterhalten», erzählt Winkler. «Wirklich toll!»

Imponiert hat den jungen Baslerinnen und Baslern die vom Leiterteam organisierte Tour durchs Rathaus. Elsa, Alena und Emma, alle sind sie acht Jahre alt, erzählen von ihren Erlebnissen auf dieser Tour: «Im Rathaus hatte es vier Türen und zu jeder haben wir eine Geschichte gehört.» Eine Türe führte zum Beispiel zum Thema Gerechtigkeit. Dieser Geschichte nahm sich Alena dann hoch motiviert an. Für Emma war die Geschichte von Grossrat Oswald Inglin, der über den Basilisk als Wappentier von Basel berichtete, ein Highlight. Sie hat ausserdem die Aufgabe übernommen, Texte aus dem Internet so umzuschreiben, dass es auch Kinder verstehen.

Die jüngste Kinderzeitungsjournalistin ist Greta. Sie ist sieben Jahre alt und hatte sich zur Aufgabe gemacht, Rezepte aus dem Internet zu suchen und diese dann in der Zeitung vorzustellen. Die Rezepte sind typisch baslerisch: Määlsuppe und Läggerli. So geschrieben, dass Kinder sie nachkochen und backen können.

Kein Kinderheftchen!

Die Kinderzeitung, die Ende März der bz beiliegen wird, soll aber auf keinen Fall zu kindlich herüberkommen. Das Endprodukt ist eine vielfältig gestaltete Zeitung: Man soll sie schliesslich ernst nehmen. Deshalb ist die Zusammenarbeit mit der bz für die Kinder wichtig. Es ermöglicht den Kindern das Erlebnis, effektiv an einer Zeitung mitzuarbeiten und diese nach ihren Vorstellungen umzusetzen.

Die Kinder haben sich für eine Zeitung entschieden, da Schrift unvergänglicher ist als das gesprochene Wort. Ausserdem wollen sie so viele Kinder wie möglich erreichen.

Eine Wirkung erzielen

«Die Gruppe von acht Kindern, die sich dem Projekt der Kinderzeitung annahm, ist extrem engagiert und die Kinder haben mich mit ihrem «Fieber» angesteckt», so Winkler. Die Kinder bringen ihre Ideen aktiv ein und wollen diese auch wirklich umsetzen. Dies spiegeln zum Beispiel skeptische Kommentare beim Betrachten der Layout-Vorschläge wieder.

Der Höhepunkt während des ganzen Kinderzeitungsprojekts war ihrer Meinung nach die erzielte Selbstwirksamkeit, die durch die ganze Arbeit klar sichtbar wurde. «Die Kinder wollten eine Wirkung erzielen und eine Zeitung mit News und interessanten Themen für Kinder machen, die es in Basel so noch nicht gibt», erzählt sie. Die Kinder seien extrem stolz auf ihr Produkt, womit sich die Selbstwirksamkeit sehr erhöht.