Private Securitas am Strassenrand. Knöpfe in den Ohren. Die Tür wird den Besuchern aufgestossen. Geschminkte Lippen in lächelnden Gesichtern. Ausser den Grundmauern sieht die Markthalle aus wie verwandelt. Anders als sonst werden dort noch bis zum Montag keine asiatischen Gerichte oder vegane Hamburger verkauft, sondern ausschliesslich Diamanten, Diamanten, Diamanten. Grosse, kleine, weisse, farbige, wertvolle, sehr wertvolle, undenkbar wertvolle. Abgeschlossen in Glasvitrinen funkeln die Steine, über sie beugen sich Verkäufer und Besucher, dazwischen verhandelnde Hände verschiedener Hautfarben.

Isolation oder Weltneuheit?

Den rund 70 Diamantenausstellern aus 60 Ländern ist die Baselworld zu teuer geworden. Da sie nicht mehr bereit waren, horrende Kosten für ihre Stände in den Hallen an der Baselworld zu bezahlen, taten sie sich zusammen und gründeten ihre eigene Ausstellung. So sagt es jedenfalls Jörg Domeisen, Goldschmied aus Zürich. Ihm, als Besucher der Messe, traut sich so manch Diamantverkäufer mehr zu erzählen als den Medienvertretern. Denn nach aussen kommuniziert die Diamond Show, sie habe nichts mit der Baselworld zu tun. Zwar suche sie die Nähe zur grossen Uhren- und Schmuckmesse und organisiere auch einen Shuttle-Service, der die Besucher im Fünf-Minuten-Takt zwischen den beiden Ausstellung hin- und herkarrt, ansonsten wird so getan, als ob mit der Diamond Show eine einmalige Weltneuheit nach Basel geholt wurde.

Auch interessant ist der Ort, den sich die Diamanthändler für ihre Messe ausgewählt haben. Denn in der Stadt Basel gibt es wohl kaum ein anderes Gebäude, das so viele Ein- und Ausgänge hat wie die Markthalle. Vielleicht hat Alissa Goren, die Leiterin der Messe, auch deshalb leicht gerötete Wangen. Immerhin muss sie einerseits dafür sorgen, dass es in dem Gebäude während 24 Stunden am Tag nicht die kleinste Sicherheitslücke gibt, und andererseits darf der Anlass nicht floppen. Obwohl ihr ansteckender Optimismus kaum Zweifel zulässt, fragt man sich angesichts der eher kleinen Menge an Besuchern: Werden genug Diamanten-Freunde den Weg von der Baselworld in die Markhalle finden?

Der Goldschmied Domeisen hat ihn gefunden. Er pilgert von Stand zu Stand und spricht ab und zu ein paar Worte mit den Händlern. Für ihn, der ganz spezifische Diamanten für seine Schmuckstücke sucht, ist die Messe optimal. Er weiss, was er will und kann direkt mit den Verkäufern über den Preis verhandeln.

Ein bisschen Diamanten-Shopping

Eine Händlerin poliert ihre Vitrine, an einem Tisch sitzen drei Männer über glitzernde Steine gebeugt und stecken die Köpfe zusammen. Draussen hält der Shuttlebus, eine Handvoll Besucher steigt aus. Ein Pärchen aus Chicago unterhält sich angeregt. Es ist für die Baselworld angereist und sucht nun an der Diamond Show nach einem ganz bestimmten Stein. Ein Italiener schlendert mit seinem Sohn über den hellen Teppich, vorbei an den lächelnden Diamanthändlern. Vor einem besonders grossen Ausstellungsstück machen sie Halt und schauen bewundernd auf den 30-karätigen, gold-gelben Diamanten. Kostenpunkt: 30'000 Dollar. Pro Karat, wohlgemerkt.

Messeleiterin Alissa Goren hat kurz Zeit gefunden, auf einem der weissen Sofas Platz zu nehmen. In ihren Ohrläppchen steckt ebenfalls ein teuer aussehendes Schmuckstück. «Ja, es sind Diamanten», sagt sie lächelnd. Für sie vermittle ein Diamant ein Gefühl der Reinheit und ewigen Schönheit. «Und ich glaube, dass jede Frau tief in ihrem Innern den Wunsch hat, einen Diamanten zu besitzen. Sei es auch nur ein klitzekleiner.»