Bei Abstimmungen nach 12.00 Uhr hat Rot-Grün durchschnittlich das Absolute Mehr – obwohl SP und Grünes Bündnis mit nur 48 Stimmen im 100-köpfigen Basler Grossen Rat vertreten sind. Der Grund: Ihre politischen Gegner verabschieden sich in die Mittagspause. Bei Abendsitzungen hingegen scheinen die Linken tendenziell eher verhindert – nie sonst ist die durchschnittliche bürgerliche Dominanz grösser (wobei es im untersuchten Zeitpunkt lediglich zwei Abendsitzungen gab).

Die späten Sitzungen reduzieren möchte hingegen GLP-Grossrat Aeneas Wanner. Er fordert in einem aktuellen Anzug, den Beginn der Morgensitzungen auf 8 Uhr vorzuverschieben, damit künftig weniger Nachtsitzungen nötig werden. Da bleibt die Frage: Wie wird es wohl um die Abwesenheiten der Fraktionen bei Entscheiden vor 9 Uhr stehen?

Rekord-November für die LDP

Im bz-Artikel vom Mittwoch mussten die Bürgerlichen für ihre häufigen Abwesenheiten harte Kritik einstecken. Die Analyse im Jahresverlauf zeigt aber: Die Disziplin nimmt zu. Verpassten im März noch durchschnittlich 20 Prozent der FDP-Fraktion die Abstimmungen, sank dieser Wert im Herbst auf 10 Prozent. Die LDP hat mit 2,5 Prozent Abwesenheiten im November gar einen Sessionsrekord hingelegt. Bei den Sozialdemokraten hingegen scheint die Disziplin nachzulassen: Nach hohen Präsenzquoten in den ersten beiden Monaten nach Sessionsbeginn mit jeweils unter 7,5 Prozent Abwesenheiten wurden solche Werte seither nur noch einmal erreicht (im September).

Die allgemein am schlechtesten besuchten Sitzungen waren übrigens im Mai: Über 30 Prozent der CVP/EVP-Fraktion fehlte durchschnittlich. Die durchschnittlich höchste Präsenz hatte das Grüne Bündnis mit maximal 14 Prozent Abwesenheit. 

Die Wahl von Talha Ugur Camlibel in die Uvek am 10. Mai um 9.12 Uhr war die schlechtest besuchte Abstimmung. Ganze 23 Grossräte waren abwesend.

Die durchschnittlichen Kräfteverhältnisse bei allen 316 analysierten Abstimmungen zeigen ein leichtes Plus der Bürgerlichen – und 11,6 Abwesende.