Theologische Fakultät

In der reformierten Kirche tobt ein offener Streit

Der idyllische Blick vom Kleinbasel aus Richtung Münster trügt. Innerhalb der reformierten Kirche Basel-Stadt tobt ein Streit. Im Visier ist Münsterpfarrer Lukas Kundert.

Der idyllische Blick vom Kleinbasel aus Richtung Münster trügt. Innerhalb der reformierten Kirche Basel-Stadt tobt ein Streit. Im Visier ist Münsterpfarrer Lukas Kundert.

Der Münsterpfarrer Lukas Kundert soll nächsten Mittwoch abgestraft werden, da er die Theologische Fakultät der Uni Basel und ihre Suche nach einem neuen Professor öffentlich kritisierte. Der Professor ist mittlerweile bestimmt worden.

Münsterpfarrer Lukas Kundert weht ein eisiger Wind aus der eigenen Kirche entgegen. Eine Gruppe innerhalb der reformierten Kirchensynode Basel-Stadt will an der nächsten Versammlung am Mittwoch eine Resolution zur Abstimmung bringen. Wird diese angenommen, wäre es eine öffentliche Abstrafung für den höchsten Reformierten in Basel.

Was ist passiert? Vor bald einem Jahr wurde bekannt, dass sich die Theologische Fakultät der Uni Basel bei der Suche nach einem neuen Professor über diverse Regelungen hinweg gesetzt hatte. Lukas Kundert - der eigentlich ein Mitspracherecht hatte, aber von der Fakultät ohne Rechtsgrundlade aus der Berufungskommission entfernt wurde - sagte damals zur bz: «Der Verlauf des Verfahrens hat mich skandalisiert. Es ist offensichtlich, dass hier einiges falsch gelaufen ist.»

Mittlerweile wurde trotz Verfahrensmängel der neue Professor an der Theologischen Fakultät vorgestellt. Doch die harsche Kritik des Titularprofessors Kundert an die Adresse der Uni hat man ihm nicht verziehen. Zwei Uni-nahe Synodalmitglieder verfassten eine Resolution, die von 25 Personen unterschrieben wurde. Dort heisst es unter anderem: «Die Synode appelliert an den Kirchenrat, alles zu unternehmen, um die traditionell guten Beziehungen zwischen Kirche und Fakultät nicht zu gefährden.»

«Ich werde einseitig vorverurteilt»

Präsident des Basler Kirchenrats ist Lukas Kundert. Er ist damit Oberhaupt der reformierten Kirche. Im Resolutionstext wird Kundert zwar nicht namentlich erwähnt. Doch alle wissen, um wen es zwischen den Buchstaben geht - Kundert selbst am besten.

Theologe Adrian Portmann, der die Resolution mitverfasst hat, sagt zur bz zwar, man wolle nicht auf die Person Kundert spielen. Vielsagend fügt er aber an: «Auch wenn sich der Kirchenratspräsident am weitesten aus dem Fenster gelehnt hat, ist am Ende der gesamte Kirchenrat für die öffentlichen Stellungnahmen der Kirche verantwortlich.» Portmann ist Studienleiter des Forums für Zeitfragen und damit also wie Kundert von der reformierten Kirche angestellt.

Was das ganze noch brisanter macht: Lukas Kundert ist noch rund einen Monat im Ausland. Wenn die Synode nächsten Mittwoch abstimmt, kann er sich nicht selbst verteidigen. «Es wäre daher fair, wenn nicht in meiner Abwesenheit über die Resolution debattiert wird», schreibt er in einem fünfseitigen Dokument an die Unterzeichnenden der Resolution. In dem Schreiben, das Kundert per E-Mail der bz zukommen liess, schreibt er ebenso: «Ich habe den Eindruck, dass diese Resolution einseitig mich vorverurteilt hat.»

Sorge um die Kirche

Der progressive Münsterpfarrer hat offensichtlich Gegner innerhalb der Theologischen Fakultät der Uni Basel, aber auch in der reformierten Kirche. Er wird verdächtigt, vertrauliche Informationen der Universität den Medien weitergegeben zu haben, um damit den Berufungsprozess an der Uni zu torpedieren. Kundert weist diesen Vorwurf von sich.

Wird die Resolution von der Kirchensynode am kommenden Mittwoch angenommen, wäre es ein starkes Zeichen gegen ihn. Kundert wiederum macht sich Sorgen um seine Kirche «Ich fürchte, dass diese öffentliche Debatte sowohl der Kirche als auch der Fakultät erheblichen Schaden zufügt», schreibt er an seine Kritiker.

Mittlerweile kann man von einem offenen Streit in der reformierten Kirche sprechen. Resolutionsverfasser Portmann weist darauf hin, dass sein Text breit abgestützt ist. «Die Synode umfasst 80 Personen, unsere Resolution haben rund 25 unterschrieben. Sie hat also durchaus Chancen.»

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