Basel
In der Region Basel droht eine neue Ärzteflut

Ende 2011 läuft der Zulassungsstopp aus. Erste Folgen sind in der Region Basel bereits jetzt spürbar. Im kommenden Jahr dürfen Spezialisten in der Region wieder Praxen eröffnen.

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Mehr Praxe, mehr Ärzte, mehr Leistungen: Es dürfte zu mehr Kosten im ambulanten Sektor kommen.

Mehr Praxe, mehr Ärzte, mehr Leistungen: Es dürfte zu mehr Kosten im ambulanten Sektor kommen.

Keystone

Sie sind gekommen, um zu bleiben. Das dürfen sie jetzt auch: Fachärzte, die bis anhin mit einer Behelfsbewilligung in einer Praxis arbeiteten, können diese nun in eine vollwertige Praxisbewilligung umwandeln. Es sind mehrheitlich junge Ärzte, die bisher Teilzeit arbeiteten, solche, die als Assistenten tätig waren oder eine ausserkantonale Bewilligung für maximal 90 Arbeitstage pro Jahr hatten. Der Baselbieter Kantonsarzt Dominik Schorr spricht gegenüber dem «Sonntag» von zahlreichen Anfragen für vollwertige Praxisbewilligungen, die jetzt eintreffen — als Folge eines Artikels, in welchem die «NZZ am Sonntag» vor einer Woche über die definitive Aufhebung des Praxisstopps für Spezialisten berichtete.

Schorr rechnet auch damit, dass nun vermehrt ausländische Fachkräfte die Möglichkeit nutzen werden, in der Region Basel eine Praxis zu eröffnen. Bei Schorr sind in der Vergangenheit mehrere Anfragen von eher älteren Ärzten vorwiegend aus Deutschland eingegangen, die zum Ende ihrer Karriere in der Schweiz arbeiten wollen. Der Kanton Baselland habe das Bundesamt für Gesundheit nun per Mail aufgefordert, für Klarheit bezüglich Zulassungsstopp zu sorgen. Schorr: «Solange wir nicht eine offizielle Bestätigung aus Bern haben, können wir die Gesuche nicht bearbeiten.» Gegenüber dem «Sonntag» bestätigt das Bundesamt für Gesundheit (BAG): «Der Zulassungsstopp wurde als zeitlich limitierte Massnahme eingeführt. Er läuft Ende 2011 aus.»

Gesuche haben nicht zugenommen

Gegen das Ende des Praxisstopps ist Carlo Conti, Vorsteher des Basler Gesundheitsdepartementes und Vizepräsident der Schweizerischen Gesundheitsdirektorenkonferenz. Damit entziehe man den Kantonen das einzige Steuerungsmittel im ambulanten Bereich. Conti sieht Probleme auf Grenzregionen beziehungsweise die Prämienzahler zukommen.

Obwohl die Gesuche in Basel-Stadt bisher nicht merklich zugenommen haben, warnt Conti: «Es besteht die Gefahr, dass zu viele Fachkräfte auf den Markt kommen.» Dies werde zu einer Kostenverschiebung vom stationären in den ambulanten Bereich führen. Dazu trage auch Swiss DRG, das neue Abrechnungssystem für stationäre Leistungen, bei, das ab Anfang kommenden Jahres zur Anwendung kommt. Neu wird nach Fallpauschalen abgerechnet und nicht mehr nach Tagespauschalen oder Einzelleistungen. «Am Schluss trifft diese Verschiebung den Prämienzahler», sagt Carlo Conti. Dies, weil der ambulante Bereich von den Krankenversicherern finanziert werde, während im stationären Bereich auch die öffentliche Hand mitfinanziert.

«Keinen Rappen gespart»

Felix Eymann Hingegen befürwortet das Ende des Zulassungsstopps. Der Präsident der medizinischen Gesellschaft Basel sagt: «Mit dem Zulassungsstopp hat man keinen Rappen gespart.» Weiter argumentiert Eymann, dass der Markt Angebot und Nachfrage ohnehin selbst reguliere. Zudem biete die Aufhebung des Praxisstopps den Vorteil, dass die jungen Ärzte nun endlich wieder eine Praxis eröffnen können. Eine Verlagerung von Kosten in den ambulanten Bereich hat laut Eymann nur mit DRG zu tun. Es brauche deshalb eine entsprechende Überwachungsregelung.

Ähnlich tönt es vonseiten der Ärztegesellschaft Baselland. Deren Präsident Tobias Eichenberger sagt, dass der Vorstand den Zulassungsstopp nie als taugliche Massnahme zur Regulierung der ambulanten ärztlichen Versorgung betrachtete. Trotz Ende des Zulassungsstopps geht Eichenberger nicht von einer massiven Praxen-Zunahme ab 2012 aus. Punkto Verlagerung gibt aber auch er zu bedenken; «Durch das neue Spitalfinanzierungs-System ist eine nicht unerhebliche Verlagerung in den ambulanten Sektor und damit auch eine entsprechende Kostenzunahme zu erwarten.»

Gezielterer Einsatz von Ressourcen

Das BAG verweist in diesem Zusammenhang auf Managed Care. Leistungserbringer wie Allgemeinpraktiker, Spezialärzte und Physiotherapeuten schliessen sich dabei zur medizinischen Versorgung zusammen. Das Parlament habe sich laut BAG für diesen Weg entschieden, um durch eine Verbesserung der Qualität und Steuerung der Versorgung für einen gezielteren Ressourceneinsatz zu garantieren.

Am Freitag wurde allerdings bekannt, dass die Ärzte die Managed-Care-Vorlage wohl mit einem Referendum bekämpfen werden. Eine Umfrage unter den Mitgliedern des Ärzteverbands FMH zeigte, dass zwei Drittel ein Referendum unterstützen würden.