«Neapel-Feeling gefällig? Ab in die Rheingasse!», lautete der Titel eines bz-Artikels, der Mitte Juni erschien und in dem sich Wirte über die späten Abfuhrzeiten in der Rheingasse beklagten. Jetzt, gut einen Monat später, müsste es heissen: «Neapel-Feeling gefällig? Machen Sie einen Bogen um die Rheingasse!» Denn: In der Rheingasse stinkt es nicht mehr. Jedenfalls nicht mehr so lange. Die Stadtreinigung holt den Müll seit vergangener Woche einige Stunden früher ab als in den Monaten davor, als die Bebbisäcke manchmal erst um 14 Uhr eingeladen wurden. Grund war der neue Abfuhrplan der Stadtreinigung, mit dem sich die Abfuhrtage und -zeiten in manchen Quartieren verschoben.

Was ist passiert, seit die bz den Missstand im Juni publik machte? Zunächst nicht viel. Ein Schreiben, das Robert Schroeder vom Restaurant «Zum Schmale Wurf» ebenfalls Mitte Juni abschickte, beantwortete die Stadtreinigung erst vor wenigen Tagen – am selben Tag, als die bz dort nachfragte, ob sich in Sachen Müll etwas ändern werde. Und plötzlich ging alles ganz schnell.

Stadtreinigung glättet Wogen

«Ich dachte zuerst, es sei Zufall. Doch nach dem zweiten Mal merkte ich – es hat sich tatsächlich etwas geändert», sagt Robert Schroeder. Am Montag vor einer Woche traute er seinen Augen nicht, als er um 10.30 Uhr vor sein Restaurant trat und nicht wie sonst um diese Zeit Berge von blauen Bebbisäcken liegen sah. Gestern, eine Woche später, passierte ihm dasselbe nochmals. Bereits um 10 Uhr waren die Säcke weg.

«Wenn das zur Regel wird, freut mich das sehr. Wer will schon bis nach der Mittagszeit stinkende Abfallsäcke vor seinem Geschäft herumliegen haben?» Diese Frage stellte Schroeder auch der Frau von der Stadtreinigung, die ihn als Reaktion auf sein Schreiben anrief. Sie habe sich für die Verspätung entschuldigt und versucht, «die Wogen zu glätten», sagt Schroeder. Allerdings habe sie ihn auch darauf hingewiesen, dass die Touren nicht einfach so zeitlich verschoben werden könnten. Sofern es aber möglich sei, berücksichtige man die Situation in der Rheingasse und hole den Müll früher ab. So war es jetzt auch. Schroeder hofft, dass es so bleibt, respektive dass es oft «betrieblich möglich» ist.

Alltag in der Rheingasse: Passanten staunen ob der Müllberge, die vor den Beizen bis um die Mittagszeit auf der Strasse liegen.

Alltag in der Rheingasse: Passanten staunen ob der Müllberge, die vor den Beizen bis um die Mittagszeit auf der Strasse liegen.

Denn die Situation in der Rheingasse lasse sich nicht mit der in einer Wohnstrasse vergleichen: «Die Strasse ist eine Gastromeile geworden.» Allein der «Schmale Wurf» produziere in der warmen Jahreszeit rund ein Dutzend Müllsäcke – und das zwei Mal in der Woche.

Grossrat drohte mit Vorstoss

Schroeder war nicht der einzige, der sich bei der Stadtreinigung beschwerte. Auch der Kleinbasler FDP-Grossrat Roland Vögtli konnte nicht glauben, was er im Juni während der Art sah: elegante Messebesucher aus aller Welt, die auf dem Weg zum Mittagessen etliche teilweise nach Fischresten stinkende Müllsäcke passieren mussten. «Das kann doch nicht sein!», habe er gedacht – und bei der Stadtreinigung angerufen. Ein Gespräch mit einem Verantwortlichen befriedigte ihn allerdings nicht. «Der Mann sagte, man könne die Route nicht ändern. Ich widersprach und sagte, das könne man sehr wohl.» Sollte sich an der Situation nicht ändern, würde er einen Vorstoss einreichen, drohte Vögtli. Das war bisher allerdings nicht nötig.

Die Route ist zwar noch dieselbe, dennoch ist Vögtli zufrieden, dass der Müll nun einige Male früher abgeholt wurde. «Manchmal braucht es eben einen gewissen Druck aus Bevölkerung und Politik, bis sich etwas ändert.» Er werde die Lage im Auge behalten und politisch handeln, falls sich die Abfuhrzeiten wieder nach hinten verschieben sollten. Das wäre auch im Sinne Daniel Seilers, der als Präsident der FDP Kleinbasel ein besonderes Auge auf die Gegend wirft. Seiler führt noch ein weiteres Argument ins Feld: «Es kann doch nicht sein, dass man mit viel Tamtam eine Fussgängerzone machen will und dann den halben Tag die Müllsäcke in der Gastromeile herumstehen lässt.»

Vor zwei Wochen hatte die Interessengemeinschaft Kleinbasel bekannt gegeben, dass sie die Volksinitiative gegen die Sperrung der Mittleren Brücke für Autos zurückzieht. Seither ist klar, dass nun auch die Rheingasse autofrei wird. «Mir schwebt eine belebte Strasse nach dem Vorbild des Spalenbergs vor», sagte Regierungsrat Hans-Peter Wessels vor über einem Jahr. Er ist in seiner Funktion auch oberster Chef der Stadtreinigung.